Solothurn
Corona trübt das Geschäft mit Bier und Wein – es gibt aber auch Grund zur Freude

In der Stadt Solothurn gibt es verschiedene Läden oder auch Produzenten, die Bier oder Wein verkaufen. Seit der Gastro- und Eventbereich wegen Corona darbt oder gänzlich weggefallen ist, ist ihr Geschäft eingebrochen. Einige neue Kunden konnten aber dazugewonnen werden.

Lea Durrer
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Die Betriebe stellen in der Coronakrise bei Kunden Solidarität fest.

Die Betriebe stellen in der Coronakrise bei Kunden Solidarität fest.

Hanspeter Bärtschi

«Hundsmiserabel» laufe das Geschäft, meint Alex Künzle. Anlässe wie die HESO, das Märetfescht oder die Solothurner Biertage fehlten dieses Jahr im Kalender der Öufi-Brauerei. Restaurants und Bars lassen weniger Bier über die Theke gehen und müssen nun auch noch früher oder ganz schliessen. Auch die Kulturfabrik Kofmehl fällt schon seit Monaten als Abnehmer des beliebten Solothurner Biers weg. Im Bereich Gastronomie verkaufe die Öufi-Brauerei weniger als die Hälfte des Normalen, führt der Inhaber aus.

Die eigene Braui-Beiz ist zwar noch offen, diese macht aber weniger als zehn Prozent des Firmenumsatzes aus. «Wir sind dennoch froh, dass sie läuft», meint Künzle. «Wir haben zum Glück eine riesige Beiz und müssen keine Gäste nach Hause schicken.» Egal was der Bundesrat am Freitag entscheidet: Eine Schliessung ist kein Thema. «Wir wollen unsere Gäste nicht alleine lassen», meint Alex Künzle. «Solange wir nicht müssen, schliessen wir nicht.»

Keine Versammlungen und Apéros im Haus

Was fehlt sind die ganzen Events im eigenen Haus. Der November und auch der Dezember seien sonst immer die besten Monate. Viele Vereine würden für die Generalversammlung das Sääli mieten und dabei noch etwas Essen oder Trinken. «Das gibt es in diesem Jahr nicht», so Künzle. In der sonst strengsten Zeit des Jahres befinden sich viele Mitarbeiter aus der Brauerei und des Gastrobereichs in Kurzarbeit.

Während der Gastro-Absatz eingebrochen ist, wird aber im Detailhandel rund 10 Prozent mehr Öufi-Bier verkauft. Die Brauerei merkt auf diesem Weg, dass die Leute nicht mehr ausgehen, sondern ihren Gerstensaft vielmehr zuhause geniessen. «Das ist aber nicht annähernd so viel, wie wir sonst einnehmen würden», sagt Künzle.

Kunden aus der ganzen Schweiz

Die Weinhandlung des Vini al Grappolo konnte die Umsätze der letzten Jahre hingegen halten. «Das ist erfreulich», meint Rolf Schöb und fügt an, dass der Webshop nun endlich richtig gut laufe. Man verzeichne mehr Privatkunden. Schon im Lockdown hätten sich viele Leute aus der Region solidarisch gezeigt und beim Vini bestellt. «Gewisse Produzenten sind international bekannt. Da gehen bei uns Bestellungen aus der ganzen Schweiz ein. Aber der Grossteil der Kunden kommt aus der Region.» Degustationsvideos helfen über die Zeit hinweg, in der ein Genuss-Treffen vor Ort nicht möglich ist.

Hanspeter Bärtschi

Der Rückgang in der Gastronomie spürt die Weinhandlung an der Prisongasse schon. «Der grösste Kunde ist unser eigenes Restaurant», sagt Schöb. Danach komme die ebenfalls hauseigene Hafebar. In beiden Betrieben sei merklich weniger Wein konsumiert worden. «Alle anderen Restaurants, die wir beliefern, leiden aber auch. Das spüren wir jeweils gleich.» Schlimm seien die wegen Corona wegfallenden Weihnachtsessen. Was sich im nächsten Jahr stark bemerkbar machen wird, sind die Solothurner Filmtage, die in ihrer üblichen Form mit Tausenden Besuchern nicht stattfinden können. Dort beliefert das Vini sonst zahlreiche Apéros. «Das wird trostlos», meint Rolf Schöb. Und auch die Fasnacht werde fehlen.

Grösserer Aufwand für private Kunden

Ähnlich geht es der Cantina del Vino. Auch hier werden während der Werkschau des Schweizer Films Apéros veranstaltet. Das Geschäft laufe durchzogen, meint Francesco Infantino. Während im Gastrobereich 25 Prozent weniger Umsatz gemacht wird, steigt der Verkauf an Private im gleichen Masse. «Dies ist aber mit einem grösseren Aufwand für Lieferung und Werbung verbunden», so Infantino. Klagen will er aber nicht. «Ein grosses Merci den treuen Kunden. Ohne die ginge es in der momentanen Situation nicht.»

Im Vergleich zum Sommer, als viele Schweizer und Touristen im Ladenlokal am Landhausquai vorbeischauten, geht dort der Umsatz seit den Verschärfungen der Massnahmen zurück. Die Leute sind zurückhaltender beim «Lädele».

Lager füllen sich mit Wein

Nachdem 2019 ein gutes Verkaufsjahr für die Domaine de Soleure war und von einigen Sorten keine Flaschen mehr verfügbar waren, füllen sich nun die Lager. Um rund 250'000 Franken sind die Weinkäufe durch das Gastgewerbe zurückgegangen. «Die grossen Anlässe wie Bankette im Landhaus oder im Palais Besenval fehlen», erklärt Urs Hugi, Weingut-Standortleiter Solothurn.

«Viele Kunden beliefern wir mit kleineren Mengen.» Diese machen 90 Prozent des Umsatzes aus und fallen nun allesamt weg. Lediglich über den Weinkeller im Oberen Winkel oder die Homepage verkauft die Bürgergemeinde noch ihren Wein.

Ein Lichtblick für Hugi: Bei den privaten Kunden wird eine Zunahme verzeichnet. «Wir konnten viele neue Kunden gewinnen – auch aus dem angrenzenden Bernbiet.» Tendenziell würden die Leute wieder mehr regional denken.

HESO und Kurse sind weggefallen

Dieser Meinung ist auch Elisabeth Schori von der Vinothek. «Die Leute sind solidarisch. Sie kommen in die Stadt und kaufen lokal ein», freut sie sich. Mit dem Umsatz im Laden am Rossmarktplatz sind die Geschäftsführer, die «ihr Möglichstes geben», zufrieden.

Hanspeter Bärtschi

Ihr zweites und wichtigeres Standbein kränkelt aber gewaltig. Für den Getränkehändler macht die Gastronomie rund zwei Drittel des Geschäftsgangs aus. «Es ist ein bedeutender Zweig, der nun durch Corona eingebrochen ist», sagt Elisabeth Schori. Auch könnten keine eigenen Events wie Degustationen und Weinkurse durchgeführt werden.

Und dann fiel im September auch noch die HESO aus. Die Affolter Weine & Getränke GmbH ist seit der ersten Herbstmesse im Jahr 1978 vertreten, hat nie gefehlt. «Das tat uns selber weh, dass wir heuer nicht gehen konnten», blickt Schori zurück und spricht von einer Herzensangelegenheit. Wie viele Leute während dieser Zeit in den Laden zur «Mini-HESO» kamen, überraschte die Besitzer positiv. Manche seien nicht gekommen, weil sie sich wegen Corona nicht getraut hätten. Schori hofft, dass bis Weihnachten viele den Weg in den Laden finden, und dass auch der Gastrobereich bald wieder anziehen wird. Angesichts der aktuellen Coronazahlen und geplanten Massnahmen wird das wohl nicht so schnell der Fall sein.