Rechts auf der Rolltreppe bleibt man stehen und links läuft man weiter. Genauso läuft es in der Politik: Rechts bleibt man stehen, links gehts weiter, erklärte Slammerin Amina Abdulkadir aus Basel. Und nach Kabarettist Gabriel Vetter ist Ironie, wenn auf einer Abtreibungsklinik ein Storch nistet, Zynismus, wenn es ein Geier wäre.

Am 14. «gägäWärt» traten 11 Künstler aus der ganzen Schweiz auf und lieferten spannende, witzige, überzeichnete und bitterböse Texte in teilweise rasantem Tempo. Die Themen, die von den Sprachkünstlern der Musik- und Poetry-Slam-Szene verwendet wurden, waren breit gefächert und nicht selten brandaktuell. So wurde der Rassismus untersucht, das Erwachsenwerden, aber auch die Eltern-Lehrer-Beziehung und die Bedeutung von Grenzen.

Dass seine Darbietung «deep» sein wird, teilte Phibi Reichling bereits im Vornherein stolz mit und begeisterte das Publikum, das ihm an den Lippen hing und bei jedem Gag lachte.

Darum gehts Naturschützern

Mit ihm kam ein Slammer an die Mundartnacht, der grossen Erfolg im In- und Ausland feiert. Als ehemaliger Philosophiestudent hat er sich über vieles Gedanken gemacht. Mitunter über das Umweltbewusstsein. Sein Fazit: Die Natur wird sich erholen, wenn es den Menschen nicht mehr gibt. Folglich könne es dem Naturschützer nur dem Anschein nach um das Wohl der Natur gehen. Vielmehr gehe es darum, zu erreichen, der Spezies Mensch das Leben auf dem Planeten noch etwas länger zu ermöglichen. Und da auch Reichling gerne etwas länger leben wolle, werfe eben auch er seinen Müll in den Abfall.

Mit «de billige Lüt» und ihren billigen Kleidern hat sich der Berner Beat Sterchi beschäftigt. Schlagfertig und präzis nahm er die Wegwerfgesellschaft und die Billigreisen auf die Schippe, um dabei auch das Thema Kuscheljustiz auseinanderzunehmen. Ein wenig später liess sich die Oltnerin Lisa Christ über das ewig ablenkende und zeitfressende Internet aus. So gebe es auf Youtube für alles ein Tutorial, sogar über Tutorials. Und Jan Rutishauser beklagte sich. Er beklagte sich darüber, dass es für den «akustisch ausgegrenzten» Thurgauer Dialekt keine Dignitas gebe. Er mokierte sich so sehr über seinen eigenen Dialekt, dass es so kam, wie es kommen musste: Im Thurgau könne man nicht glücklich werden und seine Freundin habe ihn nach ihrer Abschlussarbeit verlassen, da sie ihn nur für ein Experiment ausgenutzt habe.

Ein Alphabet mit 25 Buchstaben

Über Stock und Stein ging es bei Elritschi. Mit beschwingten Melodien auf seiner Gitarre und seinem speziellen Dialekt sang der Obwaldner über das Wandern, Berghütten, «Haferflöckli», und dass er selbst noch «Pommes-frites-Ski» fahre. Galant baute er dabei Wortwitz um Wortwitz ein. Der Langnauer Achim Parterre wählte ebenso die Berglandschaft als Spielort seines Textes aus und überzeugte mit einer gelungenen und gewieften Performance. Er erzählte über das «Angöife» und die «Öipe». Er liess den Buchstaben «L» in einer solchen Selbstverständlichkeit aus seiner Geschichte weg, als habe das Alphabet tatsächlich nur 25 Buchstaben. Bei seinen weiteren Texten war der Buchstabe aber kommentarlos wieder mit von der Partie.

Zum Schluss trat Gitarrist Christian Weiss auf die Bühne. Der Zürcher besang mit bissigem Humor das Leben. So war in einem Dorf jeder und jede in jemand anderes verliebt und er zu seinem Glück dort der einzige Therapeut. Er thematisierte auch das stets benutzte Argument der Arbeitsplatzbeschaffung. Zunächst klärte er auf, dass genau deswegen der Atomausstieg erst in einer Ewigkeit erfolge, um daraufhin eigene, sehr skurrile Vorschläge für Arbeitsplätze anzubringen.