Debüt
«Dandy John» ist der Til Eulenspiegel der Moderne

In seinem Soloprogramm «Way out» schlüpft Pianist und Sänger Jan Schneider in die Rolle von «Dandy John». Dieser ist ein versnobter Beau mit modischem Selbstbewusstsein.

Andreas Kaufmann
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«Dandy John» alias Jan Schneider ist Pianist und Musiker,Familienvater und Kantilehrer und ausserdem auch Buchautor.

«Dandy John» alias Jan Schneider ist Pianist und Musiker,Familienvater und Kantilehrer und ausserdem auch Buchautor.

zvg

Der Dandy, ein kultivierter Müssiggänger und – man möchte sagen – versnobter Beau mit modischem Selbstbewusstsein, hinter dessen Fassade menschliche Leere klafft. Genau in diese musikalisch-theatralische Rolle schlüpft Pianist, Sänger und Kantilehrer Jan Schneider.

Seine Kunstfigur «Dandy John» kommt aber gegenüber dem Urtyp mit einigen Abänderungen daher: «Dandy John» versteht sich nicht als Beau und nicht (mehr) als Jüngling, sondern als selbstironische Überzeichnung.

Ein Till Eulenspiegel der Moderne, der mit Gesangsstimme und 88 Klaviertasten auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam macht und gewollt zwischen Faszination und Selbstverulkung pendelt.

«Ich bin das ganze Jahr verkleidet», sagt Schneider zu dieser Rolle, die er einnimmt: Der Dandy, vielleicht auch der Archetyp des modernen Menschen wird zur Litfasssäule, zur Projektionsfläche für Erwartungen und Ängste.

Farbenfroh, aber tiefsinnig-kritisch

«‹Dandy John› ist eine ironische Figur – und so sehe auch ich mich», sagt der Solokünstler, der mit seiner fünfköpfigen Band «Way out» erdacht hat. Ein Programm, das über ein typisches musikalisches Konzert hinausgeht und farbenfroh und vielfältig, choreografisch und theatralisch daherkommt, aber neben der vordergründigen Unterhaltung den hintergründigen Tiefsinn vermitteln will. Es geht um Zwänge des Konsums, des Schönheitswahns, des Selbstbilds.

In zwölf treibenden Songs zwischen Pop, Funk und Latin-Jazz sowie sanften Balladen werden kritische Themen ironisch und humoristisch überzeichnet: Schicksale, die den Menschen formen und die Ethik, die darüber urteilt, was der Mensch geworden ist, ferner die neuen Medien, die Problematik der Essstörungen, der Fluch und Segen einer prall gefüllten Geldbörse oder das Streben nach einem besseren Leben, während man das Gute, das man hat, versäumt.

Stilistisch braust Schneider mit Vollgas durch die Musikjahrzehnte und um den Globus. Aber: «Das Klavier hält alles zusammen», benennt er den roten Faden seiner selbst komponierten Stücke.

Denselben Stellenwert hat das Instrument auch bei seinem persönlichen Werdegang. Seit seinem 16. Lebensjahr fühlt sich der heute 37-Jährige hinter den schwarzen und weissen Tasten wohl.

In Bellach leitete er lange Zeit einen Gospelchor und erlebte schliesslich wertvolle Wanderjahre als singender, klavierspielender Alleinunterhalter durch die ganze Schweiz, mitunter auch in der Solothurner Pianobar. Als Keyboarder wirkte er auch beim letzten CD-Projekt «No time to die» der Rockgruppe Kaktus mit.

Neben seiner Haupttätigkeit als Deutschlehrer an der Kanti hat der in Solothurn wohnhafte Familienvater schliesslich auch Zeit und Mus(s)e gefunden, sein Soloprogramm «Way out» auf die Beine zu stellen.

Nach zwei ersten Konzerten – am 7. März in der Mahogany Hall Bern und am 29. April im Kofmehl Solothurn – wird der Eulenspiegel unter den Pianisten gemäss dem Namen des Programms – «Way out» – den Weg hinaus auf weitere Bühnen beschreiten.