Öufi-Brauerei

Dank neuer Brauerei-Anlage ist jetzt alles Öufi-Bier «Made in Solothurn»

Die neue Öufi-Brauerei mit der Flaschenabfüll-Anlage hat den Betrieb aufgenommen. Nun wird auch das Flaschenbier in Solothurn und nicht wie zuvor in Trimbach oder im Kanton Bern gebraut. Steigen nun neben neuer Kapazität auch die Marktchancen?

«Dägg, dägg, dägg, dägg...» Je schneller Alex Künzle das Geräusch hört, desto besser. Dann läuft nämlich im neuen Trakt die Flaschenabfüllanlage. «4000 Flaschen pro Stunde schafft sie», weiss der Brauerei-Inhaber. «Bei Bügelverschlüssen sind es deutlich weniger. 2000 bis 2500 Flaschen. Zumal wir sie von Hand schliessen müssen. Mechanisch wäre das Verfahren zu kompliziert.» Man kann eben nicht alles haben.

Die gesamte neue Brauerei-Installation im umgebauten Trakt an der Fabrikstrasse hat rund 1,5 Mio. Franken gekostet, «ohne Peripherie und die eigentlichen Bauarbeiten», so der Brauereininhaber, einer von sieben Aktionären der BK Bierkultur AG, die total einige Millionen in den Ausbau gesteckt hat, wobei die Sasolim AG als Gebäudeeigentümerin am Rohumbau beteiligt war.

Diese will bekanntlich das ganze restliche Areal ausser dem Brauereitrakt einer neuen Nutzung zuführen, «was sicher auch für uns nur positive Aspekte haben wird», meint Alex Künzle.

Die neue Flaschenabfüllanlage der Öufi-Brauerei in Solothurn läuft

Die neue Flaschenabfüllanlage der Öufi-Brauerei in Solothurn läuft

Alles unter einem Dach

Der wichtigste Aspekt für den Solothurner Brauer ist aber: «Wir sind jetzt völlig autark.» Denn bisher wurde das «Öufi»-Flaschenbier anfänglich bei Karbacher in Trimbach und dann die letzten zwölf Jahre bei Felsenau in Bern gebraut. Zwar nach «Öufi»-Rezept, aber beispielsweise mit Berner Wasser.

Nun wird das «Öufi» mit einheimischem Wasser gebraut, was gar nicht so einfach ist. «Wir müssen das Wasser nach dem Osmose-Prinzip enthärten, denn unser Leitungswasser liegt bei 15 Härtegraden. Das Nullwasser wird dann wieder mit normalem Wasser verschnitten, bis es zwischen 5 und 8 Härtegrade hat und als Brauwasser dienen kann», erklärt Künzle.

In der neuen Brauerei werden für die Flaschenabfüllung das Lager – jetzt als Solothurner «Einheitslager» im Gebinde wie offen erhältlich –, das dunkle «Orbi», das Weissbier (Weizen) und neu das ebenfalls in der Flasche erhältliche «Südfuess»-Bier gebraut. «Dieses besteht ausschliesslich aus einheimischen Produkten wie Braugerste aus Altreu oder dem Wolfwiler Hopfen», setzt man im «Öufi» konsequent auf die regionale Herkunft des Produkts.

Die Saisonbiere im Offenausschank – jährlich rund 60 Sorten vom Bock über Chlausebier bis zu englischen und deutschen Spezialitäten – werden weiterhin in der kleineren, bisherigen Brauerei gebraut. Sie sind es, die viele «Öufi»-Gäste in die Brauerei-Beiz locken. «Im Laden wird zu 90 Prozent Lager verkauft, auch weil meist der Platz für andere Biere fehlt. Hier bei uns im Restaurant sind es nur 50 Prozent, die andere Hälfte machen unsere Spezialitäten aus, die getrunken werden», freut sich Künzle.

Noch viel Potenzial nach oben

2500 Hektoliter Kapazität in der alten, 5000 in der neuen Brauerei und zusätzlich noch Raumreserven für den Ausbau der Tankkapazitäten – wie sieht Alex Künzle die Marktchancen für sein nun waschechtes «Solothurner Bier»? «Wir haben noch einen so unendlich geringen Marktanteil», ist sich der der seit 15 Jahren im Geschäft agierende Brauerei-Inhaber bewusst.

«Da gibt es zwischen Biel und Aarau noch sehr viel Potenzial nach oben», sieht Künzle den Jurasüdfuss als sein Marktgebiet – auch wenn er seit einiger Zeit erfolgreich Weizenbier in Flaschen nach Zürich liefert.

Einerseits sei der Trend nach Craft-Bieren, gebraut in Klein- und Kleinstbrauereien, ungebrochen. «Paulaner in München stellt in China eine Gasthausbrauerei nach der anderen im Franchising-System auf die Beine.»

Andererseits sei der Marktanteil der «rund 500 Brauereien, die in der Schweiz die Biersteuer zahlen», immer noch verschwindend gering, rechnet Alex Künzle vor. «20 Prozent des hierzulande getrunkenen Biers sind Importe», rund 50 Prozent braut in der Schweiz Carlsberg und weitere 25 Heineken – die restlichen paar Prozent sind alle anderen.»

«Endgültig eine komplette Brauerei»: Inhaber Alex Künzle im Interview.

«Endgültig eine komplette Brauerei»: Inhaber Alex Künzle im Interview.

Eine ernüchternde Statistik für einen Bierbrauer, die er auch begründet mit dem harten Ringen um jeden Zapfhahnen. In vielen Restaurants gebe es nur einen oder zwei davon, und die seien oft belegt von den Grossbrauereien. «Viele Leute in der Gastro-Branche sind schlecht finanziert und ausgebildet. Sie verschwenden wenig Energie darauf, wie man das Geld wieder hereinholt, das man ausgegeben hat.»

Dies führe dann dazu, dass Grossbrauereien – im Gegensatz zu den Banken – solchen Betrieben eine Anstossfinanzierung gewähren. Aber nur unter der Voraussetzung, dass sie langfristige Bierabnahme-Verträge eingingen. Das mache das Biergeschäft in der Gastronomie schwierig, meint Künzle, «es läuft auf einen richtiggehenden Häuserkampf hinaus». Deshalb brauche das Festsetzen im Markt «viel Zeit, wenn man keine Millionen Werbebudget hat».

Neu ist nicht nur die Brauerei

Ein bewährtes Marketinginstrument sind für die «Öufi»-Brauer – dazu zählen auch Alex Künzles Söhne Moritz und Florian – die Solothurner Biertage. Neu könne man mit der Flaschenabfüllanlage auch für Firmen, Organisationen oder Einzelpersonen Flach mit einer eigenen Etikette drucken – bereits lässt ja bekanntlich Bischof Felix Gmür sein «Felix»-Bier brauen.

Mit dem Ausbau der Brauerei hat Alex Künzle zudem einen Raum für Anlässe und Tagungen hinzugemietet, den sogenannten «Schalander». Dabei handle es sich um den alten Begriff «für den Znüni- und Zvieri-Raum des Brauereipersonals».

In diesem erwartet beispielsweise die Stadt-FDP am Donnerstagabend ab 19.30 Uhr nach der HESO-Eröffnung Bundesrat Johann Schneider-Ammann zu einem Wahlkampfanlass. Aber auch die offizielle Eröffnung der neuen Brauerei wird im «Öufi» gefeiert: «Wir verzichten für einmal auf das Kofmehl und feiern hier am 11. 11. mit einem Tag der offenen Tür.»

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