Naturmuseum Solothurn

Erhebungsprojekt beendet: Dank der Beute von Katzen konnten seltene Arten nachgewiesen werden

Insgesamt 759 Tiere wurden untersucht, davon stammt ein Grossteil aus den Fängen von Katzen.

Insgesamt 759 Tiere wurden untersucht, davon stammt ein Grossteil aus den Fängen von Katzen.

Der Endbericht zum Projekt «Zeig‘ mir Deine Maus, Katze!» vom Naturmuseum Solothurn liegt vor. Insgesamt 759 Tiere wurden untersucht und dabei 23 Arten festgestellt.

 Der Stubentiger mag die im Freigang errungene Trophäe noch so erhobenen Hauptes zu «seinem» Menschen tragen. In den wenigsten Fällen kann dieser die tierische Freude nachvollziehen, wenn wieder mal eine tote Maus auf der Schwelle liegt. Anders sieht es hingegen aus, wenn Katzen einberufen werden, ihre Beutezüge im Dienste der Wissenschaft zu verrichten. Im Mai 2018 lancierte das Naturmuseum Solothurn zusammen mit dem Berner Umweltbüro Quadrapoda das Projekt «Zeig mir Deine Maus, Katze!», eine «Volkszählung» für Beutetiere. Und machte so aus der Not des Tierbesitzers eine Tugend der Wissenschaft.

Man weiss wenig über die rund 35 Mäusearten

Während eines ganzen Jahres waren Berner und Solothurner Katzenhalter angehalten, die erlegten Wühlmäuse, Spitzmäuse, Schläfer und weitere Kleinsäugetiere nicht zu entsorgen, sondern ans Naturmuseum zu senden. Ziel: die Kenntnislücken über die Verbreitung der rund 35 Kleinsäugerarten in der Schweiz zu füllen und dadurch auch dem für 2021 geplanten Säugetieratlas der Schweiz und Lichtensteins mit wertvollen Befunden zuzudienen. Museumsleiter Thomas Briner: «Der Säugetieratlas gab uns die Motivation und die finanzielle Möglichkeit, auch dieses Projekt anzupacken.» Denn: «Man kennt oft nur die Hausmaus und weiss eigentlich wenig über die rund 35 anderen bei uns vorkommenden Mäusearten. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle als Nahrungsgrundlage, aber auch als Schädlinge und Krankheitsüberträger.» Ausserdem bot dieses Projekt die Möglichkeit, die Bevölkerung und ihre Haustiere in die Forschung einzubinden. In der ganzen Schweiz gibt es nicht weniger als 1,4 Mio. Freigänger-Katzen, sprich: potenzielle Forschungsassistenten, wie auch Briner sie sieht.

Der nun vorliegende Schlussbericht zeigt: Total 759 Tiere wurden untersucht, davon stammen nicht weniger als 391 Exemplare aus dem Fang von Katzen. Wie das Naturmuseum schreibt, nahmen 46 Katzen «namentlich am Projekt teil, andere Katzen stellten ihre Beute anonym zur Verfügung.» Katze Dusty steuerte der «Stichprobe» gar 25 Beutetiere bei. Der Schlussbericht endet denn auch mit Dankesworten an die namentlich genannten Vierbeiner.

Der Wissensgewinn sei beträchtlich, schreibt das Naturmuseum: Die wildlebenden Beutetiere stammen aus 4 Ordnungen mit insgesamt 7 Familien und 23 Arten. Darunter finden Maulwürfe, Langschwanzmäuse, Schläfer, Spitzmäuse, Wühlmäuse, Hörnchen und Raubtierartige. Ebenso wurden Gewicht und Grösse eruiert. Ausserdem: «Es konnte seltene Arten wie die Zwergspitzmaus, der Gartenschläfer und die Wasserspitzmaus nachgewiesen werden und Verbreitungslücken gefüllt werden.» Für das Naturmuseum ergibt sich aus dem Projekt ein weiterer Gewinn: So fanden einige der Beutetiere als Anschauungsmaterial Eingang in den Museumsfundus, vornehmlich eben Raritäten.

Abgegebene Beute, die dann untersucht wurde.

Abgegebene Beute, die dann untersucht wurde.

Wenn Bürger zu Forschern werden

Das Naturmuseum verschreibt sich seit langem der Aufgabe, die Bevölkerung bei der Forschung einzubinden und so Spuren, Beobachtungen und Funde zu sammeln. Man spricht von Citizen Science, also von «Bürgerwissenschaft». «Die Leute sind interessiert an der Forschung, wollen sich beteiligen», stellt Briner fest. Dies gelte besonders bei einem bürgernahen Museum wie in Solothurn. «Dabei spielt sicher die Faszination für das Unbekannte eine Rolle.»

Und auch im Nachgang von «Zeig mir Deine Maus, Katze!» seien Naturfreunde ermutigt, Beutetiere oder anderweitig tot aufgefundene Tiere dem Museum zukommen zu lassen. Denn noch immer bestehen auf dem «Radar» der Kleinsäugetiere erhebliche Wissenslücken: Beispielsweise fehlen Nachweise der Kleinwühlmaus. Und: «Auch ist die Datengrundlage zu kleinen Säugetieren in einigen Regionen wie dem Solothurner Jura oder dem Berner Seeland sehr rudimentär.»

Der Schlussbericht kann unter folgendem Link eingesehen werden. 

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