Universalgenie im Fokus
Da-Vinci-Aussteller setzen nach erfolglosem Debüt in Basel auf Solothurn

Zwei Eventmanager bringen die nach eigenen Angaben europaweit wohl grösste Ausstellung zu da Vinci für neun Wochen nach Solothurn. Und sie hoffen auf mehr Begeisterung als bei ihrem Debüt in Pratteln - dort erlitten sie nämlich einen Dämpfer.

Andreas Kaufmann
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Die Da Vinci Ausstellung in Solothurn
14 Bilder
Naturwissenschaft neben Kunst, Leonardo da Vinci war ein Universalgenie
Rechts Da Vincis mit Kanonen ausgestattete Panzer, den er «Schildkröte» nannte
Gestatten - La Gioconda, besser bekannt als Mona Lisa, allerdings in einer Nachbildung
Ein Sperrmechanismus, der später womöglich bei Katapulten zum Einsatz kam
Eine halbautomatischer Amboss - Kurbeln, und der Hammer fällt
Die Ausstellung läuft von 10. November bis 8.Januar
Das Perpetuum Mobile - eine Maschine, die auch in Da Vincis Skizzen nicht zur ewigwährenden Bewegung veranlasst werden konnten - was das Universalgenie natürlich wusste
Der Traum vom Fliegen - auf seinen Skizzen kam auch Da Vinci dieser Vision nahe
Das Kegelgetriebe wurde später zur gedanklichen Anregung des Autogetriebes
Da Vincis Weiterentwicklung der antiken Tauchermaske
Da Vincis Boot mit Schaufelrädern ist nur wenige Schritte vom Raddampfer entfernt
Da Vincis Vorstellung eines Fallschirms - der offenbar tatsächlich funktioniert hätte
Da Vinci ersann bereits, was erst Jahrhunderte später die Innovationskraft der Industrialisierung hervorbrachte

Die Da Vinci Ausstellung in Solothurn

Andreas Kaufmann

Für einmal ist es nicht «La Gioconda», die mit ihrem Lächeln allen Exponaten in ihrer Nähe die Show stiehlt. Denn erstens ist die lächelnde Mona Lisa, die ab Dienstag in der Reithalle zu sehen ist, nicht das Original aus dem «Louvre».

Und zweitens zeigt die Ausstellung «Leonardo da Vinci, das Genie» in den nächsten neun Wochen weitaus mehr Facetten des Universalgenies, das von 1452 bis 1519 lebte. Tatsächlich soll es nach heutiger Erkenntnis lediglich zwei Dutzend Gemälde geben oder gegeben haben, die auf Da Vincis Urheberschaft zurückgehen.

Vielmehr ist es sein Vermächtnis bahnbrechender Ideen, die er auf Tausenden von Manuskripten – so genannten «Codice» – niederschrieb, auf die man wissenschaftlich aber erst seit den 1930er-Jahren aufmerksam wurde.

Dabei zeigte sich, dass sich der Maler und Bildhauer auch für Medizin, Biologie, Physik und Ingenieurswissenschaft interessierte: Er kombinierte bestehende Funktionsprinzipien, entwickelte sie weiter oder entdeckte sie komplett selbst: das Kugellager ebenso wie die Vorläufer des Autogetriebes oder des Helikopters, andere Flugobjekte, die mit Auftrieb funktionieren, Fallschirme, ferner aber auch Kriegsschiffe und Panzer, oder eine mit Ventilen versehene Tauchermaske.

Viele seiner Gerätschaften wurden von der florentinischen Handwerkergruppe Niccolai-Teknoart ab Skizzenblatt nachgebaut.

Diese Leihgaben zieren die Ausstellung in der Reithalle, ebenso wie ein Dokumentarfilm über da Vincis Erkenntnisbeitrag zur Anatomie, 25 Nachdrucke seiner Gemälde, 150 informativ dichte Schautafeln und weitere Elemente.

Hoffnung auf Erfolg in Solothurn

Geistiger Vater hinter der Da-Vinci-Hommage ist der Eventmanager Roland Gasser. Da er selbst mit Begeisterung bei einer australischen Ausstellung zu diesem Thema involviert war, entschloss er sich kurzerhand, die Idee in die Schweiz zu importieren.

Er und Heinz Schafroth, ebenfalls Eventmanager, schufen in total rund 1400 Mannstunden Vorbereitung die nach eigenen Angaben wohl grösste Ausstellung zu da Vinci in ganz Europa.

Eine, die allerdings bei ihrem viermonatigen Debüt in Pratteln BL einen Dämpfer erlitt. «Im Baselland sind wir auf Ablehnung gestossen», sagt Schafroth. Damit meint er vor allem die Behörden, die die Ausstellung als «Kommerz, nicht Kultur» taxiert hätten.

250 000 Franken kostete die Ausstellung in Pratteln, vorfinanziert aus eigenen Mitteln und bestritten mit 2400 weiteren Fronstunden für die beiden von Idealismus getriebenen Aussteller. Die Unterstützung der öffentlichen Hand blieb aus, die Besucherzahlen waren bescheiden.

«Dafür kamen viele aus dem Bernischen und Solothurnischen hierher, ebenso aus dem grenznahen Ausland», so Schafroth weiter. «Dass die Schweiz für Ausstellungen aber ein so hartes Pflaster ist, hätte ich nicht gedacht», sagt Gasser, der sich von der damaligen Ausstellung in Australien anderes gewohnt ist.

In Solothurn schien die Mittelbeschaffung geringfügig besser zu laufen: Auch hier stiessen die beiden beim Kanton auf Ablehnung, konnten aber immerhin einen kleinen Betrag der Stadt Solothurn sicherstellen, wie Schafroth weiter ausführt: «Stadtschreiber Hansjörg Boll und Stadtpräsident Kurt Fluri waren nicht ablehnend eingestellt und hatten offene Ohren.»

70 000 Franken budgetieren die beiden zusätzlich für den neunwöchigen Aufenthalt in Solothurn. Gerade die Schautafeln und andere Ausstellungselemente werden von Pratteln natürlich wiederverwertet, die Miete für die Exponate sowie für die Reithalle fallen dennoch an.

Ansprechen soll die Ausstellung alle Interessierten, vor allem auch Schulklassen, deren Lehrer mit dem didaktischen Material eingedeckt werden.

Auf jeden Fall hoffen Gasser und Schafroth auf ein weniger hartes Pflaster in Solothurn – und auf Neugierde, so wie sie da Vinci selbst in sich trug.

Ausstellung bis 8. Januar 2016 in der Reithalle. Vernissage: Dienstag, 10. November 2015, 16 Uhr.

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