Die Rauch- und Dampfschwaden des Grills gleissen in der herbstlichen Abendsonne. Der Duft der Hamburger lockt die mehreren hundert Zuschauer weg von den drei gleichzeitig ausgetragenen Meisterschaftsspielen im Mittleren Brühl hin zum Klubhaus des Centro Italiano Sportivo, kurz CIS Solettese.

Die Ausländervereine haben sich an diesem wunderbar milden Sonntag auf einen Kompromiss geeinigt: Die Albaner braten das Fleisch, die Italiener verkaufen die Getränke dazu. «Wir verstehen uns gut mit Solettese», sagt Hasan Kuci, der als Präsident des albanischen Vereins Iliria selber hinter dem Grill hilft. «Eine Hand wäscht die andere», ergänzt Luigi Galante, und verkauft eine weitere Flasche Bier für Solettese.

Vorwürfe ans Stadtbauamt

Aber ein wenig Nostalgie schwingt in dieser Kleinstadtidylle mit. Vermutlich ist jetzt Schluss mit dieser Gemütlichkeit. Das Stadtbauamt hat entschieden, dass die Tage der in die Jahre gekommenen Baracke gezählt sind. Hier sollen die neuen Kabinen und der neue Schwingerraum hinkommen. Ersatz für das Solettese-Beizli ist nicht vorgesehen. Dafür bekommen die Schwinger ein Klublokal. 

«Auf dem Stadtbauamt arbeiten wohl nur Auswärtige», sagt Giovanni, Stammgast an einem der blauen Tische. Der Nachname tue nichts zur Sache, «hier sind wir alle per Du», meint er mit hartem italienischem Akzent. «Die haben hier noch nie einem Match geschaut. Die wissen gar nicht, was hier passiert. Die denken, dass mit neuen Kabinen alle Probleme gelöst sind. Aber was Solettese ausmacht, ist nicht nur der Fussball, sondern das Zusammensein. Das Klubhaus ist die Seele unseres Vereins.»

Vereinsexistenz gefährdet

«Wir haben grundsätzlich kein Problem damit, dass der Schwingklub hier ein Lokal bekommt», sagt Lorenzo Aliano, der sich seit vielen Jahren als Aktuar für CIS Solettese einsetzt und bei den Senioren spielt. «Unser Problem ist, dass man unser Klublokal ersatzlos streicht und wir erst im letzten Moment davon erfahren, wenn die Pläne eigentlich schon fertig sind.»

40 Jahren habe Solettese die Baracke gepachtet gehabt. «Ohne das Restaurant ist der Verein in seiner Existenz gefährdet», sagt Aliano. Kommt dazu, dass die Familie, die das Beizli betreibt, nun ein wichtiges finanzielles Standbein verliert.

Skepsis herrscht

Das Echo bei den Ausländervereinen klingt überall etwa gleich. Die Sportkommission hört nur auf Blustavia und vielleicht noch ein wenig auf Post. Blustavia als grösster Verein auf dem Mittleren Brühl verfüge über die entscheidenden Kontakte in der Politik.

Die Ausländervereine werden dagegen gar nicht gehört. Der vor kurzem aufgetauchte Vorschlag, dass für alle fünf Ausländervereine zusammen ein Restaurant oben auf den Bau der Schwinger draufgesetzt werden könnte, stösst auf Skepsis. Türkischer SC, HNK Croatia, FK Bratstvo, CIS Solettese und FC Iliria – so viele unterschiedliche Interessen seien fast nicht unter einen Hut zu bringen.

Erwarten keine Geschenke

Während Solettese die Pacht gekündigt wird, können Post und Blustavia ihre Klubhäuser behalten, weil diese beiden Baracken im Baurecht aufgestellt wurden und den Vereinen gehören. Ein Klubbeizli im Baurecht aufzustellen, das könnte sich auch Hasan Kuci vorstellen. «Wir möchten nur wie jeder andere Solothurner Verein behandelt werden», sagt der Präsident des FC Iliria.

«Wir sind mittlerweile der zweitgrösste Verein und wir betreiben eine rasch wachsende Nachwuchsförderung. Sehen Sie, da drüben sind etwa 400 Zuschauer an unser Spiel gegen Bellach gekommen.

Auch wir möchten gerne ein eigenes Klublokal, so wie die Schwinger jetzt eines bekommen werden.» Kuci ist es ein grosses Anliegen, dass sein Verein etwas zur Verbesserung des Ansehens der Albaner beitragen kann. Der FC Iliria erwarte keine Geschenke, sondern sei bereit, seinen Beitrag zu leisten. «Unsere Fairplay-Bilanz auf dem Platz ist ausgezeichnet und auch neben dem Platz sind wir immer für eine Zusammenarbeit zu haben. Wir suchen das konstruktive Gespräch.»