Café de l’Industrie

Das Dilitschquartier ist um eine Kleinstbibliothek reicher

Reiner Bernath und Initiantin Heidi Gruber beim «Bücherschränkli».

Reiner Bernath und Initiantin Heidi Gruber beim «Bücherschränkli».

Im Westen der Stadt gibts ein kleines, aber feines neues «Bücherschränkli». Zwar haben kaum mehr als 75 Bücher Platz, trotzdem befinden sich auch bekannte Namen im Regal.

«Klein, aber fein», kommentiert Heidi Gruber, als sie den Holzkasten mustert, der am Ostermontag neben dem Eingang zum «Café de l’Industrie» auf ihre Initiative hin angebracht wurde. Auf drei Regalen findet sich eine Kleinstbibliothek, in der man auch bekannte Namen findet: Frisch, Süsskind, Andersch.

«Ausleihen, behalten, weitergeben, austauschen» steht auf einem Etikett. Das Prinzip ist in Solothurn bereits bekannt, steht doch ein offener Bücherschrank auch am Kreuzackerquai. Mit dem Unterschied, dass hier beim «Industrie» kaum mehr als 75 Bücher Platz haben.

Doch mag im Dilitschquartier diese Neuerung auch noch so «klein und fein» sein, den Bewohnern ist sie nicht entgangen: «So cool», lobt eine Velofahrerin, die kurz vom Sattel steigt. Ziviles Engagement wird im Umfeld des «Café de l’Industrie» geschätzt.

Und so passt das neue literarische Angebot auch zu den Lesungen, die im «Café de l’Industrie» selbst abgehalten werden. Der Präsident des Trägervereins Reiner Bernath spricht nicht ohne Stolz von regelmässig ausverkauften Anlässen, die im «Kulturhotspot, im kulturellen Kristallisationskeim des Quartiers» stattfinden.

«Da gibt es schon mal Anwohner, die verärgert sind, weil die Anlässe ausgebucht sind.» Und so hatte er auch bei Aufbau und Materialbeschaffung fürs Bücherschränkli die Federführung.

Faszination des Buches

Auf die Idee gekommen ist Heidi Gruber nicht zuletzt, weil sie selbst ausgebildete Grafikerin ist und sich in ihrer Ausbildung auch mit Typografie befasste. «Den Geruch und die Haptik schön bedruckten Papiers vergisst man nie.»

So habe sie im Werkhof Langendorf oft Bücher gefunden – und zuletzt in einem aufgelösten Haushalt einen grossen Fundus. Als Bernath seine Mithilfe zusicherte, war der Grundstein gelegt, die Idee zu realisieren. Und erste ermutigende Reaktionen stimmen positiv.

«Wir konnten auch nicht feststellen, dass Leute ihre Bücher hier entsorgen», sagt Gruber. Gerade der offene Bücherschrank am Kreuzackerquai kämpft gegen ebenjenes Problem. Ebenso wenig wird hier die Lesematerie ausgehen: «Ich habe ein Depot auf dem Estrich.»

Gruber sinniert weiter über neue Möglichkeiten: «Wenn es einen Sponsor gäbe, könnten wir auch einen grösseren Schrank realisieren.» Einstweilen sei sie aber glücklich über das «herzige Schränkli».

Doch ob gross oder klein: Wie Bernath andeutet, wird der Bücherschrank selbst zum Keim für neue Aktivitäten im Quartier. «Es ist ein Lesezirkel im Entstehen.» Im monatlichen Turnus also soll sich eine Gruppe über gemeinsam gelesene Literatur austauschen.

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