Friedhof St. Katharinen

Damit die Eltern trotzdem noch bei ihren Kindern sein können

Kinderfriedhof Solothurn.

Kinderfriedhof Solothurn.

Zwei Vornamen erst stehen auf der frisch gesetzten Steinreihe an der vorderen Ecke des hufeisenförmigen Erdwalls. Die beiden Kinder, denen hier gedacht wird, haben das Leben nie erreicht.

Totgeburten nennt sie die Medizin - doch für die Eltern waren es dennoch Kinder. Um die sie trauern. «Wir hatten Reaktionen von Eltern, die ihre Kinder so verloren haben, aber auch aus den Spitälern von Hebammen.» Seit 2007 seien zwei Gesuche hängig gewesen, dass man die Bestattungen nicht anonym vornehmen müsse, sondern den tot zur Welt gekommenen Kindern auch mit Namen gedenken könne, bestätigt Stadtschreiber Hansjörg Boll auf Anfrage.

Meldepflichtig oder nicht

Die Grenze für eine normale Bestattung lag bisher bei der 22. Schwangerschaftswoche. Hansjörg Boll: «Ein Kind, das danach tot zur Welt kommt, ist meldepflichtig. Seine Geburt und der Tod werden also auf dem Zivilstandsamt registriert.» Nicht aber vorher, und damit bestand auch kein Anspruch auf ein Begräbnis mit Namensnennung beispielsweise in den für Kinder eher bevorzugten speziellen Reihensarggräbern oder den für alle gleich gestalteten Urnenreihengräbern.

Mit der neuen Kindergedenkstätte besteht die Möglichkeit, auch früher in der Schwangerschaft verstorbenen Kindern, von Amtes wegen Fehlgeburten genannt und deshalb nicht meldepflichtig, namentlich zu gedenken - allerdings nur mit dem Rufnamen und nicht auch dem Nachnamen.

Die Bestattung erfolgt jedoch auch weiterhin anonym in der Rasenfläche vor dem Erdwall und der Steinreihe mit den Rufnamen. Von dieser Möglichkeit machten jetzt bereits die seit 2007 pendenten Gesuchsteller Gebrauch. Auf der Gegenseite der von Sitzbänken gesäumten Anlagen können verstorbene Kinder bis zu einem Alter von zehn Jahren beigesetzt werden - was noch nicht der Fall ist. «Denn glücklicherweise kommen solche Todesfälle heute nur noch sehr selten vor», so Hansjörg Boll.

Wer alles mitgearbeitet hat

Die Anlage - ermöglicht durch die Totalrevision des Bestattungs- und Friedhofreglements - wurde durch eine Arbeitsgruppe erarbeitet, der nicht nur Mitglieder des Stadtbauamtes und der Einwohnerdienste angehörten, sondern neben Bildhauer Kurt Walther auch Thomas Giuliani von der Hospizgruppe, Frau Pfarrer Elsbeth Hirschi Glanzmann und die Hebamme Kathrin Stettler angehörten. «Dank ihrer unkomplizierten und flexiblen Mitarbeit, die von grosser Bedeutung war, veränderte sich das Projekt kurz vor der Umsetzung nochmals deutlich», bedankte sich bei der Eröffnung Andrea Lenggenhager. Leiterin des Stadtbauamtes.

Dass die neue Möglichkeit nun in St. Katharinen besteht, ist nicht selbstverständlich. Gebe es doch erst auf wenigen Schweizer Friedhöfen Grabfelder für nicht meldepflichtige, verstorbene Kinder, betont Hansjörg Boll.

Ökumenische Gedenkfeier

Diesen Sonntag, 28. Oktober, wird um 17 Uhr auf dem Friedhof St. Katharinen eine ökumenische Gedenkfeier für Trauernde um verstorbene Kinder abgehalten. Durchgeführt wird die Gedenkfeier von Elsbeth Hirschi Glanzmann, evangelisch reformierte Pfarrerin, von Esther Holzer, römisch-katholische Theologin und Angehörige der Hospizgruppe Solothurn sowie von Monika Steiner, Regenbogengruppe Solothurn und der Hebamme Kathrin Stettler.

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