Solothurn
Damit auch vorgesorgt ist, wenn der Fall der Fälle eintritt

Ist die verbreitete Angst vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) berechtigt und welche Massnahmen ergreift sie, wenn die Urteilsunfähigkeit nicht geregelt ist? Antworten darauf gab es beim Herbstanlass des Hauseigentümervereins Solothurn HEV.

Katharina Arni-Howald
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Was passiert, falls ein Beistand eingesetzt werden muss? (Symbolbild)

Was passiert, falls ein Beistand eingesetzt werden muss? (Symbolbild)

Keystone

Wer möchte schon persönliche Dinge, die man bisher selbst verrichten und verwalten konnte, freiwillig in andere Hände legen – die Bestimmung über das eigene Leben, sein Vermögen, den Verkauf einer Liegenschaft, seine Gesundheit? Und doch, manchmal kommt ganz plötzlich der Augenblick, wo alles anders wird. Ein Schlaganfall, ein Unfall, auch in jungen Jahren, eine schleichende Demenz. Gut, wer für solche Fälle vorgesorgt hat. Dafür, dass sein eigener Wille nicht von Unbekannten durchgesetzt oder gar missachtet wird.

Erfreulicherweise wächst das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass in solchen Situationen nur eine geregelte Vorsorge einen selbst und die Nachkommen vor Willkür schützen kann. Das zeigte eindrücklich der Herbstanlass des Hauseigentümerverbandes der Region Solothurn (HEV). Über 500, vor allem ältere Mitglieder, kamen ins Landhaus um mehr über ein Thema zu erfahren, das gerne ausgeblendet wird.

Im Mittelpunkt des informativen Referates von Evelyne Riner standen der Vorsorgeauftrag, die Patientenverfügung und auch die Errichtung einer Beistandschaft. «Der Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung sind wichtige Instrumente, die auch von der Kesb Solothurn begrüsst werden», stellte deren Vize-Präsidentin gleich zu Beginn klar und versuchte, die Angst vor der öfters umstrittenen Behörde zu zerstreuen. «Wir sind froh, dass es Menschen gibt, die frühzeitig über ihre Situation nachdenken und entsprechende Massnahmen treffen.»

Wie man alles richtig macht

Der Vorsorgeauftrag muss von Gesetzes wegen von Hand geschrieben, datiert und unterzeichnet werden. Möglich ist auch eine öffentliche Beurkundung. «Liegt bei einer Urteilsunfähigkeit ein solches Dokument vor, prüft die Kesb dessen Gültigkeit und kontrolliert, ob die auftraggebende Person zum Zeitpunkt der Errichtung handlungsfähig war», so Riner. Gleichzeitig werde unter anderem auch geprüft, ob die beauftragten Personen – meist

Nachkommen und Verwandte – für ihre Aufgaben geeignet seien und die Interessen des Auftraggebers wahren können. Im Gegensatz zum Vorsorgeauftrag beschränke sich die Patientenverfügung auf medizinische Massnahmen und die Umschreibung der Werthaltung des urteilsunfähigen Patienten, hielt Riner weiter fest. «Hilfreich ist, dass die Existenz einer Patientenverfügung auf der Versichertenkarte eingetragen werden kann», sprach die Referentin das Problem der richtigen Aufbewahrung an.

Nachdenklich und kritisch

Die von der Kesb organisierte Beistandsschaft, die früher nach «starren» Richtlinien gehandhabt wurde, ist laut Riner heute massgeschneidert und dient dem Schutz und der Sicherheit der hilfsbedürftigen Person. «Das Ziel ist, den Erhalt und die Selbstbestimmung zu fördern und die Lebensführung zu unterstützen.»

Eine kurze Fragerunde zeigte, dass die durchschimmernde Kritik an der Kesb trotz klärenden Worten nicht bei allen ausgeräumt werden konnte. So verliessen einige Anwesende etwas nachdenklich den Saal und freuten sich über den reichhaltigen Apéro der vom Hauseigentümerverein alljährlich gespendet wird.

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