Nein, die Journalistin hat keinen Abstecher nach Mailand gemacht. Was hier nach Fashion Week aussieht, hat sich am Sonntag in Solothurn abgespielt und trägt den Namen «(H)Aarewelle».

Das Lehrlingsfrisieren jährte sich heuer zum 45. Mal und durfte mit fast 80 Lernenden wieder eine Vielzahl an kreativen Köpfen präsentieren. Der Anlass sei Bestandteil der Lehre, so Peter Kräuchi, Organisator und ehemaliger Inhaber von Intercoiffeur Kräuchi. «Er soll aber keinen Prüfungscharakter haben.» Stattdessen stehe die Kreativität im Vordergrund.

Los geht's mit «Brushing»

Gerade mal acht Monate arbeiten die Jüngsten in ihren Salons, wenn sie zum ersten Mal an der «(H)Aarewelle» teilnehmen. Dort wird von ihnen bereits ein professionelles und kreatives «Brushing», sprich Föhnen unter Zuhilfenahme einer Rundbürste, verlangt.

Als es Punkt 11 Uhr losgeht, sehen die Zuschauer nur noch konzentrierte Gesichter und flinke Hände, die die nassen, herunterhängenden Haare der Modelle in Form bringen. Was die Lehrlinge in der darauffolgenden Dreiviertelstunde hervorzaubern, reicht von alltagstauglich über elegant bis aussergewöhnlich.

Bewertet werden die Werke im Anschluss von einer unabhängigen Jury. «Die Juroren kommen aus anderen Kantonen, damit Vetternwirtschaft vorgebeugt werden kann», erklärt Kräuchi.

Trotz Stress grossen Spass

Nach erfolgreich überstandenem «Brushing» unterhalten sich in der Vorhalle Dudije Demaj (Stile Libero Solothurn) und ihr Modell Angela Di Biaggio. «Es war so genial!», schwärmt die angehende Coiffeuse.

Trotz Stress sei es «mega lustig» gewesen. Auch Jessica Fritsch (Coiffeur Bonschur Erlinsbach) wirkt glücklich. «Ich war sehr nervös, es war aber eine gute Erfahrung.» Dem Zeitdruck begegnete sie, wie auch Demaj, mit viel Übung. Den Fortschritt habe man in den letzten Monaten daher gut sehen können, so ihr Modell, Claudia Gestendörfer.

Von den Lernenden wird stufenweise mehr verlangt. So müssen jene im zweiten Lehrjahr bereits zeigen, dass sie neben dem «Brushing» auch das Schneiden im Griff haben. Praktisch, wenn man ein Modell hat, das häufig beim Coiffeur anzutreffen ist.

Ein halbes Jahr lang hat David Clark - einer der wenigen männlichen Lernenden - die regulären Termine seines Modells, Simone Tassone, genutzt, um dessen ausgefallene Frisur zu üben.

Die zahlreich erschienenen Zuschauer kommen bereits Mitte Nachmittag in den Genuss einer ersten Präsentation der Frisuren. Dies, wie es sich für einen solchen Anlass gehört: Die Lernenden dürfen sich mit ihren Modellen auf dem Laufsteg zeigen. Dabei fehlen auch Jubel und Blitzgewitter nicht.

Das Gesamtkonzept muss schliesslich bei den ältesten Teilnehmern stimmen. Denn neben der Frisur werden hier auch Outfit und Make-Up bewertet. Eine gute Gelegenheit, bereits für die eigene Hochzeit zu proben, dachte sich wohl Nevena Radonjic.

In einem weissen Brautkleid lässt sie sich von Janine Donauer schminken und frisieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe? «Ja, jetzt muss man schon zeigen, was man kann», so Donauer.