Solothurner Filmtage 2011
Das «Après-Film» als wärmender Gassenfeger

Neben dem offiziellen Programm laben sich die Besucher und Besucherinnen der Filmtage auch am kulinarischen und geselligen Angebot dazwischen. Gerade am Abend gibt es in den Lokalen rund um die Kinos kaum noch Platz.

Andreas Kaufmann
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So viel Film, so viel Durst: Impressionen von den Filmtage Solothurn
16 Bilder
Durstiges Filmpublikum im Uferbau.
Ein heiteres und wohlverdientes Après-Film in der Absinthe-Bar. Fotos: Andreas Kaufmann
Alt-Bundesrätin Ruth Metzler und Filmtage-Direktor Ivo Kummer.
Dani Levi vor Filmpublikum im Kino Canva.
Kleiner Filmtage-Besucher
Im Kino Canva.
Jonas Meier und Mike Raths, Sieger des Musikvideo-Wettbewerbs
Der Publikumspreis fürs bestes Musikvideo ging an Raphael Fischler.
Nach einem Gastro-Abstecher gehts ab zum nächsten Film.
Durstiges Filmpublikum im Uferbau.

So viel Film, so viel Durst: Impressionen von den Filmtage Solothurn

Solothurner Zeitung

Filmfreunde brauchen dieser Tage ein dickes Fell: Nicht, weil das Filmtageprogramm allzu Schwerverdauliches über die Leinwände flimmern liesse. Vielmehr wird das Problem im Zeitraum zwischen Film und Film oder zwischen Beiz und Film handfest. Obwohl man auch von einem Gassenfeger sprechen könnte, war es am Wochenende fast schon ein Gassen-Blizzard, der das Solothurner Fussvolk dazu veranlasste, dem Hals eine Windung Wollschal mehr zu gönnen und die Kappe tiefer ins Gesicht zu ziehen. Die schneidende Kälte war denn auch Grund, um die Zeit zwischen den Laufzeitminuten möglichst an der Wärme zu verharren. Dazu bot das Solothurner Nachtleben mehr als eine Gelegenheit.

Der Filmspass will geplant sein

An die Wärme geflüchtet sind Brigitte Gerber aus Bern und ihr Partner: «Eigentlich möchte man ab und zu auch pausieren, kommt dann aber doch nicht umhin, in jedem Block mindestens einen Film gesehen zu haben.» Doch nun sei ein Moment der Rast in der «Aarebar» erlaubt. Die beiden durchkämmen mit Markierstift die schwarzgelbe Festivalfibel und gleisen den weiteren cineastischen Fahrplan auf. Doch auch das Ambiente des Après-Films wissen sie zu würdigen: « In Solothurn herrscht eine zufriedene Stimmung. Man trifft auf Leute, die ebenso Freude am Filmeschauen haben», so Gerber.

Derweil gönnen sich die beiden Tessiner Filippo Mazzi und Niccolo Iorno einen Schluck im «Solheure», bevor sie wieder in die frostigen Gassen stürzen. Der nächste Film wartet schon. Für Mazzi ist dies der erste Besuch an den Filmtagen. Er verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen: «Ich schreibe meine Diplomarbeit über die Geschichte der Schweizer Filmpolitik. Der Besuch in Solothurn ist quasi die Schlussinspiration vor der Abgabe.» Iorno freut sich seinerseits – auch ohne professionelle Mission – um nichts weniger auf die kommenden Tage und auf eine Menge spannender Dokus.

Filmtage als Punkt in Jahresagenda

Dafür steht bei Susann Wach Rozsa und ihrem Mann Klaus die kulinarische Stärkung noch an. Die Kurzfilmintendantin des Bundesamtes für Kultur pilgert seit 25 Jahren aus Zürich nach Solothurn, «einmal pro Jahr», und trotzdem kennt sie das pulsierende Leben abseits der Leinwand wie eine Einheimische: «So treffen wir uns auch mit Freunden im ‹Kreuz›, im ‹Baseltor›» – ein jährliches Ritual der Geselligkeit.

Ebenfalls rituell geht es bei der «Gilde» der Trickfilmer zu und her: «Freundschaftliches Austrinken» nennt es Jonas Raeber, seineszeichen Trickfilm-Regisseur. «Bödele für den nächsten Film – ‹Sennentuntschi›», ergänzt Tanja Katrin Huber von der Auswahlkommission Forum Schweiz. Die Laune und Heiterkeit der «Gilde» scheint auf positive Art und Weise Klischees und allfällige Witze über Trickfilmer zu bedienen.

Wohlverdienter Schlummertrunk

In der Absinthe-Bar lehnt sich Michel Birchmeier zurück und kostet von seinem Schlummertrunk – wohlverdient, krempelt er dieser Tage doch im Rahmen des Publikumspreises der Filmtage selbst die Ärmel hoch. Ungeachtet seiner Ämtli geniesst er die Filmtage in vollen Zügen: «Sie sind für mich wie Festtage.» Sein persönliches Filmprogramm plant er nicht: «Ach was! Mir ist Spontaneität wichtig. Ich setze mich einfach in irgendeinen Film.» Ebenso spontan gibt sich Dominik Affolter: «Ich hege keine Erwartungen, wenn ich in einen Film gehe. Dafür warten stets Überraschungen auf mich», bekennt Affolter, der jeweils halbjährlich um den Globus trottet und sich für die Filmtage einrichtet, wieder daheim zu sein.

Im Herzschlag des Filmprogramms spucken derweil die Restaurants und Bars weiter Filmtage-Gäste aus, um gleich die nächste Welle durstig einzusaugen. Und weht der Wind mit jeder Minute eisiger – so soll er doch. Bis überall die Stühle auf den Tischen stehen, bis die polyglotten Gespräche verstummen, bis das Geschehen auf und neben der Leinwand zur Ruhe kommt, dauert es – in diesen Tagen – halt etwas länger.

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