Solothurn
Das Areal unter der Westumfahrungsbrücke ist begehrt

Mit einer Petition an den Regierungs- und Gemeinderat verlangt die Juso des Kantons Solothurn einerseits, dass die Westumfahrungsbrücke für Jugendraum «unterbaut» wird.

Wolfgang Wagmann
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Keine Option: der Noch-Parkplatz unter der Umfahrungsbrücke. Bar

Keine Option: der Noch-Parkplatz unter der Umfahrungsbrücke. Bar

Mit einer Petition an den Regierungs- und Gemeinderat verlangt die Juso des Kantons Solothurn einerseits, dass die Westumfahrungsbrücke für Jugendraum «unterbaut» wird. Gegenwärtig wird der Raum unter der Brücke als an sich nicht bewilligter «Gelegenheitsparkplatz» benutzt. Für eine Umnutzung stehen die Zeichen jedoch schlecht (siehe Kasten). Befinde man sich doch hier zonentechnisch im «Strassenraum», wie Solothurns Stadtplaner Daniel Laubscher erklärt.

Bald Parkieren unmöglich

Für den Grundeigentümer, den Kanton, ist klar, was unter der Brücke nicht sein darf: Brennbares. Christian Balz, Abteilungsleiter Kunstbauten des Amts für Tiefbau und Verkehr (AVT): «Wir haben die Stadt angewiesen, das dortige Parkieren zu unterbinden. Denn bei einem Fahrzeugbrand könnte die Armierung der Brücke durch die Hitze beschädigt werden oder es entstehen Risse im Beton.» Auch wegen der Haftung soll deshalb alles, was brennen könnte, unter der Brücke verbannt werden. Höchstens ein «Stein- oder Betonlager» sei auf dem Areal möglich. «Demnächst», wenn hängige Zufahrtsfragen geklärt sind, will deshalb die Stadtpolizei mit baulichen Massnahmen das Parkieren verunmöglichen, wie Sachbearbeiter Christoph Wenck auf Anfrage bestätigt. (ww)

Die Stadt habe hier zwar mit dem Bau der Westumfahrung unter der Brücke den sogenannten Kofmehlweg erstellt, doch sei das Areal Hoheitsgebiet des Kantons. «Möchte man unter der Brücke eine andere Nutzung, so müsste das Areal zuerst umgezont werden», betont der Stadtplaner – was wiederum den politischen Willen im Gemeinderat voraussetze, überhaupt etwas verändern zu wollen. Denn die Stadt wäre im Falle des Falles wie bei der benachbarten Kulturfabrik Kofmehl auch Planungsbehörde.

Kommentar von Wolfgang Wagmann

Die Idee der Jungsozialisten ist auf den ersten Blick so bestechend, dass sie vorherige Abklärungen für unnötig hielten. Stadt und Kanton wurden nicht gefragt, ob das Schaffen von Jugendraum unter der Westumfahrungsbrücke überhaupt möglich ist. Auch die Anwohner und die angrenzende Kulturfabrik Kofmehl sind unwichtig - Hauptsache, die eingereichte Petition schlägt den politischen Schaum und die Juso-Klientel erhält das Gefühl: Die tun was für uns!

Nun, ganz unrecht haben die Bittsteller bei der Regierung nicht: Das Areal unter der Brücke, an sich eine «Triple-A-Lage», ist für ein Nichts zu schade. Nicht einmal Parkplätze dürfen es sein - obschon sie dort angesichts der umliegenden Gewerbezone sowie der Sport- und Kulturanlagen wichtig und begehrt wären. Man mag die restriktive Haltung des Kantons wegen der geringen Brandgefahr als kleinlich abtun, doch ganz unbegründet ist sie nicht. Also keine Autos, keine Gebäude, nichts Brennbares unter der Brücke für alle Zeiten. Punktum, das ist Fakt.

Was aber dann? Wachsen tut mangels Regen unter dem Betondach nichts, und eine mit Steinen abgeriegelte Schuttwüste beidseits des Kofmehlwegs ist Blödsinn. Die Stadt könnte ihr nicht brennbares Steinlager - der Topstandort auf der Rossallmend neben der Westumfahrung ist dafür zu schade - unter die Brücke zügeln. Die Alternative: Stahl- oder Betonwände entlang des Wegs zum Anbringen legaler Sprayereien. Freiräume, wie sie die Juso auch fordert - dank eines «Way of Spray»?

Kein Musikgehör für Skater

Dabei hat Daniel Laubscher durchaus schon Erfahrungen mit dem Areal unter der Brücke gemacht. Als designierter Stadtplaner war er im September 2008 kurz nach der Eröffnung der Westumfahrung an einer offiziellen Anwohnerinformation dabei gewesen, um die Idee eines Skate-Parks unter der Brücke auszuloten. Die Anwohner-Reaktionen auf die Vorstellungen einiger junger Skate-Interessierter waren äusserst heftig ausgefallen, sodass die Initianten trotz vorsichtigem Support der Kulturfabrik Kofmehl ihr Vorhaben quasi schon in «Andenk-Phase» begruben – jedenfalls war nach dem Info-Abend nie mehr die Rede von einem Skate-Park gewesen.

In der Zwischenzeit wurde zumindest einmal ein Weststadt-Quartierfest unter der Brücke durchgeführt. «Aber für solche Anlässe braucht es eine Bewilligung», betont Laubscher. Und nicht bewilligt worden seien damals Karton-Aufbauten für das Fest unter der Brücke – wegen des Brandrisikos.

Wie es die Kulturfabrik sieht

In der benachbarten Kulturfabrik Kofmehl hatte man nach jahrelangem Rechtsstreit mit zwei Anwohnerparteien endlich im letzten Sommer einen juristisch verfügten Modus Vivendi gefunden: Die Kulturfabrik musste ihr Ordnungsdispositiv nochmals anpassen und eine kostspielige Lärmschutzwand genau gegen das Brückenareal errichten. Im Gegenzug erhielt sie das Recht, wieder bis 3 statt wie vorher verfügt 2 Uhr offenhalten zu dürfen. Deshalb findet Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik Kofmehl, beim Juso-Vorstoss wichtig, dass «die baurechtlichen Aspekte und Rahmenbedingungen und Möglichkeiten gut geklärt werden.» Wäre eine Machbarkeit gegeben, müsste das Vorhaben mit allen involvierten Parteien, insbesondere auch der Anwohnerschaft, diskutiert, definiert und organisiert werden.

Die Forderung der Jugend nach mehr Freiraum kann man in der Kulturfabrik allerdings nachvollziehen. Die Stiftung zur Förderung der Jugendkultur im Kanton Solothurn als Baurechtsnehmerin und Eigentümerin der Kulturfabrik ist der Ansicht, dass man sämtliche Möglichkeiten für mehr Freiraum für die Jugend prüfen sollte. Den vorgesehenen Standort findet die Stiftung nicht geeignet, «da die Anwohner nicht überfordert werden sollten. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit konnten wir eine einvernehmliche Lösung finden», erklärt Stiftungspräsident Rolf Studer.