Bevor wir vorausblicken: Woran ists im Juli gescheitert, Heinz Flück?

Heinz Flück: Darin verpackt sind ja eigentlich zwei Fragen. Warum niemand gewählt wurde: Das Vize-Stadtpräsidium hat kein eigenes Ressort oder Pflichtenheft, sondern ist nur eine Stellvertretungsfunktion, früher hiess diese Funktion dann auch «Statthalter», mit «tt», nicht mit «dt». Somit war es wohl für etliche Stimmenden zwar wichtig, wer Stadtpräsident werden soll, aber egal, wer sein Stellvertreter ist. Die zweite Frage, die ich mir stellen musste: Warum habe ich etwas weniger Stimmen gemacht als Pascal Walter?

Nach der Wahl sagten Sie, Walters Parteicouleur habe gegenüber Ihrer Erfahrung gesiegt.

Heinz Flück: Ich denke, dass eine bürgerliche Allianz gespielt hat: Wer Fluri unterstütze, hat wohl meist auch Walter gewählt. Meine Partei hatte Roth unterstützt, ich selber könnte mir von Anfang an ein Vizepräsidium mit beiden für das Präsidium Kandidierenden vorstellen. Ich denke, dass die Ausgangslage für mich jetzt besser ist und dass vor allem die weniger parteigebundenen Wählerinnen und Wähler sehen, dass ein grüner Vize das politische Kräfteverhältnis in der Stadt besser abbildet, als wenn weiterhin beide Ämter in bürgerlicher Hand wären. Meine Erfahrung ist sicher ein wichtiges Plus gegenüber Pascal Walter.

Ausserdem seien Sie über Parteigrenzen hinaus sogar wählbarer als Franziska Roth, heisst es.

Heinz Flück: Ich will mich weder mit Franziska Roth, noch mit Kurt Fluri vergleichen. Aber mein gutes Resultat im ersten Wahlgang zeigt, dass ich aus verschiedenen Parteien Stimmen bekommen habe. Bei Majorzwahlen kann niemand mit nur mit seiner Partei im Rücken eine Wahl gewinnen. Nachdem wir weiterhin einen freisinnigen Stadtpräsidenten haben, der auch dank vieler Stimmen über die Parteigrenzen hinaus gewählt wurde, hoffe ich, dass ich auch im zweiten Wahlgang ebenso über die Parteigrenzen hinaus punkten kann.

Was haben Sie neben der Parteizugehörigkeit sonst noch auf dem Kasten, Pascal Walter?

Pascal Walter: Das Amt als Vize-Stadtpräsident hat mit Parteizugehörigkeit wenig zu tun. Es geht darum die Stadt zu vertreten und den Stadtpräsidenten bei dessen Absenz, und nicht um Parteipolitik. Ich denke, dass ich mit meiner bisherigen politischen Arbeit als Gemeinderat und als Präsident der Jugendkommission punkten konnte, weil bei meiner Arbeit eben nicht die Parteizugehörigkeit an erster Stelle kommt. Mit mir kann man Lösungen suchen und diese dann auch umsetzen. Auch habe ich in den verschiedenen leitenden Funktionen in der Pfadi gezeigt, dass man der jüngeren Bevölkerung eine Stimme geben kann, wenn man sich dafür einsetzt. Genau das werde ich auch als Vize-Stadtpräsident machen.

Bei den Gemeinderatswahlen waren Sie noch im Hintertreff, beim ersten Vize-Wahlgang hatten Sie hingegen um rund 150 Stimmen die Nase vorn. Wieso?

Pascal Walter: Das liegt in der Hand der Stimmbevölkerung. Ich habe sicher von der Mobilisierung durch die Stadtpräsidentenwahl im ersten Wahlgang profitiert. Der Ausgang wird auch im zweiten Wahlgang äusserst knapp sein. Meine bisherigen Engagements in und für die Stadt Solothurn wurden aber sicher auch honoriert, und ich bin überzeugt, dass auch meine Art zu politisieren von der Stimmbevölkerung geschätzt wird.

Woran ist es für ein absolutes Mehr denn dennoch gescheitert?

Pascal Walter: Aufgrund der 227 Leerstimmen habe ich das absolute Mehr um nur 39 Stimmen verpasst. Es hat sehr wenig gefehlt. Den genauen Grund kenne ich nicht. Allenfalls gibt es solche, die fanden, ich sei mit 33 Jahren zu jung, anderseits finde ich mein Alter genau auch ein gutes Argument mich zu wählen. Ich kann als Brückenpfeiler zwischen Jung und Alt die Generationen verbinden.

Wie haben Sie zwischenzeitlich mobilisiert für den Schlussspurt?

Heinz Flück: Aus meiner Sicht – und das passt auch zu den Grünen – genügt ein Flyer, das ist für mich der offizielle Wahlflyer. Ich lasse also nicht parallel dazu noch einen weiteren Flyer verteilen. Verschiedene Personen unterstützen mich mit Inseraten. Ich hoffe, dass dies dazu animiert, bei der Wahl am 24. September mir die Stimme zu geben.

Pascal Walter: Wir haben unter anderem ein breit abgestütztes Unterstützungskomitee gebildet. Bis jetzt sind schon über 80 Personen von links bis rechts dabei. Zudem haben wir den Wahlflyer noch einmal überarbeitet. Viele helfen mit, Karten zu verteilen. Ich freue mich sehr über diese breite Unterstützung.

Welches Dossier wollen Sie als Vize-Stadtpräsident zuerst in die Hand nehmen? Oder: Wo brennts in der Stadt am heissesten?

Pascal Walter: Ich sehe kein Feuer am Horizont, dass auf die Stadt zukommt. Höchstens am nächsten Bööggverbrennen gibts etwas Feuer auf dem Märetplatz. Im Ernst: Die Stadt hat eine gute Ausgangslage für die nächsten Jahre. Wir haben ein grosses Eigenkapital und Vorfinanzierungen in der Vergangenheit getätigt, die uns die grossen Investitionen in den nächsten Jahren ermöglichen. Eine Herausforderung wird sein, all die geplanten Investitionen zeitlich sinnvoll aufeinander abzustimmen. Natürlich werden uns Stadtmist, Ortsplanung, Weitblick und all die Schulhausrennovationen in den nächsten Jahren beschäftigen.

Heinz Flück: Der Vizepräsident hat in Solothurn kein eigenes Ressort und kann somit kaum eigene Akzente setzen. Als Mitglied des Gemeinderats und der Gemeinderatskommission werde ich mich für eine fortschrittliche Umsetzung der Ortsplanungsrevision einsetzen. Auch Bildung und Integration sind mir wichtige Themen: Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass Zugewanderte eine gute Ausbildung erhalten können. Das verbessert nicht nur die Selbstachtung der Betroffenen, sondern zahlt sich für das Gemeinwesen auch finanziell aus, denn gut ausgebildete Personen brauchen in der Regel keine Unterstützung durch die Sozialhilfe.