1994 wurde die Stiftung für die Wiederherstellung solothurnischer Baudenkmäler von Paul L. Feser gegründet. Der 2014 verstorbene Denkmalschützer konnte noch zu Lebzeiten einige Objekte abhaken, die er mit viel Einsatz erhalten konnte: So den ehemaligen «Bären» an der Baselstrasse – heute ein Hotel – oder die Häusergruppe an der Hermesbühlstrasse, am sogenannten Giessirain.

Andere Objekte auf der Liste wirken utopisch, weil längst abgerissen. Und doch sollen sie nach dem Willen der Stiftung wieder rekonstruiert werden. Darunter finden sich Befestigungsteile wie die Ritter-Bastion, wo heute der Uferbau steht, oder auch der Hürligturm am Ende des Kreuzackerquais an der Aare. Ein besonderes Anliegen war ihm aber die Wiederauferstehung des Alten Berntors – und daran arbeitet die vom Solothurner Anwalt Max Flückiger präsidierte Stiftung noch heute.

Einst wichtig, dann unwichtig

1877 fanden die Solothurner das Berntor, das auf der Höhe des heutigen Kinos Capitol stand, völlig überflüssig. Bei bengalischem Licht, Feuerwerk und mit Absingen von Spottversen wurde der Abriss des einst bedeutenden Festungsturms eingeläutet. Zumindest war er kurz zuvor noch fotografiert worden, sodass der Bau recht gut dokumentiert ist. Aber der Zeitgeist war gegen die Erhaltung solcher Überbleibsel aus dem Mittelalter und dem Barock.

Schon vorher waren auf der Altstadtseite das Wassertor am Ende der Wengibrücke gefallen, westlich davon die Schanzen mit dem dritten Muttiturm, dem Haffnersturm. Einen Teil der Schanzen durchbrach man auch in der Vorstadt, um Platz für die Eisenbahn und ihre noch heute dort stehende Brücke zu schaffen. Die Vorstadtschanzen mit dem Äusseren Berntor – es stand beim heutigen Coop-Center Rosengarten – wurden mitsamt dem Berntor bis auf das Turnschänzli ganz im Osten der Vorstadt geschleift. Es verschwand als letzter Schanzenteil 1905, was einen Proteststurm und gleichzeitig die Gründung des Schweizer Heimatschutzes auslöste.

Dabei hatte das Berntor, lange vor dem Schanzenbau im ausgehenden 17. Jahrhundert errichtet, schon im Hochmittelalter eine wichtige Rolle in der Vorstadtbefestigung gespielt. Das «Bur-thor» wurde 1296 erstmals erwähnt und sollte – wie dieser damalige Name belegt – die Ausfallachse nach Büren schützen.

Vorerst nur wenige Meter hoch wurde das Berntor mehrfach aufgestockt, so wohl ab 1464, als auch der Krumme Turm errichtet wurde, und über Jahre grössere Tuffsteinmengen in Leuzigen bestellt wurden. 1491 wurde das Flachdach mit Zinnenkranz mit Blei isoliert und dann blieb das Berntor oder damals auch Äusseres Wassertor geheissen in diesem Zustand, bis es 1776 das Pyramidendach mit Glockentürmchen erhielt.

«Füdlistei» existiert noch

Immerhin könnte die Stiftung bei einer Rekonstruktion noch auf etliche Originalstücke aus dem Mittelalter zurückgreifen. Vorhanden ist etwa noch ein hölzerner St. Urs, der dem bekannten Solothurner Holzschnitzer aus dem späten 15. Jahrhundert, Hans Tussmann, zugeschrieben wird. Ebenfalls existieren aber auch noch eine Wappentafel mit Reichsadler sowie zwei Torsteine. Der innere, ein bärtiges Männergesicht, und der äussere als «Füdli-stei», der seine zwei Füdlibacken über dem Torbogen spöttisch gegen Bern gerichtet hatte. Heute ist der Stein im Hofgewölbe des Kollegium-Schulhauses zu bestaunen.

Noch nichts geplant

Just jetzt wird die Stadt die Berntorstrasse umgestalten. Die Bauarbeiten beginnen im April und dauern fünf Monate. Nicht in der Planung ist eine Rekonstruktion des Berntors – doch immerhin wird der Bus künftig beim zuletzt getesteten Einbahnbetrieb mit Ampelbetrieb bleiben. Mit maximal 2,55 Meter Breite könnten Busse das ca. 3,80 Meter breite Tor passieren.

Die Fundamente wurden übrigens 2012 beim Bau der Fernwärmeleitung ausgegraben und dokumentiert. Nicht mehr passieren könnten allerdings das Tor die grösseren Fasnachtwagen, denn ein Tor in einer Kurve ist für sie eine unmögliche Kombination. Wohl noch das kleinste Problem für Max Flückiger und seine Stiftung.