Die Einführung von Tempo 30 im Quartier Hubelmatt-Fegetz-Blumenstein sowie in der Glacismatte der Vorstadt bestätigt den Gemeinderat am nächsten Dienstag. Während die schmalen Wege in den Quartieren, wo kein Durchgangsverkehr herrscht und ohnehin kaum Tempo 30 gefahren werden kann, wenig Diskussionsstoff bieten, dürften die Wogen zu einem Punkt höher gehen: Umstritten ist der künftige Status der St. Niklausstrasse.

Denn seit längerem beschäftigen sich Experten mit verschiedenen Modellen, und jetzt sieht es ganz so aus, als könnte sich die teuerste, aber für die Begleitgruppe effektivste Variante durchsetzen: «Tempo 30 flächendeckend.» Damit würde die St. Niklausstrasse ab der Werkhofstrasse bis zur Ortstafel St. Niklaus, wo die Tempo-30-Zone von Feldbrunnen beginnt, verkehrsberuhigt.

Sorgenkind Bus

Zwar hatte das Stadtbauamt eine andere Variante beantragt, die dem Busverkehr Rechnung trägt. Denn intensive Abklärungen hatten ergeben, dass der BSU bei Tempo 30 auf der Wengistein- und St. Niklaus-strasse bis zur Kreuzung Herrenweg von Rüttenen her 51 Sekunden verlieren würde und das Fahrplanangebot nur unter dem Einsatz eines dritten Busses gewährleisten könnte.

Dies allerdings bei einem Kostenpunkt von 400 000 Franken – den wohl der betroffene Kanton kaum goutieren würde. Deshalb gibts einen «Plan B», der nur 100 000 statt 120 000 Franken wie die flächendeckende Variante kosten würde: Auf der Wengisteinstrasse und St. Niklausstrasse bis hinunter zur Herrenweg-Kreuzung würde es bei Tempo 50 bleiben, damit der BSU ohne Zusatzaufwand den Fahrplan halten könnte. Was in der Gemeinderatskommission GRK wiederum auf Kritik stiess, weil ausgerechnet vor dem Alterszentrum Wengistein Tempo 50 beibehalten werden soll.

Tempo 50 von A bis Z kein Thema

Die Planungskommission hatte sich noch – wenn auch nicht einstimmig – für die Busvariante entschieden, die GRK dann knapp mit 4 gegen 3 Stimmen für die flächendeckende Version von Tempo 30. Diskutiert wurde jedoch auch eine «Pilotphase», um in der Praxis abzuklären, ob der Busverkehr tatsächlich derart beeinträchtigt würde.

Die einfachste und mit 68 000 Franken günstigste geprüfte Variante – Belassen der Wengistein- und der ganzen St. Niklausstrasse im jetzigen Status und Tempo 30 nur in den Quartieren – war dagegen zuletzt in der GRK gar kein Thema mehr. Dabei zählte auch das Argument, dass 2004 (!) eine Petition mit über 500 Unterschriften von Quartieranwohnern für Tempo 30 flächendeckend eingegangen war.

Der Teufel steckt im Detail

Von der Unfallgefahr her ist die Kreuzung Herrenweg-St. Niklaus-strasse im Fokus. Sie soll deshalb im Zuge des neuen Verkehrsregimes mit einer Trottoirausweitung entschärft werden. Ansonsten sind keine baulichen Massnahmen wie Berlinerkissen geplant, die zuletzt in Weststadt auch wegen der Kosten zu scharfer Kritik geführt hatten. Begründet wird nun der Verzicht damit, dass die St. Niklausstrasse kurviger sei als die schnurgerade Brühlstrasse. Nun sollen lediglich an der nördlichen St. Niklausstrasse einige versetzte Parkplätze als Tempobegrenzer angebracht werden.

Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei, ist allerdings skeptisch: «An der Langendorfstrasse haben wir auch keine baulichen Massnahmen getroffen. Dort liegen die Geschwindigkeitsübertretungen bei gut 18 Prozent.» Beibehalten werden sollen die zwei wichtigen Fussgängerstreifen an der St. Niklausstrasse – «solche Ausnahmen sind in der Nähe von Schulhäusern erlaubt», so Fedeli. Und weiter gilt auch das Vortrittsregime an der im letzten Jahr für 120 000 Franken entschärften Kreuzung St. Niklausstrasse-Obere Sternengasse-Frank- Buchser-Strasse, wo sich die Umgestaltung offensichtlich bewährt hat.