Solothurn
Damit sie klingt, wie sie im Barock geklungen hat

Die barocke Otter-Orgel in der Jesuitenkirche ist auf bestem Weg zur alten Spielfreude wie im 18. Jahrhundert. Nächste Woche werden nach dem Wiedereinbau der Pfeifen die rein technischen Arbeiten abgeschlossen sein.

Wolfgang Wagmann
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So sieht die Otter-Orgel auf der Empore der Jesuitenkirche bald wieder aus. bar

So sieht die Otter-Orgel auf der Empore der Jesuitenkirche bald wieder aus. bar

Solothurner Zeitung

Es gibt nur noch eine Orgel, die vom Aedermannsdorfer Franz Joseph Otter erbaut worden ist: die von 1791 bis 1794 entstandene Orgel der Jesuitenkirche. «Weit über 1000 Pfeifen sind es, muss ich genau nachzählen?», fragte an der gestrigen Medienkonferenz Orgelbauer Wolfgang Rehn – denn die anderen Eckwerte des komplexen Instruments kennt er genau: 22 Register umfasst es, verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedalwerk. «Rund 90 Prozent der Orgel stammen aus der Erbauungszeit Ende des 18. Jahrhunderts. Wir waren bemüht, alle alten Teile wieder zu verwenden, die Geschichte der Orgel wird berücksichtigt», hält der 63-jährige Fachmann der auf Orgelrestaurationen spezialisierten Firma Kuhn AG in Männedorf fest.

«Die Orgel soll wieder tönen wie im Barock und wie sie Generationen von Solothurnern gehört haben», gibt Wolfgang Rehn eine ambitiöse Zielvorgabe. Denn nächste Woche werden nach dem Wiedereinbau der Pfeifen die rein technischen Arbeiten, die grösstenteils in der Werkstatt in Männedorf erfolgt waren, abgeschlossen sein, und es folgt die sogenannte Intonation, das Stimmen des Gesamtklangkörpers, das sich noch bis Ende Jahr hinzieht. «Die Wiedereinweihung der Orgel ist am 29. Januar um 10 Uhr mit einem Gottesdienst vorgesehen, um 16 Uhr dann ein Einweihungskonzert mit Domorganistin Suzanne Z’Graggen», macht Kirchgemeindepräsident Karl Heeb auch darauf aufmerksam, dass in der Folge ab dem 4. Februar bis Ende März jeweils am Samstagmittag ein 30-minütiges Konzert zu Jesuiten auf der «neuen alten» Otter-Orgel zu hören sein wird.

Zwei Blasbälge – drei Nachtigallen

80 Prozent der Pfeifen bestehen aus einer Zinn-Blei-Legierung, der Rest – für die tiefen Töne – aus Holz, vor allem Fichte. Unter den Pfeifen gibt es ganz im Geist des verspielten Barocks Spezialitäten, wie beispielsweise drei Nachtigall-Pfeifchen, ein Mini-Register bildend, die in einem kleinen Wasserbecken stehen und so ein ganz besonderes Trillern erzielen. Zwei Register wurden 1952 neu gebaut, zumindest das ursprüngliche Crummhorn-Register möchte man wieder rekonstruieren.

Zum Stichwort «neu alt»: Einiges von 1952 wurde auch wieder über Bord geworfen und neu so gebaut, wie es Franz Joseph Otter schon 1791 umgesetzt hatte. Zum Beispiel die Windanlage, für Wolfgang Rehn zentraler Teil jeder Orgel. «Sie hat zwei Blasbälge und man könnte den Wind zum Bespielen der Pfeifen wieder manuell erzeugen. Aber selbstverständlich hat sie auch einen Motor», lächelt der Orgelbauer, als er am langen Zugbalken doch erhebliche Kräfte einsetzen muss, damit der Lederbalg auseinander klafft. Aber auch die sogenannte Traktur, die Verbindung zwischen Taste und Ventil, musste entgegen der Intension von 1952 neu angelegt werden.

Die damals tiefer eingeschobene Pedalklaviatur wurde rückgängig gemacht, um eine optimale Traktur zu ermöglichen. Dennoch zollt Wolfgang Rehn den Kollegen vor über 50 Jahren hohes Lob: «Sie waren schon damals sehr auf Qualität bedacht, was man am Zustand der Pfeifen sieht.» So muss keiner der über 1000 Tonspender ersetzt werden, abgesehen vom allgegenwärtigen Holzwurm, dem mit Reparaturen der Holzpfeifen zumindest bis auf Weiteres die Lebensgrundlage entzogen worden ist.

Doch die Gretchenfrage, was bei der ganzen Arbeit herausgeschaut hat, die kann der Orgelbauer erst Ende Jahr beantworten: Wie die Orgel genau tönt, «das wissen wir nicht. Da müssen wir uns herantasten.»

Und das liebe Geld

«Wir sind im Budget», betonen sowohl Karl Heeb wie Projektkoordinator Klaus Reinhardt auch für die Stiftung Jesuitenkirche, welcher der 1689 fertiggestellte Sakralbau seit 1951 gehört. 600000 Franken soll die Orgelrestauration kosten, 310000 davon sind Beiträge von Bund, Kanton, der Römisch-katholischen Synode und eigene Mittel. Fehlen noch 290000 Franken, die man auch mittels Spenden auftreiben möchte.

Spendenkonto: Regiobank Konto-Nr. 440.969.75.113

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