Grosse Würfe entstehen meist erfrischend überraschend und ungeplant: So war es auch, als sich 1989 ein rund 20-köpfiger Ad-hoc-Chor zusammenfand, um ein Orgelkonzert im Januar 1990 gesanglich zu begleiten. Dieser gemeinsame Auftritt in der Franziskanerkirche sollte nicht der letzte der zusammengewürfelten Truppe bleiben, die sich bald den Namen «CoroDonne» – «ChorFrauen» – gab. Doch 25 Jahre, einhundertundelf Chorkonzerte und Dutzende Fähnchen auf der Schweizer Karte später folgte am vergangenen Wochenende im Konzertsaal nun doch der Moment des definitiven Abschieds.

Privatständchen für Otto Stich

«CoroDonne» unter Leitung von Judith Koelz und ihrer Schwester Magdalena Vonlanthen bestritten mit diesem «Schwanengesang» – so der sinnige Name des Konzerts – ihren letzten Auftritt. Was dazwischenliegt, ist eine Erfolgsgeschichte, in deren Chronik man an einigen Meilensteinen vorbeikommt – durch die Schweiz und darüber hinaus. Magdalena Vonlanthen weiss einige Anekdoten aus diesen 25 Jahren: 1993 beispielsweise wurden «CoroDonne» angefragt, an Otto Stichs Bundespräsidentenfeier im Landhaus zu singen. Später dann schaute der Frauenchor beim Magistraten auch in Dornach vorbei. «Wir hielten ihm zuhause ein Privatständchen, worauf er uns auf ein Getränk ins Restaurant Blauer Engel einlud», erinnert sich Vonlanthen. 1998 traten «CoroDonne» anlässlich der Feier 150 Jahre Bundesverfassung und 50 Jahre Frauenparlament im Bundeshaus auf – verbunden mit einer TV-Übertragung in der SF-Sendung «Quer». Und auch in «Landuf Landab» war der Solothurner Chor zu sehen.

Für Vonlanthen ist aber bei aller Medienpräsenz etwas anderes viel wichtiger: «Ob TV oder nicht, unsere Auftritte waren stets getragen von der Freude an der Musik. Und wir haben so oder so viele gute Erlebnisse gehabt.» Beispielsweise, als man vornehmlich mit Werken von Albert Moeschinger, der einen kompositorischen Schwerpunkt im Repertoire der Gruppe bildete, in Salzburg auftreten konnte. Oder als die Formation 2001 mit dem Musikpreis des Kantons Solothurn ausgezeichnet wurde. Oder wenn man an ein physisch bleibendes Vermächtnis denkt; nämlich die vier CDs, die in diesen 25 Jahren produziert worden sind. Während auf diesen Alben vor allem weltliche und sakrale Klassik zu hören ist, bewiesen «CoroDonne» ihre Vielseitigkeit, wenn sie Ausflüge ins volkstümliche Genre unternahmen oder mit «Love me Tender» Elvis Presley huldigten.

Viele Generationen, ein Chor

Viele Gesichter, die in den Chorreihen bereits im Januar 1989 zu sehen waren, konnte man auch am vergangenen Sonntag noch erspähen. «Neben einzelnen Fluktuationen sind viele seit Anfang dabei.» Die Altersspanne bei «CoroDonne» beträgt rund 30 Jahre, «doch wirklich gemerkt hat man es nie, dass unsere Formation mehrere Generationen umfasst.» Es sind dies gebildete Stimmen, die oft auch bei der Pianistin Vonlanthen und der Stimmbildnerin Koelz den Unterricht besuchten. «‹CoroDonne› sind alles engagierte Frauen», betont Vonlanthen. So nahmen die Frauen teilweise von ausserhalb der Region den weiten Weg ins Probezimmer der Pädagogischen Hochschule Solothurn auf sich. Je nach Projektstand waren dies bis zu zwei Proben pro Woche. Oder sie fanden zu den alljährlichen Singtagen zusammen, fünf Tage, in denen man wegfuhr und probte. «Diese Probetage verliefen immer ohne Konflikte, ohne Intrigen, ohne Konkurrenzdenken.»

Umso naheliegender, dass der Abschied am Sonntag der einen oder anderen Sängerin dieser zusammengeschweissten Truppe nicht leichtgefallen sein dürfte. Deshalb hat Vonlanthen den Entscheid schon vor einem Jahr intern mitgeteilt. Dafür sei in den letzten Wochen von den Chorfans die Frage aufgetaucht, wieso sich die Formation eigentlich auflöse. «Es ist erfüllt», antwortet Vonlanthen sibyllinisch und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Sir Alex Ferguson, der knapp 27 Jahre bei Manchester United spielte, haben wir nicht getoppt.» Sie ergänzt: «Und ja, Fussball war unter den Chorfrauen tatsächlich oft das Pausengespräch ...»