Historischer Zug

Dampfbahn fährt zum letzten Mal von Büren nach Solothurn

Der Verein Dampfbahn Bern kann nicht selber für die Streckensanierung aufkommen. Deshalb muss nun der Verkehr eingestellt werden. Viele nutzten die Gelegenheit, um nochmals unter Dampf an der Landschaft vorbeizugleiten.

Rund acht Jahre lang veranstaltete der Verein Dampfbahn Bern (DBB) mit seinen historischen Loks und Wagen regelmässige Fahrten auf der Bahnstrecke von Solothurn bis nach Büren. Der reguläre Personenverkehr war bereits Jahre zuvor eingestellt worden. Nun ist aber auch für die Dampfbahn Schluss. Denn für die Kosten zur Streckensanierung müsste die DBB neuerdings alleine aufkommen. Ein Ding der Unmöglichkeit für den Verein mit seinen ehrenamtlich engagierten Mitgliedern.

«Der Sanierungsbedarf auf dem Abschnitt von Arch bis Büren ist zu gross, als dass wir ihn allein finanzieren könnten», sagt Roland Hunziker, Vizepräsident der DBB.

Am Sonntag fanden daher die letzten Fahrten statt. Dementsprechend gross war der Andrang, vor allem am Bahnhof Büren. Die vier Waggons mit ihren historischen Holzbänken haben ein Fassungsvermögen von rund 150 Personen und waren bestens ausgelastet. Aber nicht nur bei den Fahrgästen war die Begeisterung für die historischen Züge gross. Auf der gesamten Strecke versammelten sich Schaulustige, um dem dampfenden Riesen auf seiner Abschiedsfahrt ein letztes Mal zu zuwinken.

Letzter Dampftag: Fahrt mit der Dampflokomotive von Büren nach Solothurn

Letzter Dampftag: Fahrt mit der Dampflokomotive von Büren nach Solothurn

Zwölf Mann Besatzung

Das schnaubende Ungetüm, welches die Passagiere transportierte, ist eine Dampftenderlokomotive vom Typ Eb 3/5, auch als «Habersack» bekannt. 34 Stück wurden anfangs des 20. Jahrhunderts angefertigt, zwei davon sind noch erhalten. Die Dampflok kann eine Geschwindigkeit von bis zu 75 km/h erreichen. Hier geht sie es allerdings etwas gemütlicher an. «Wir fahren im Rangierbetrieb und da sind maximal 40 km/h erlaubt», erklärt Hunziker. Gut 45 Minuten benötigt die Eisenbahn um vom einen Bahnhof zum anderen zu gelangen.

Das liegt nebst der gedrosselten Geschwindigkeit auch daran, dass der Zug regelmässig anhalten muss, damit die Zugbegleitung die Schranken an den Bahnübergängen manuell herunterlassen und, nach dem Passieren der Bahn, wieder öffnen kann. Zwölf Personen, vom Heizer bis zum Schaffner, sorgen dafür, dass alles reibungslos vonstatten geht.

200 Kilogramm Kohle

Untergebracht sind die Züge des Vereins in einem Depot in Konolfingen. Daher ist bereits die Anreise mit grossem personellem, aber auch finanziellem Aufwand verbunden. Trotz der Freiwilligenarbeit der Mitglieder untersteht der Verein dem Arbeitszeitengesetz des Bundes. Das bedeutet, die Arbeitszeit des Lokführers beginnt ab dem Moment, wo der Zug das Depot verlässt. «Da wir dadurch für Ablösungen sorgen müssen, haben wir meist den doppelten Personalaufwand», erklärt Simon Weiss, Präsident der DBB.

Aber auch der Kohleverbrauch hat es in sich. Rund 200 Kilogramm Steinkohle verspeist der «Habersack» allein auf seiner Strecke von Solothurn nach Büren und wieder zurück. Gänzlich verzichten auf die Dampfmaschinen müssen die Eisenbahnliebhaber aber nicht. Nach dem jähen Aus in der Region konzentriert sich der Verein nun voll und ganz auf seine zweite Strecke zwischen Sumiswald und Huttwil. So sind die Züge bereits nächstes Wochenende am slowUp Emmental-Oberaargau wieder zu bestaunen.

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