Kantonsschule Solothurn

Damit der Funke überspringt: «Kanti»-Schüler schnuppern Industrieluft

Der Industrieverband soll für die Schüler der Kantonsschule Solothurn kein weisses Tuch mehr sein. Während einem Erlebnistag sollten die Gymnasiasten deshalb «die Industrie in ihrer fantastischen Bandbreite» kennlernen.

«Wer kennt die Arthur Flury AG?» Adrian Flury blickt in 23 ratlose Gesichter. Die Wangen sind vor Aufregung ein wenig gerötet, die Mienen unsicher. Mit diesen Reaktionen hat Flury gerechnet. «Keine Angst», gibt er sich väterlich, «ihr müsst uns nicht kennen.» Die 23 ratlosen Gesichter - Schüler der Klasse N13M an der Kantonsschule Solothurn - sitzen am grossen Konferenztisch im Showroom der Firma. Vor ihnen liegt eine Tasche mit Werbegeschenken.

Adrian Flury, CEO und Inhaber des Deitinger Elektrotechnikunternehmens, will den Jugendlichen zeigen, «was es bedeutet, eine Firma zu führen.» Mit dem Beamer projiziert er Folien an die Wand. Kurze Zeit später steckt er in seiner Präsentation mitten zwischen Fahrleitungsbau und Hochregallagern. «Ich nehme an, ihr kennt das Just-in-Time-Prinzip?», fragt Flury in die Runde. 23 ratlose Gesichter. Der CEO stutzt. «Ihr seid doch Schüler des Wirtschaftsprofils?» Jetzt regen sich die 23 ratlosen Gesichter. Man besuche das musische oder das naturwissenschaftliche Profil, erklärt einer.

Zeit für einen Programmwechsel. «Gewisse Dinge» möchte Flury den Schülern fortan ersparen. Stattdessen setzt er nun auf Anekdoten und Eisenbahn-Methapern. «Im Schnellzugstempo» habe man versucht, den indischen Markt zu erobern, in der Produktion von Fahrleitungen sei sein Ziel, «immer eine Verbindung voraus» zu sein - «bevor der Zug abgefahren ist.» Dann noch ein paar Videos mit blitzartigen Kurzschlüssen und die Schüler sind auf Flurys Seite.

«Fantastische Bandbreite»

Dass der Unterricht an diesem Nachmittag zwischen Werkhalle und Konstruktionsbüro stattfindet, ist auf Stefan Zumbrunn und Josef Maushart zurückzuführen. Zumbrunn ist Rektor der Kantonsschule. «Die Industrie hat in der Region eine grosse Bedeutung, dessen sollten sich auch unsere Schüler bewusst werden», dachte er sich im letzten Jahr. Maushart, der Präsident des Industrieverbands Solothurn und Umgebung (Inveso), sah das ähnlich: «In der Schweiz gibt es hervorragende Hochschulen, die Ingenieure und Techniker ausbilden. An den obligatorischen Schulen aber hapert es.»

Und weil der Industrieverband auch für Gymnasiasten «kein weisses Tuch» mehr sein wollte, hat er mit der Kantonsschule ein Konzept zur Positionierung der Branche bei Gymnasiasten erarbeitet. Im Zentrum: «ein Erlebnistag, der die Industrie in ihrer fantastischen Bandbreite zeigt», wie es Josef Maushart ausdrückt. Diese Woche haben 459 Schüler des ersten Gymnasialjahres - «Wie jünger, desto besser!», sagt Maushart - einen Industriebetrieb besucht.

Beim Iveso-Direktor schwingt viel Pathos mit, wenn er berichtet, wie die Schüler «für unseren Werkplatz so wichtige Betriebe» wie Scintilla, Fraisa oder Agathon besucht haben. Wird die «Kanti» nicht zum Spielball der Industrie, wenn sie mit ihr gemeinsame Sache macht? «Natürlich war das ein Thema», bestätigt Rektor Zumbrunn, «aber wir haben klar festgelegt, was zum Programm gehört.»

Was aber nützt Gymnasiasten mit musischem Profil der Besuch in der Industrie? «Wirtschaft darf nicht nur Schüler mit entsprechendem Schwerpunkt interessieren», sagt Zumbrunn. Auch wenn der 14-jährige Patrick erklärt, dass er beim Firmenbesuch «vieles nicht verstanden» habe, ist Josef Maushart überzeugt: «Der erste Funke ist auf die Schüler übergesprungen».

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