Solothurn
Coop verwirft Pläne für das grosse Einkaufszentrum auf dem Kofmehl-Areal

Coop verfolgt den Bau eines 7000 Quadratmeter grossen Einkaufszentrums auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal in Solothurn nicht mehr weiter. Stattdessen sieht die Detailhändlerin am gleichen Standort Potenzial für ein redimensioniertes Projekt.

Andreas Kaufmann und Wolfgang Wagmann
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So sieht es im Februar 2018 auf dem Kofmehl-Areal aus
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Wie lange noch gähnende Leere auf dem Kofmehl-Areal herrscht, bleibt ungewiss
Einsprachen haben verhindert, dass die Pläne für ein 7000m2 grosses Einkaufszentrum in den letzten 10 Jahren nicht realisiert werden.
Grundstückeigentümerin ist die Marti AG

So sieht es im Februar 2018 auf dem Kofmehl-Areal aus

Hanspeter Bärtschi

Die Leere auf dem Kofmehl-Areal gähnt seit nun 14 Jahren als Symbol vor allem für eines: Stillstand. Stehengeblieben sind aber auch die Pläne, die auf der Brache bei der Westumfahrung hätten realisiert werden sollen. Hätten – denn für die vor elf Jahren präsentierten Pläne für ein Coop-Einkaufszentrum mit 7000 Quadratmeter Fläche wurde kein Stein auf den anderen gelegt. Und wie Coop am Freitag in einer Medienmitteilung bekannt gab, wirds vorerst auch nicht dazu kommen.

Karin Kälin, Mediensprecherin der Coop-Verkaufsregion Bern, informierte, dass die Pläne für ein Einkaufszentrum auf zwei Geschossen nicht weiterverfolgt werden. Den Entscheid habe man auch den Verantwortlichen der Stadtverwaltung sowie der Grundeigentümerin, namentlich der Marti AG Solothurn, kommuniziert.

Nun heisst dies nicht, dass man das Interesse am Standort verloren habe. Stattdessen sehe man am gleichen Standort Potenzial für ein redimensioniertes Projekt. Will heissen: Statt eines grossen Einkaufszentrums könne man sich durchaus ein kleineres Projekt mit einem Lebensmittel-Supermarkt auf einer Verkaufsfläche von rund 3000 Quadratmetern vorstellen. Für die im bewilligten Gestaltungsplan übrig bleibenden Flächen sucht die Marti AG nun neue Mieter, Investoren oder Betreiber. Auch eine komplett neue Planung sei nicht auszuschliessen.

So hätte das geplante Coop-Center aussehen sollen. Blick von Westen auf die geplante Mall des Coop-Einkaufscenters auf dem Kofmehlareal (Richtprojekt).

So hätte das geplante Coop-Center aussehen sollen. Blick von Westen auf die geplante Mall des Coop-Einkaufscenters auf dem Kofmehlareal (Richtprojekt).

zvg/Frey Architekten

Marktwandel als Grund

Als Grund für den «Übungsabbruch» nennt Coop Marktveränderungen während des vergangenen Jahrzehnts: «Der Schweizer Detailhandel und das Einkaufsverhalten haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Deshalb entspricht das Vorhaben nicht mehr den aktuellen Kundenbedürfnissen.» Dabei schweigt sich Coop in der offiziellen Mitteilung über jene Faktoren aus, die den Planungsprozess bis heute ausgebremst haben.

Die Marti AG Solothurn als Landbesitzerin spricht in einer eigenen Medienmitteilung von einer «langjährigen Planungsphase» und von «fast zehnjährigen Rechtsstreitigkeiten vor den Gerichten».

Der Solothurner Anwalt Theo Strausak, der die Coop-Interessen über all die Jahre vertreten hat, beurteilt den Entscheid des Grossverteilers, der übrigens schon im Oktober gefallen war, weniger als Resignation vor dem hartnäckigen Einsprecher. «Der Bedarf an Geschäftsfläche hat sich im Detailhandel markant verringert», sieht auch er den Hauptgrund für den Rückzug.

Über Jahre juristische Kämpfe

Doch von welchen Rechtsstreitigkeiten ist die Rede? Konkret war es der Widerstand der Anwohner, insbesondere eines Einsprechers: Vor acht Jahren schaffte es Hans Andreas Bühlmann, den Gestaltungsplan zum Projekt bis vor Bundesgericht – und dort zu Fall zu bringen. Er hatte beanstandet, das Projekt sei nicht im kantonalen Richtplan enthalten. Nach dem behobenen Mangel kämpfte der Einsprecher mit einem umfangreichen materiellen Mängelkatalog weiter, der mitunter die schon heute kritische Verkehrsbelastung am Knoten Allmend und beim Jumbo-Kreisel monierte.

zvg

Ein Thema seiner Beanstandungen war auch die Gebäudehöhe des geplanten Einkaufszentrums. Damit preschte Bühlmann bis vor Bundesgericht, scheiterte dort dann aber vor gut einem Jahr. Mit der Freigabe für den Gestaltungsplan wäre der Weg frei für das Baubewilligungsverfahren. Doch für Coop ist zu viel Zeit verstrichen, seit erste Bauprofile vor zehn Jahren dort in die Höhe ragten.

Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn 1981 war der Schrottplatz der Otto Kofmehl AG noch in Betrieb
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Das Kofmehl-Areal 1981
Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn
Das alte Kofmehl und der Bürorakt von Hansruedi Bader vor dem Abbruch 2004
Die Kofmehl-Leute verabschiden sich im Frühling 2004 von ihrer alten Kulturfabrik
Das Areal 2006 nach dem Abbruch der Gebäude
Im Juni 2008 ist der geplante Coop-Center profiliert
Das Areal im Januar 2009
Im Juni 2012 erweckte eine Baubaracke den Eindruck, das hier wohl bald etwas passiere
Ringsum geht es vorwärts, doch auf dem Kofmehl-Areal scheint die Zeit still zu stehen
Sogar der Himmel scheint heute auf dem Areal Trübsal zu blasen

Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn 1981 war der Schrottplatz der Otto Kofmehl AG noch in Betrieb

Alois Winiger

(23.2.2018)