Wenige Schritte vom Stacheldraht des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses Schöngrün entfernt und verborgen hinter Maisfeldern zeigt sich das vertraute Bild einer «Wagenkarawane», die man aber eher mit der Kulisse der Westumfahrung in Verbindung bringt.

Tatsächlich haben die «Wagabunten» nun den städtischen Boden verlassen und in Biberist Fuss gefasst. Seit nun bald drei Jahren ist die «Wagenburg» mit mittlerweile sieben jungen Bewohnern in der Stadt und Region unterwegs, in der stetigen Hoffnung, mit ihrem alternativen Wohnstil anzukommen.

Mit ihrem erneuten Umzug über die Stadtgrenze reagieren die «Wagabunten» auf den Räumungsbeschluss der städtischen Baukommission, der spätestens am Mittwoch, 10.August, umgesetzt worden wäre.

Zur Erinnerung: Die Stadt Solothurn hatte den «Dorfbewohnern» seit geraumer Zeit eine saisonale Zwischennutzung auf dem Badiparkplatz gewährt, ebenso drückte sie als Grundeigentümerin ein Auge zu, als sich die «Wagabunten» im Perimeter der Stadtentwicklungs-Zone «Weitblick» niederliessen.

Als die Stadt schliesslich von der Kommune forderte, nach einem kurzen Unterbruch für wenige Wochen vor der Badesaison zum Badi-Parkplatz zurückzukehren, weigerte sich diese. Weiter dürfe die Kommune nicht auf mehr Personen anwachsen. Auch gegen diese Einschränkung stemmten sich die «Wagabunten».

Ein Ultimatum, das Grundstück am Grabackerweg bis zum 11. April zu verlassen, liessen sie ohne Reaktion verstreichen, worauf die Baubehörde eine Wiederherstellungsverfügung bis zum 10. August aussprach.

Kreative Botschaft hinterlassen

Tatsächlich ist die Ecke, einen Steinwurf von den Sonnenpark-Blöcken entfernt, am Wochenende ordentlich hinterlassen worden, jedoch mit einem Erinnerungsstück: Ein Bauwagen en miniature, der Wagen «Nr. 14», erinnert an die vorigen Bewohner. Mit Slogans wie «Wagenplatz statt Wasserstadt» und «Wir besetzen nur Brachland, andere besetzen die Macht» machten die jungen, erwerbstätigen Leute ihrem Unmut vor dem Umzug Luft.

Stadtschreiber Hansjörg Boll ist angesichts der Räumung positiv gestimmt: «Wir sind froh, dass sich die ‹Wagabunten› dem Entschluss der Baukommission gebeugt haben.» Ungeachtet dessen liegt noch eine Beschwerde der «Wagabunten» – unbearbeitet und nun wohl obsolet – bei der Stadt: Diese hatten sich vor allem gegen den Passus gewehrt, eine erneute Besetzung städtischer Grundstücke grundsätzlich zu unterlassen.

Sowohl Rücken- als auch Gegenwind schlägt den «Wagabunten» in den sozialen Netzwerken entgegen. Auf Facebook wird einerseits der Weggang der «saubersten und anständigsten Bewohner von Solothurn» bedauert, während Kurt Fluris «verbitterte» Rolle als Stadtpräsident kritisch hinterfragt wird.

Andererseits gibt es auch jene, die sich den Wegzug längst herbeigewünscht haben: «Man kann nicht einfach ein Stück Land besetzen und sich nicht an Abmachungen halten», ist zu lesen.

Was sagt Biberist dazu?

Doch wie reagiert man in Biberist auf die Neuzuzüger hinter dem Maisfeld? Gemeindepräsident Martin Blaser will sich zunächst gar nicht zu den «Wagabunten» äussern. «Zunächst einmal klären wir die rechtliche Situation ab und sichten die Lage vor Ort», so Blaser.

Ebenso stehe man mit der AXA Winterthur in Kontakt: Ihr gehört nämlich das besagte Grundstück, zu dem auch das ehemalige Untersuchungsgefängnis zählt. Im März hatte der Kanton die Liegenschaft verkauft.

«Die Gemeinschaft hat uns über ihre Pläne informiert», sagt Urban Henzirohs von der Medienstelle der AXA Winterthur. Auch er bestätigt, dass der Sachverhalt noch in Abklärung sei und man mit Martin Blaser in Kontakt stehe.

Denn die Pläne, die die Grundeigentümerin dort auf einer 44'000 Quadratmeter umfassenden Fläche umsetzen will, sind ambitiös: Eine Wohnüberbauung mit 130 Einheiten soll dort in den nächsten Jahren entstehen. Der planmässige Baustart sei für das zweite Halbjahr 2017 vorgesehen, so Henzirohs.

Bei entsprechender Kulanz von AXA Winterthur und der Gewährung durch die Biberister Behörden könnten die «Wagabunten» also rund ein Jahr dort verweilen – bis zum nächsten Halt.