Bundesfeier

«Dabei müssen wir unsere Eigenständigkeit und die Neutralität erhalten»

An ihrer 1.August-Rede plädiert FDP-Kantonsrätin Marianne Meister für mehr Eigenverantwortung. Zudem wagte Sie einen Blick über die Grenze, zu unserem französischen Nachbarn und zog einen Vergleich.

Die rot-weissen Fahnen und Lampions flatterten im leichten Wind, die Festbänke standen bereit und der Grill war angefeuert, als am Samstagabend beim Soldatendenkmal die Bundesfeier in der Kantonshauptstadt begann.

Doch Petrus zeigte sich nicht gnädig und so verwandelte sich der leichte Nieselregen in Solothurn rasch in einen heftigen Schauer, welcher die Besucher im Festzelt enger zusammenrücken liess.

Erst den Musikern des Tambourenvereins gelang es, dass Prasseln des Regens zu übertönen. Nach dem musikalischen Einstieg gehörte die Aufmerksamkeit der etwa 200 Anwesenden der diesjährigen Gastrednerin, Kantonsrätin Marianne Meister.

Nicht bloss den Rütlischwur im Jahr 1291, sondern vielmehr die «grosse Erfolgsgeschichte der kleinen Schweiz» solle am 1. August gefeiert werden, meinte Meister zu Beginn ihrer Rede.

Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass die Entwicklung der alten Eidgenossenschaft zum modernen Rechtsstaat keine rein schweizerische Eigenleistung sei. «Die Besetzung der Schweiz durch die Armee von Napoleon und gedankliche Anstösse aus anderen europäischen Nachbarstaaten haben die Gründung der modernen Schweiz geprägt.»

Auch für die Zukunft der Schweiz – vor allem für ihre Wirtschaft –- sei eine friedliche Zusammenarbeit mit den Nachbarländern unabdingbar, betonte Meister. «Dabei müssen wir den Föderalismus, unsere Eigenständigkeit und die Neutralität erhalten.»

Gewerbe ohne Unterstützung

Sie habe sich dagegen entschieden, wie sonst bei 1.-August-Reden üblich, eine politische Abhandlung aktueller Themen sowie eine «Beweihräucherung» der eigenen Partei folgen zu lassen, erklärte die FDP-Politikerin, die sich zurzeit im Wahlkampf für ihre Ständeratskandidatur befindet.

«Ich erzähle euch besser etwas über meine Ferien», meinte sie. Mit Ehemann Ruedi habe sie eine erste Ferienwoche bei einem Freund im französischen Burgund verbracht und dort Ausflüge mit dem Fahrrad unternommen.

Meister erzählte von «leeren, ausgestorbenen und trostlosen Dörfern» auf dem französischen Land, von verlotterten Beizen und verklebten Schaufenstern.

Ihr Freund habe ihnen die Auswüchse des zentralistisch regierten Frankreichs geschildert; das Kleingewerbe gehe kaputt, weil auf dem Land nicht mehr investiert werde. Der Staat schaue nur noch zu den grossen Konzernen, an welchen er selber beteiligt ist.

«Ein Gewerbler muss in Frankreich horrende Steuern und Gebühren zahlen. Die Gemeinden sind nicht daran interessiert, dass es dem Gewerbe gut geht, weil die Steuergelder direkt nach Paris fliessen», beschrieb Meister die für sie erschütternden Zustände im Nachbarland.

«Ohne Innovation vom Gewerbe, ohne begeistertes Unternehmertum entstehen schleichend Ortschaften ohne Seele und Leben, ohne Infrastruktur und soziale Treffpunkte», konstatierte die Präsidentin des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes.

Verantwortung wahrnehmen

Mit diesen Eindrücken sei sie in ihre zweite Ferienwoche gestartet und habe das Gegenteil der leblosen französischen Ortschaften erlebt – im «wunderschönen Kanton Solothurn», erzählte sie. Die Gemeindepräsidentin von Messen geriet ins Schwärmen: «Unsere Dörfer leben noch. Wenn auch nicht mehr an jeder Ecke – die Beizli und Lädeli gibt es noch. Hier ist noch investiert worden – und es wird gebaut und renoviert.»

Damit dies so bleibe, müssten die kleinen Gewerbebetriebe atmen und das Dorfleben prägen können – denn diese böten Arbeitsplätze und Lehrstellen. Am Ende ihrer Ansprache wandte Meister sich ans Publikum: «Wir bestimmen und entscheiden, wie unsere Ortschaften und Infrastrukturen in Zukunft aussehen. Dank unserem demokratischen System können wir alle mitreden. Wir müssen diese Verantwortung aber auch wahrnehmen.»

Anschliessend spielte die Stadtmusik das Solothurnerlied und zum Abschluss – «es isch immer e so gsi» – wurde das farbenprächtige Feuerwerk gezündet, dass die Schanz erleuchten und das Publikum staunen liess.

Meistgesehen

Artboard 1