Stadtbummel
Das eine tun, das andere (nicht) lassen

Mark A. Herzig
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Solidarität in Coronazeiten kann auch bewiesen werden, indem das Altpapier ordnungsgemäss entsorgt wird.

Solidarität in Coronazeiten kann auch bewiesen werden, indem das Altpapier ordnungsgemäss entsorgt wird.

Keystone

Eigenartig, um nicht zu sagen einzigartig ist sie schon, unsere Zeit – wird sie dereinst Coronazeit heissen? – zu erleben. Nichts ist wie vorher und wird es nachher auch nicht wieder sein, ist allenthalben zu vernehmen. «Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen», lässt vor über 200 Jahren Friedrich Schiller in seinem Tell den Attinghausen sagen. Man sieht: So schnell veralten Klassiker doch nicht. Zu hoffen bleibt, dass einiges, das wir uns derzeit angewöhnen, weiter blüht – zum Beispiel die vielfach angerufene Solidarität.

Solidarität – in Form von sauber gebündeltem Altpapier – zumeist Zeitungen, die uns das Wesen der Coronazeit vermittelt haben? Auch da gibt es Ausreisser, wie beim Hausmüllentsorgen und beim Einhalten der Regeln zur langsameren Verbreitung des Virus. Papierhaufen, die von den Mannen der Ghüderabfuer mit vernünftigem Zeitaufwand fast nicht zu handeln sind, und Abfallsäcke, die schon übers Wochenende Gassen und Ecken «zieren», besonders, wenn sich Krähen und Füchse darüber hermachen. Sich an Regeln zu halten, wäre auch Beweis von Solidarität.

Wenn der Stadtbummler nicht mehr oder zumindest nur eingeschränkt bummeln soll (z. B. zu Hause treppauf und -runter), dann ändert das Virus vieles. Schreiben darf er zwar noch, aber in striktem Homework. Hausaufgabe? Heimarbeit?. Heimwerken passt auch nicht, denn das seien nicht professionell ausgeübte Tätigkeiten, und bricolage ist nicht Stadtbummlers Tun. Das englische «Do it yourself» passt schon eher.

Ewig Sonntagsgefühle, wenn man in die menschenleeren Gassen hinausschaut? Das kann es auch nicht sein, sagen auch jene, die sonst den Sonntag sehnlichst herbeiwünschen, aber bundesrätlichen Hausarrest absitzen und viel lieber arbeiten gehen würden. Hansdampf im Schnäggeloch het alles was är will, und was är will, das het är nit, und was är het, das will er nid.

Verstanden hat auch der Stadtbummler nicht alle vorgeschlagenen, empfohlenen, vorgeschriebenen Massnahmen bzw. deren Definitionen und Grenzlinien.

Man sieht, es ist nicht einfach, und wir sollen nicht grübeln und begreifen wollen – denn wie heisst es so schön: «Verstehen wollen ist der Anfang des Ungehorsams.» Da haben offenbar trotz aller Solidarität viele begreifen wollen oder es gar getan.