Die kulturelle Dichte, mit der Solothurn glänzt, spricht für zweierlei: Fürs Angebot, das emsige Kulturschaffende ehrenamtlich oder gegen Entlöhnung erbringen. Aber auch für die Nachfrage und das Bedürfnis einer ganzen Region. Zehn Jahre lang war das «Regionsprogramm Kultur» das kulturelle Gewissen dieser Region, nun läuft die Projektphase aus. «Wir waren das ‹Modem› zwischen Behörden einerseits, und Kulturschaffenden andererseits», erklärt Pipo Kofmehl, der mit Heinz Urben die Projektleitung innehatte.

Hervorgegangen war das Projekt aus «Solopool», dem seit 1997 tätigen Verein der Solothurner Kulturveranstaltenden. Auch hier wurde das Thema der Zentrumslasten bald einmal aktuell. Das Problem: Es gab wenig Dialogmöglichkeiten. «Die Kultur hatte kaum eine Geltung gegenüber Entscheidungsträgern», so Kofmehl. Die offene Frage: Wer vertritt «die Kultur» offiziell?

Beeindruckende Zahlen

Bald wurde klar, dass man nur mit Fakten gegenüber offiziellen Stellen eine Diskussionsbasis schaffen konnte. 2007 wurde für die Region eine Datenerhebung zum Kultur-Output durchgeführt. Mit einer Postleitzahlenerhebung gewann man Aufschluss über die Nutzung. Die damaligen Kennzahlen dürften nicht weit von den heutigen abweichen: Über 1400 Anlässe und 200 000 Eintritte verbuchten die mehrheitlich in der Stadt ansässigen Kulturinstitutionen. Fast 800 Mitarbeiter leisteten 260 000 Arbeitsstunden zu einem Durchschnittslohn von Fr. 3.10, 260 davon ganz ohne Entschädigung. Die Stadt selbst weist ein Kulturbudget von 10 Mio. Franken auf, während ein Umsatz von über 20 Mio. aus der Kultur in Stadt und Region fliesst. Ein Viertel aller Besucher stammt aus der Stadt, die Hälfte aus der Region und der Rest von weiter weg. Mit diesen Zahlen richtete man sich an 57 Gemeinden und veranstaltete 55 Hearings. «Wir wollten bei den Behörden nicht mit einem Einzahlungsschein anklopfen, sondern mit der Botschaft, zum kulturellen Boden Sorge zu tragen», so Kofmehl. Gleichzeitig habe man erfahren, wo vor Ort der Schuh drückt, so Urben: «Nämlich bei den Gemeindeausgaben, die oft bis zu 90 Prozent gebunden sind.»

Bereits seit den 70er-Jahren besteht nun eine unverbindliche Kostenbeteiligung der Gemeinden an den Kosten des Alten Spitals, der Zentralbibliothek und des Stadttheaters. Urbens und Kofmehls Absicht war es, diese Beteiligung auszubauen: Einerseits wollte man insbesondere die pädagogischen Angebote der öffentlichen Träger unterstützen, andererseits die Leitungsebenen der privaten, oft ehrenamtlichen Anbieter. Wunschbetrag: insgesamt drei Mio. Franken. Während man nun aber mit der Überzeugungsarbeit bei Gemeindepräsidenten letztendlich oft auf offene Ohren stiess, konnten diese ihrerseits ihre Ratskollegen in keinem einzigen Fall vom Zweck neuer zentrumsentlastenden Abgaben überzeugen. Es blieb – abhängig von Krisenjahren – ein jährlicher Beitrag in der Höhe von ca. 800 000 Franken im Sinne der ursprünglichen Kostenbeteiligung. «Wir brauchen wohl mehr Fakten und mehr Geduld», findet Pipo Kofmehl.

Was sich materiell in den zehn Jahren kaum ausbezahlt hat, scheint teilweise durch einen ideellen Erfolg wettgemacht zu werden: «Heute ist der Dialog mit den Entscheidungsträgern offener. Und das Regionsprogramm hat sich als Werkzeug erwiesen, um die Kultur in den Köpfen zu bewahren.» Nicht zu vergessen sind die Früchte, die sonst dem Regionsprogramm entstammen: die Schaffung der Kulturnacht, eines «Fanclubs», der IG Kultur, oder die Mitwirkung beim Kulturblog «zmitz.ch».

Der wirtschaftliche Aspekt

Auch für die Wirtschaft ist der Stellenwert der Kultur nicht unerheblich. Entscheidet sich doch oft an der Lebensqualität, ob sich ein Umzug nach Solothurn bezahlt macht. «Für eine Zürcher Familie beispielsweise bräuchte es mehr Anreize als nur den Lohn», so Kofmehl. Und während sich Olten als Verkehrsknotenpunkt und Grenchen als Industriestadt positioniert, müsse laut Urben die Solothurn auf das Alleinstellungsmerkmal Kultur setzen.

Nach einer zehnjährigen Projektphase könnte nun das Regionsprogramm Kultur in eine institutionelle Phase übergehen. Die bisherigen Träger des Projekts, die Stadt, der Kanton und die Regionalplanungsgruppe Espace Solothurn, würden eine Weiterführung begrüssen. «Nun müssen Modelle ausgearbeitet werden», sagt Urben. «Allerdings braucht es keine staatliche Koordinationsstelle, sondern einen unabhängigen Mandatsträger, idealerweise aus dem Kreis der Kulturschaffenden.» Sich selbst schliessen die beiden Kultur-Brückenbauer dabei nicht aus.