Zukunft
Das einfach nicht nahende Ende der Ära Fluri

Analyse zum wiederholten Schweigen des Solothurner Stadtpräsidenten Kurt Fluri zu seiner Zukunft.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Stadtpräsident Kurt Fluri. Macht er weiter?

Stadtpräsident Kurt Fluri. Macht er weiter?

Hanspeter Bärtschi

«Die Ära Fluri geht zu Ende», unkten die Grünen kürzlich. Und hoffen damit, jene Diskussion über Reformen wiederzubeleben, die mit der gescheiterten Grossfusion vorerst vertagt worden ist. Wir haben nach Symptomen gesucht, die das Ende der bald 23-jährigen Amtszeit von Stadtpräsident Kurt Fluri ankünden. Eines vorneweg: Die Grünen werden am Ergebnis der Spurensuche wenig Freude haben.

«An einer 1.-Augustfeier im Thal hat er gesagt, 2017 sei Schluss.» Wurde so herumgeboten. Aufregung. Wir haben ihn selbst gefragt. Nein, so was habe er nie gesagt. Nächste Gelegenheit: die Parteiversammlung seiner Partei, der FDP, am letzten Mittwoch. Immerhin, sind in gut einem Jahr Gemeinderatswahlen, und am 2. Juli 2017, also in 14 Monaten Stadtpräsidentenwahlen. Hätte ja sein können, dass er sich seiner Partei erklärt. Was er in näherer Zukunft so vorhat. Ob sich die FDP definitiv Gedanken machen muss, über das, was die Stadt-Freisinnigen schon lange umtreibt: Was und wer kommt nach Kurt Fluri? Natürlich haben wir ihn vor Versammlung vorsichtshalber dazu befragt. «Dazu werde ich nichts kommunizieren». Eine dürre Antwort. Aber vielsagend.

Der grosse Vorsitzende lässt sich offenbar Zeit. Kaum anzunehmen, dass ihm die Partei ein Ultimatum stellt. Ultimaten stellt nur Kurt Fluri selbst. Doch bleiben wir beim Thema. Sollte er tatsächlich nächstes Jahr das Stadtpräsidium abgeben, wäre in Solothurn der Teufel los. Denn von einer partei-internen Nachfolgeregelung kann keine Rede sein. Kronprinz Yves Derendingen hat sich nach Bellach und ins Amtsgericht verzogen. Und sonst? Die FDP wird wohl beten, dass er es nochmals macht. Sie ist ganz einfach (noch) nicht parat, um Fluris grosse Fusstapfen halbwegs auszufüllen.

Hat Rotgrün etwas dazu gelernt?

Klar ist, Rotgrün würde das seit Urzeiten freisinnige Stadtpräsidentenamt ebenfalls beanspruchen. Auch wenn Fluri nochmals antritt? Wäre Solothurn genug «Fluri-müde»? Die Bürgerlichen haben nur noch eine hauchdünne rechnerische Mehrheit beim Stimmvolk. Wer bei dieser Majorzwahl besser im gegnerischen Lager Stimmen holt, wird an der Baseltrasse 7 einziehen. Die SP und die Grünen dürfen sich allerdings nicht mehr so dämlich anstellen, wie noch 1993, als jede Partei ihr Alpha-Tierchen separat gegen Kurt Fluri ins Rennen schickte. Klaus Koschmann und die Grüne Marguerite Misteli hatten gegen den FDP-Kandidaten nicht den Hauch einer Chance. Das Problem damals wie heute: Die SP ist klar die stärkere Kraft als die Grünen, die aber mit der ehemaligen Nationalrätin und Bundesratskandidatin Brigit Wyss eine Kandidatin «für fast alle Lager» in ihren Reihen hätte. Dagegen könnte die SP-Powerfrau Franziska Roth für solche Sandkastenspiele abhandenkommen. Es stehen nächsten März Regierungsratswahlen an, in denen SP-Mann Gomm möglichst wieder durch eine eigene Kraft ersetzt werden sollte. Mit Roth? Dann hätte die SP vielleicht ein Folgeproblem.

Die vielen Optionen des Kurt Fluri

Gemach, gemach. Es ist noch viel zu früh. Kurt Fluri wird im Sommer 2017 vorerst einmal 62. Er könnte sich als Stadtpräsident nochmals für eine ganze Amtsperiode, also bis 2021 wählen lassen, und mit knapp 66 dann aufhören. Wie sang doch schon Udo Jürgens: «Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!» Der Stadtpräsident hätte auch die Variante, 2019 nicht mehr für den Nationalrat anzutreten. Und damit die letzten zwei Amtsjahre in der Stadt ohne Doppelbelastung «abzuarbeiten». Er könnte aber auch 2019, in der Mitte der Amtsperiode, das Stadtpräsidium aufgeben, und nochmals vier Jahre in Bern anhängen. Oder sich 2020 mit 65 «ganz normal» als Stadtpräsident pensionieren lassen. Als Nationalrat, oder auch nicht.

Wir sehen: Kurt Fluri hat etliche Varianten, die gegen den Verzicht aufs Stadtpräsidium im nächsten Jahr sprechen. Dass er zu seiner Personalie noch schweigt, sich Zeit lässt, deutet im Moment nur auf eines hin: Er kann warten. Weil er weiss: «Ich mache ohnehin weiter!»