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Das Bier drohte knapp zu werden: Besucherrekord an den Solothurner Biertagen

Fachsimpeln war an den 38 Ständen im Brauerzelt angesagt.

Fachsimpeln war an den 38 Ständen im Brauerzelt angesagt.

Trotz des verregneten Samstags war die Lawine von Bier-Fans nicht zu stoppen. An den 14.Solothurner Biertagen gab es einen neuen Besucherrekord.

«Schon am Donnerstagabend hatten wir deutlich mehr Besucher als im Vorjahr, und das setzte sich an den anderen zwei Tagen fort.» Trotz des einsetzenden Regens am frühen Samstagabend rechnet Biertage-Organisator Alex Künzle mit «500 bis 1000 Leuten mehr» als noch 2015. Damals kam bereits ein Rekordaufmarsch von rund 12'000 Besucherinnen und Besuchern zusammen. «Mit dem jetzigen Konzept haben wir einen Weg gefunden, auf dem es in Sachen Raumaufteilung recht gut klappt.»

Das heisst: In der Reithalle mit 250 Plätzen wird vor allem eine lange Bar mit über 30 Biersorten geführt, daneben gibts drei Verpflegungsstände und nur noch Sound vom DJ statt Live-Konzert. Die 38 Aussteller, davon 36 Kleinbrauereien, sind im grossen Zelt hinter der Reithalle konzentriert. Dort war jeweils an den späteren Abenden die Hölle los, ein Durchkommen im Craft-Beer-Corner zu den «Leuchttürmen» der Experimental-Brauerei wie der Brasserie des Franches Montagnes BFM schier unmöglich. Ein Störfaktor: Der Lärmpegel lag für viele am oder über dem Grenzwert.

Als das Bier knapp wurde

Da auch die Aussenstände für Food vermehrt wurden, kam es kaum mehr zu den lästigen, in den Vorjahren häufigen Schlangen, um an etwas Essbares zu gelangen. Dafür wurde nach und nach das Bier knapp. Alex Künzle musste zuletzt auf seine «Öufi»-Reserven zurückgreifen, «denn etliche Brauereien wollten und konnten mir kein Bier mehr für die lange Reithalle-Bar liefern.»

So wurden die Biersorten-Karten an den einzelnen Ständen bald einmal um einige Sorten ärmer, denn nicht alle konnten wie die Brasserie Valaisanne am Samstag noch nachliefern. Deren Aussendienst-Mitarbeiter Martin Jossen, der im Wallis mehrere 100 Kunden betreut, war mit dem erstmaligen Auftritt in Solothurn sehr zufrieden. «Besonderen Anklang fand hier unser Pale Ale.»

Und für Alex Künzle war die Präsenz des Carlsberg-Ablegers insofern ein gelungenes Experiment, weil die anfängliche Kritik an der Berücksichtigung des Braukonzern-Vertreters am Anlass selbst kaum mehr zu hören war. «Die Walliser wollen jedenfalls nächstes Jahr wieder dabei sein.» Eine Absicht, die wohl bei fast allen «echten» Kleinbrauereien auch da sein dürfte, denn laut Künzle waren «die Aussteller sehr zufrieden».

Wo sind die Solothurner?

«Ich hörte sehr viel Englisch und Französisch», meinte auch der Organisator zum Gäste-Mix, unter dem sich neben der aufmarschierten Treichlergruppe viel schräges Volk befand: Enzianhemden mit umgebundenen Melkstühlen, junge Männer mit aufgeklebten Rauschebärten, mindestens ein Schottenrock und Dirndl-Mädchen – allerdings nur hinter dem Brezeln-Stand in der Reithalle. Ein Segment fehlte jedoch vor allem am Freitag- und Samstagabend: der Solothurner. Reicht ihm das stetig georderte Freibier als geladener Gast am Eröffnungstag völlig?

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