Konzertsaal

Da waren's nur noch Sieben

Im Konzertsaal traten noch acht Nightingales mit dem scheidenden Gründungsmitglied Daniel Reinhart auf.

Im Konzertsaal traten noch acht Nightingales mit dem scheidenden Gründungsmitglied Daniel Reinhart auf.

Seit 25 Jahren singen die Solothurner «The Nightingales» a cappella. Wir waren an der Generalversammlung der Truppe dabei.

Vereinsversammlung statt Konzert, auf dem Absatz rechtsumkehrt? Zum Glück gehören die meisten der rund 150 Zuhörer, die sich am Samstag im kleinen Konzertsaal einfanden, zu den Habitués der Solothurner Musikszene. Sie erkannten den Sarkasmus, als ihnen das Programm der 25. Generalversammlung des Vereins «The Nightingales» in die Hand gedrückt wurde.

Es wurde niemand enttäuscht. Gesungen wurden Lieder von Adriano Celentano, den Dire Straits bis hin zu Michael Jackson – und sogar Kompositionen der hauseigenen «Nachtigall» Peter Gubler trugen die Nightingales mit beeindruckender Harmonie und Präzision vor.

Die acht individuellen Stimmen zeigten sich einmal solo, einmal im homogenen Chorklang. Pur und unverstärkt. Die über 1000 Proben in den vergangenen 25 Jahren haben sich gelohnt, ebenso wie der Besuch der Premiere.

Einer hört auf

Für eines der Gründungsmitglieder sollen die 25 Jahre nun aber genug sein. Für Daniel Reinhart ist es die Abschiedstournee mit den Nightingales. Das sinnige Motto: «25 Jahre sind genug». «Das Schlimmste ist, dass er lieber Jodeln will», schluchzte Vizepräsidentin Rahel Studer unter vorgegaukelten Tränen zwischen zwei Liedern. Sie habe alles versucht. «Sogar einen Schal in seinen Lieblingsfarben habe ich für ihn gestrickt. Es hat nichts geholfen.»

Das Repertoire zeigt eine klare Tendenz in Richtung 70er- und 80er-Jahre. «Gute Harmonien sind am wichtigsten, beatlastige Leader eignen sich nicht für a cappella, weil wir ganz ohne Verstärker singen», erklärte Reinhart beim Apéro nach dem Konzert. Als «The Nightingales» einst aus dem Wasserämter Singkreis auf Initiative von Remo Borner hervorgingen, hätte sich Gründungsmitglied Reinhart nie träumen lassen, dass er die nächsten 25 Jahre in diesem A-cappella-Ensemble singen würde. Warum ist jetzt für ihn genug?

«Das ist schwierig zu erklären. Ein solches Programm auf die Beine zu stellen, ist eine sehr intensive Arbeit, die zwei Jahre dauert. Auf der einen Seite tut es mir leid, jetzt aufzuhören, auf der anderen Seite habe ich mit den Nightingales eigentlich alles erlebt. Jetzt ist die richtige Zeit für eine Abschiedstournee.» Im Sport gibt es Ersatzspieler, die Nightingales haben dagegen keine Ersatzstimmen.

So suchen sie nun eine neue Nummer acht. Unter dem Traktandum «Stimmen-Akquisition» wurden die Ansprüche diskutiert, die dieser Mann erfüllen sollte. Ein grosses Haus am Meer müsste er besitzen, wo man proben kann. Ein guter Koch sollt er sein und ein sexy Tänzer. Daniel Reinhart sieht es realistischer.

Warum singt sie in der Nacht?

«Gute Bässe sind dünn gesät. Ich denke nicht, dass sich an den Konzerten tatsächlich ein Nachfolger für mich melden wird. Das neue Mitglied muss vor allem auch charakterlich perfekt in die kleine Gruppe passen. Deshalb wird wohl ein interner Vorschlag der beste Weg sein.» Und so blieb am Ende nur eine Frage ohne Antwort: Warum singt eigentlich die Nachtigall in der Nacht? Weil die Weibchen es so verlangen, sagt die Wissenschaft.

Nur deshalb werben die Männchen zwischen zwei und vier Uhr um sie. Nach etwa 25 Tagen – nicht wie bei Daniel Reinhart nach 25 Jahren – wird die Nachtigall bequem. Hat sie sich erfolgreich gepaart, singt sie nur noch kurz am Abend, um ihr Revier zu markieren, und geht danach früh schlafen.

Weitere Auftritte: www.nightingales.ch

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