Gut möglich, dass die Umkleidekabinen in nächster Zeit dreckig sind, wenn die Berufsschüler aus dem kantonalen BBZ im Sportcenter CIS zu ihren Turnlektionen antreten werden. Das zuständige Putzinstitut hat per eingeschriebenem Brief der CIS Solothurn AG mitgeteilt, dass Reinigungsarbeiten nicht mehr ausgeführt werden können, solange überfällige Rechnungen nicht bezahlt werden. Dem CIS scheint das Geld auszugehen, denn weitere Dienstleister – wie zum Beispiel ein Bodenleger – warten seit Monaten darauf, dass ihre Rechnungen beglichen werden.

«Die Rechnung für Mai wurde noch bezahlt, seither habe ich nichts mehr gehört. Auch auf meinen eingeschriebenen Brief gab es keine Reaktion», sagt Thomas Büschi, Inhaber des Putzinstituts Aristo Clean. Solche Ausstände seien für sein kleines Unternehmen nicht einfach zu bewältigen. «Wenn mir entweder die Stadt oder der Kanton die Zahlung der Rechnungen garantieren könnte, würden wir die Arbeit im CIS sofort wieder aufnehmen, aber gratis zu arbeiten, das können wir uns nicht leisten.» Stefan Blaser, CEO eines Bauunternehmens und Präsident der Solothurner Handballer, gehört zu den heftigsten Kritikern der Zustände im CIS. Er ist empört: «Diese die Leute haben alle einen tollen Job gemacht und es darf nicht sein, dass sie den verdienten Lohn für ihre Arbeit nicht bekommen.» 

Heute Donnerstag empfängt der TV Solothurn um 20.15 Uhr im Schweizer Cup den TV Endingen, das Spitzenteam aus der Nati A. Nun überlegen sich die Handballer, ob sie selber noch kurzfristig eine Reinigung der Halle organisieren sollen, damit der grosse Höhepunkt dieser Saison nicht zu einer peinlichen Blamage wird.

Kündigungswelle geht weiter

Im CIS zu arbeiten, das scheint keinen Spass zu machen. Ende Juni war Marcel Weidmann Hals über Kopf als Geschäftsführer zurückgetreten. Mittlerweile hat auch der Abwart gekündigt. «Ich habe aber meinen Lohn bisher immer pünktlich erhalten, das ist nicht der Grund», sagt Beat Moser. Er sei einfach nicht mehr glücklich im CIS und habe sich deshalb nach einer neuen Aufgabe umgeschaut und etwas Besseres gefunden.

Als neuer Geschäftsführer wurde Anfang Juli Raphael Helfrich eingesetzt. Am Montag versprach er per Mail, am Dienstag nach der Sitzung mit dem Verwaltungsrat gebe es Neuigkeiten zu den Vorwürfen zu kommunizieren. «Ich trete Ende Monat als Geschäftsführer ab», sagte Helfrich dann am Dienstag kurz nach dieser ominösen Sitzung. Grund: Neben seinem derzeitigen Uni-Abschluss sei der Aufwand zu gross geworden, insbesondere, da in der Geschäftsführung gerade jetzt ein 150-Prozent-Einsatz vonnöten sei. Immerhin, für die Handballer hatte er positive Nachrichten: «Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass in der Halle für dieses wichtige Spiel alles perfekt hergerichtet ist.» Zudem bleibe er bis und mit September als Ansprechperson präsent. Und: Auch ausstehende Mitarbeiterlöhne werden laut Helfrich noch ausbezahlt.

Dennoch: Das CIS ist und bleibt das Sorgenkind der Stadt. Dass die Besitzerin des Baurechts die Hallen seit Jahren den Unterhalt vernachlässigt und die mit der Stadt vereinbarten Abmachungen nicht einhält, war im vergangenen Wahlkampf um das Stadtpräsidium das wohl am hitzigsten diskutierte Thema. Dass nun das CIS die Rechnungen nicht mehr bezahlt, ist eine neue Stufe der Eskalation. Im Namen der Stadtverwaltung nimmt Christine Krattiger als Leiterin des Rechtsdienstes Stellung: «Die Stadt geht immer noch davon aus, dass die CIS Solothurn AG ihre Verantwortung wahrnimmt und den Baurechtsvertrag erfüllt», sagt die Juristin. Dies sei am 27. Juni anlässlich einer Sitzung so zugesagt worden. Stadtpräsident Kurt Fluri äussert sich aber auch zum Worst Case einer Schliessung: «Wir wären auf jeden Fall um einen Weiterbetrieb bemüht, wenn der Schlüssel gedreht wird.»

Auch seitens Berufsschul-Turnen wurden Gedanken zu diesem Szenario angestellt. «Das Putzen, das wir über Nebenkosten bezahlen, könnten wir selbst organisieren», so Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli. Auch das Ausweichen in andere Anlagen oder das Errichten einer Traglufthalle stellt er als Optionen in Aussicht – falls man gar nicht mehr ins CIS reinkäme.

Mysteriöser Verwaltungsrat

Die CIS Solothurn AG gehört seit 2010 der im Berner Oberland beheimateten Dinett Holding AG. Ein klärendes Statement der Firma war trotz intensiver Bemühungen nicht möglich. Ein Anruf beim Hauptsitz der Dinett AG in Gunten wird durch den Computer der Swisscom beantwortet: «Diese Nummer ist ungültig.»

Zur angegebenen Adresse einer Niederlassung in Thun existiert kein Telefonbucheintrag. Verwaltungspräsident Antoine Bonvin war nicht erreichbar. Immerhin kann Helfrich die kursierenden Gerüchte dementieren, der Verwaltungsratspräsident der Dinett AG sitze in Frankreich wegen Wirtschaftsdelikten im Untersuchungsgefängnis. Helfrich bestätigt, Bonvin vor kurzem persönlich getroffen zu haben.