Stadtbummel Solothurn

Das Authentische hat Hochkonjunktur

Halt, wer da? Herodes’ Personenkontrolle bei der Weihnachtsreise.

Halt, wer da? Herodes’ Personenkontrolle bei der Weihnachtsreise.

Wenn es eine Zeit im Jahr gibt, in der sich der Mensch mehr «Echtheit» wünscht, dann ist es die Weihnachtszeit. Schon der Blick in die Solothurner Agenda zeigt, dass das Authentische lückenlos Hochkonjunktur hat. Der derzeitige Wiehnachtsmäret am Kreuzackerquai ist das beste Beispiel dafür: Wer den vorweihnächtlichen Supermarktsbummel verschmäht und dafür von Hand geschaffene Schätze, eben das Echte, sucht, ist hier am richtigen Ort. Selbiges gilt für den Chlausemäret, der sich einen ähnlichen Anspruch auf die Fahne schreibt.

Authentizität (wer schafft es, dieses Wort korrekt und authentisch auszusprechen?) war auch im Kapuzinerkloster der Leitspruch: Dort wo jeweils im Sommer die «Authentica» stattfindet, präsentierte sich vor einigen Wochen das Kleingewerbe zum «Advent im Kloster» ebenfalls bodenständig. Wer auch schon Weihnachtsevents in anderen Städten bis in den süddeutschen Raum besuchte, weiss, dass der hiesige Standard nicht überall gilt. So findet man andernorts durchaus mal die gleiche «als Unikat in Handarbeit» gefertigte Weihnachtskarte oder Steppdecke an zwei Ständen, die nur einen Steinwurf auseinanderliegen.

Jeweils ein Unikat im grossen Schaukasten der Adventsanlässe ist hingegen das biblische Reenactment der «Weihnachtsreise» zum Sonntagsverkauf. Authentisch ist hier der tiefere Sinn hinter den nachgespielten Ereignissen. Ob die Kostümierung und die Kulisse authentisch sind, muss von jenen beurteilt werden, die sich mit dem Leben der Römer genauer auskennen. Dass an den Eingängen zur Stadt Herodes’ Namenslisten gezückt werden, scheint ein erfrischendes Detail.

Eines, das an die vergangene Gemeindeversammlung am Dienstagabend erinnert. Nicht Herodes’ Häscher standen dort Wache, sondern ein stattliches Aufgebot der Stadtpolizei. Verantwortlich für die Eingangskontrolle, warfen die Ordnungshüter auch ein Auge auf die alternative Menschenschar, die sich draussen vor dem Landhaus aus Gulaschkanonen heiss verköstigte, um sich für die drinnen ebenso heiss diskutierten Themen startklar zu machen. Ungemach dürfte dabei bei den Polizisten nicht wegen besagter Menschenmenge aufgekommen sein, sondern vielmehr wegen der Ankündigung, die aus den Lautsprechern ertönte: Ein Vorstoss will die Stadtpolizei abschaffen. Dürfen die Polizisten an der nächsten Versammlung ihren Posten zum Abstimmen verlassen, wenns um ihren Job geht? So oder so: Vielleicht wünscht sich der eine oder andere neben Echtheit sonst auch ein wenig mehr Beständigkeit fürs 2017: dass beispielsweise der Monatsmäret erhalten bleibt – und der Chlausemäret nicht zum «Santa-Claus-Fair» wird.

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