Auch am «Eidgenössischen» in Estavayer feiern sie, Sonne sei Dank, einen strahlenden Auftritt – die Sonnenschirme von Schenker Storen aus Schönenwerd. Rund 60 mit einer Fläche von über 2000 Quadratmetern spenden auf dem riesigen Festgelände auf dem Flughafen Payerne Schatten. Die Parasols gehören dazu – wie Treichel, Rind und Jodler. Nun ja, nicht wirklich, wenn man auf die ganze 121-jährige Geschichte des Eidgenössischen Schwingverbandes blickt. Unbedingt jedoch, sofern man allein auf Reinkarnation des urchigen Nationalspiels in der gewinnorientierten, freien Marktwirtschaft in diesem Jahrtausend blickt.

In dieser vergleichsweise kurzen Zeit hat sich Schwingen zum millionenschweren «Big Business» entwickelt. Manager, Agenturen, Marketing- und Social-Media-Experten hielten Einzug und verdienen sich goldene Nasen im Edelweisshemd. Kein Medium im Land, kein A-, B-, C- oder Y-Promi, das oder der sich nicht im «unschuldigen» Glanz der Heimat sonnen möchte – ohne Schutz eines Schenker-Schirms. Spitzenschwinger verdienen heute mehr als fast alle anderen Sportler im Land.

Seit Solothurn 2006

Seit dem Solothurner Kantonalen 2006 tritt Schenker Storen an Schwingfesten als prominenter Sponsor auf. Mann hinter dem Engagement, das nahezu zu einem eigenen Unternehmenszweig angewachsen ist, ist CEO Werner Held. Ein 700 000 Franken teurer Sattelschlepper mit zwei Mann Besatzung steht praktisch permanent fürs Schwingen im Einsatz. 270'000 Sitzkissen, 300 000 Caps, Zehntausende T-Shirts sind schon unters Volk verteilt.

2015 lancierte man das Schenker-Storen-Schwinger-Team, das sich aus 13 jungen und talentierten Hosenlupfern aus allen fünf Teilverbänden zusammensetzt. Nebst einem Barbetrag fahren die Markenbotschafter während der Vertragsdauer gratis und franko ein Auto. Der Branchenleader im Sonnen- und Wetterschutzmarkt ist auch Verbandssponsor des Nordwestschweizerischen- und Solothurner Verbandes.

Bei Letzterem ist Held Ehrenmitglied. Bis heute hat sich ein stattlicher Millionenbetrag angehäuft, den sich Schenker Storen sein Bündnis mit der Zwilchhosen-Gilde hat kosten lassen. «Das eine oder andere hätte man wohl nicht tun dürfen», schmunzelt Held, wenn er die «Einkaufsliste» Schwingen durch die betriebswirtschaftliche Brille analysiert. Doch wie heisst es: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und das gilt besonders bezogen auf seinen «Spirit of the Entrepreneur» – den Unternehmergeist also. Held und Schenker Storen haben gewagt und sie haben gewonnen. «Am Anfang haben wir massiv bezahlt, inzwischen rechnet sich die Sache für uns», hält Held fest.

Gerne unter Bodenständigen

Inspiriert, sich finanziell im Sägemehl-Zirkus zu engagieren, hat Werner dessen Ehefrau Jasmine, geborene Brunner. Sie ist die Tochter des Balsthaler Kranzschwingers Paul Brunner, der 1963 am «Nordwestschweizerischen» Eichenlaub gewann. «Für mich ist Sport Mord», gibt Werner Held zu. «Mein Hobby ist Schenker», sagt er. Allein, der Wirtschafts-Kapitän liebt es, junge Menschen sportlich zu fördern und unter bodenständigen Menschen zu sein. 2007 trat Schenker so erstmals als Königspartner am «Eidgenössischen» in Aarau auf. Heute «konzentrieren wir uns primär auf Berg-, Kantonal- und Regionalfeste», sagt Held.

In Estavayer ist man freilich als Bronze-Partner am Start; was mit allem Drum und Dran einen siebenstelligen Betrag kostet. Die VIP-Tickets, die Schenker Kunden seiner 38 Niederlassungen im Land offeriert, die Manpower vor Ort, die «Give Aways» und so weiter kosten innerhalb des Spektakels in Reinkultur extra.

Geld regiert immer mehr

Ein Eidgenössisches Schwingfest hat die typische Charakteristik des Sports nahezu verloren. Geld regiert und das sieht, spürt und fühlt man allenthalben. Die Preise steigen ins Unermessliche, Platz gibts keinen mehr. Sehr viele Fans, die immer schon dabei waren, gehen nicht mehr hin. Ein Eidgenössisches kann gefühlt ebenso gut die Expo oder ein Champions-League-Match sein.

Als Gast zusammen mit seiner Frau Jasmine bei einem Schwingfest.

Als Gast zusammen mit seiner Frau Jasmine bei einem Schwingfest.

Werner Held betrachtet diese Entwicklung kritisch: «Es kann nicht sein, dass heute Teilverbandsfeste oder die Abgeordnetenversammlung des Verbandes von Agenturen organisiert werden», stampft er. Darum werde man sehr genau hinschauen. «Ich kann mir vorstellen», so Held, «dass wir 2017 unser Engagement reduzieren und, sofern es keinen Turnaround gibt, 2018 ganz aussteigen.» Auch andere denken so . . .

Nun, mit Armon Orlik gehört einer aus dem erwähnten Schenker-Team zu den ganz heissen Kandidaten auf die Königskrone in Estavayer. Der 21-jährige Bündner ist fünffacher Kranzfestsieger 2016 und damit der Stärkste und Erfolgreichste der neuen Generation, die das Zepter kurzum übernehmen wird. Und er liegt in Estavayer trotz Niederlage gegen Matthias Sempach auch Titelkurs.

Sollte Orlik heute die Krone holen, wäre Werner Held quasi der Chef eines Königs. «Das wärs», strahlt er. Es wäre so etwas wie die Krönung für den Held(en).