Solothurn
Das Amag-Areal, ein komplexer Fremdkörper im Stadtbild

Was nach dem Auszug der Amag mit dem Garagen-Areal an der Baselstrasse geschieht, ist derzeit noch völlig offen.

Wolfgang Wagmann (Text und Foto)
Drucken
Teilen
Noch herrscht ein Rest Leben auf dem Amag-Areal – im blauen Glaswürfel bleibt aber die Gebäudeversicherung.

Noch herrscht ein Rest Leben auf dem Amag-Areal – im blauen Glaswürfel bleibt aber die Gebäudeversicherung.

Wolfgang Wagmann

Die Schaufenster, wo sonst herausgeputzte Top-Modelle glitzerten, sind zugeklebt. «Sie finden uns in Zuchwil», ist gross angeschrieben. Dort ist am Montag auch Andreas Iseli, Direktor der Amag Solothurn, angekommen.

Noch ist nicht der ganze Betrieb umgezogen – bis zum 10. Januar seien noch die Skoda-Modelle an der Baselstrasse ausgestellt. Dann ist Schluss. Wie schon vor einem Jahr für den Carrosseriebetrieb und die Spenglerei. «Wir hatten hier einen Vollbetrieb mit Tankstelle, Werkstatt und Ausstellungsräumen», erklärt Iseli. Was nun mit dem Gebäude geschieht, ist noch unklar.

Auch die Eigentumsverhältnisse sind alles andere als einfach: Den jüngsten Bau, den blau verspiegelten Glaswürfel im Osten des Geländes, teilen sich die Amag im Parterre und darüber die Solothurnische Gebäudeversicherung SGV im Stockwerkeigentum. «Seit einem halben Jahr versuchen wir, den ganzen Komplex zu verkaufen oder auch zu vermieten», erklärt Andreas Iseli.

Bisher allerdings ohne Erfolg. «Die künftige Nutzung ist offen», so der Amag-Direktor weiter. Nur einen Garagen-Vollbetrieb mit Auto-Verkauf sieht er kaum auf dem ehemaligen Standort seiner Firma. «Dafür ist das Areal zu klein. Aus diesem Grund sind wir ja von hier fortgezogen.»

Ein alter Gestaltungsplan

Auch auf dem Stadtbauamt sind die Augen auf das frei werdende Areal in zentraler Lage gerichtet. Nicht dass, die Stadt direktes Interesse an einer Nutzung bekundet, aber für Stadtplaner Daniel Laubscher ist klar: An sich ist eine Garage an dieser Lage nicht die ideale Nutzung. «Der Betrieb liegt in einer Kernzone, die solches Gewerbe zulässt. Aber ringsum befinden wir uns in Wohnzonen oder öffentlichen Zonen. Über dem gesamten Amag-Areal liegt jedoch ein immer noch rechtsgültiger Gestaltungsplan aus dem Jahr 1984, der ziemlich genau umgesetzt ist.»

Mit anderen Worten, die flachen Kuppelbauten der Werkstätten sind durch den Gestaltungsplan fixiert und können nicht einfach durch eine mehrgeschossige Überbauung ersetzt werden. «In diesem Bereich darf höchstens zweigeschossig gebaut werden.»

Nun könnte aber Bewegung in den langjährig zementierten Planungsperimeter kommen: Nächstes Jahr erarbeitet die Stadt eine Testplanung, das sogenannte Räumliche Entwicklungskonzept REK, das als letzte Vorstufe für die eigentliche «Knochenarbeit», die anstehende Ortsplanungsrevision im Jahr 2017, gilt. «Wir werden alles anschauen», betont der Stadtplaner – also auch das Amag-Areal an der Baselstrasse. Denn mit der Ortsplanungsrevision können bestehende Gestaltungspläne aufgehoben und die entsprechenden Grundstücke auch umgezont werden. «Für einen neuen Besitzer wäre das auch eine Chance. Er kann bei einer künftigen anderen Nutzung mitreden.»

Eines aber stellt Daniel Laubscher auch klar: Einfach den Gestaltungsplan aufheben und das Areal umzonen kann die Stadt nicht, um beispielsweise eine andere, erwünschtere Nutzung zu forcieren. Sollte wider Erwarten doch erneut ein Garagenbetrieb oder eine Firma mit einer ähnlich gelagerten Nutzung des Gebäude erwerben und sein Geschäft darauf ausüben, wäre das für den Käufer ohne Probleme möglich – das Eigentumsrecht kann wegen des rechtsgültigen Gestaltungsplans nicht über eine Umzonung beschnitten werden.

Für Werkhof eher ungeeignet

Schon im März 2013 hatte sich die CVP mit dem Amag-Areal beschäftigt: «Die künftige Nutzung des Areals darf die Stadt nicht gleichgültig lassen. Der Auszug der Amag eröffnet Chancen für neue Lösungen, die unbedingt genutzt werden sollten», hatte Susan von Sury in einer Interpellation gefordert. Die im November aus dem Gemeinderat zurückgetretene Politikerin hatte angeregt, das Areal für einen Werkhof-Umzug an die Baselstrasse ins Auge zu fassen, um den jetzigen zusammengepferchten Werkhof unter der St.-Ursen-Kathedrale für «andere Nutzungen mit einem grösseren Mehrwert» freizumachen.

Das Stadtpräsidium anerkannte zwar in seiner Antwort die Wichtigkeit des Areals. «Die momentane Nutzung als Garage der und der damit verbundene grosse Autopark wirken bezogen auf die unmittelbare Nähe von Kapelle, Kloster und weiteren denkmalgeschützten Objekten doch eher störend.» Doch bliebe der jetzige Charakter des Areals erhalten, wenn sich dort der Werkhof ansiedele. Zudem habe man bei einer Überprüfung der südlichen Hallen festgestellt, dass die Zufahrt für die Werkhof-Fahrzeuge «umständlich und eng» sei. Für eine Neunutzung des jetzigen Werkhofs und dessen Auslagerung verwies das Stadtpräsidium schon damals auf zwei inzwischen aktuell werdende Parameter: Die bereits erwähnte Ortsplanungsrevision und die nun nur noch auf Zuchwil fokussierte Gemeindefusion. Schon damals aber versprach Stadtpräsident Kurt Fluri: Man sei in Kontakt mit der Amag, «eine Umwandlung in Wohngebiet wäre aus städtischer Sicht sehr gut, aber sehr teuer.» Dies auch wegen der notwendigen Altlastenentsorgung.

Ein Nachbar hofft jedenfalls, dass die Garagen-Ära definitiv beendet ist. «Die Immissionen waren durch den Lärm und die Gerüche der Lackiererei massiv.»

Aktuelle Nachrichten