Von Longines, Tissot, Omega, Piaget, über Tag Heuer, Hublot bis hin zu IWC und Cartier: An der Baselworld sind alle renommierten Uhrenhersteller vertreten. Aber nicht nur. Im Schatten der Weltmarken nutzen auch kleinere, unbekanntere Uhrenfabrikanten den Auftritt in der weltweit wichtigsten Branchenmesse. «Wir sind seit der Firmengründung 1982 jedes Jahr in Basel dabei», sagt Markus Ingold. Er leitet zusammen mit seinem Bruder Stephan Ingold den Solothurner Familienbetrieb in zweiter Generation. Die Teilnahme sei fast «eine Pflicht».

Das Stelldichein der gesamten Branche ermögliche den direkten Kontakt mit bestehenden und potenziellen Kunden, ergänzt Stephan Ingold. Beim Präsentieren geht es letztlich um handfeste kommerzielle Interessen. «Wir können in Basel jedes Jahr rund zehn Prozent des Jahresumsatzes direkt generieren», rechnet Markus Ingold vor. Hinzu kämen in den Wochen nach der Masse viele Anschlussaufträge. Er ist als Kaufmann für die Geschäftsleitung und die Finanzen zuständig, sein Bruder Stephan ist Grafiker und eigentlich die hauseigene Designabteilung. Er ist nicht nur für die Werbekampagnen zuständig, er entwirft auch sämtliche Uhrendesigns.

Kunden suchen Überraschungen

Nicht nur die Teilnahme sei ein «Must», sondern auch das Präsentieren von Innovationen und neuer Uhrenlinien. «Entscheidend ist es, die Kunden überraschen zu können», betont Stephan Ingold. Das gelte insbesondere für die beiden Eigenmarken «Cover» und «Swiss Military». Als offizieller Lizenznehmer der Eidgenossenschaft könne Chrono seit zwei Jahren mit dem Brand «Swiss Military» auftreten. So werden die Solothurner zahlreiche neue Uhrenlinien und Special Editions im Gepäck mitführen. Der Messeauftritt sei nicht nur mit hohem Personalaufwand verbunden, sondern auch die Infrastruktur sei nicht günstig. «Der Auftritt kostet rund 500'000 Franken», so Markus Ingold. Aber unter dem Strich lohne sich der Aufwand.

Die Chrono AG – untergebracht in der komplett umgebauten und renovierten Liegenschaft der ehemaligen Uhrmacherschule in Solothurn – ist in zwei Bereichen tätig. Das Geschäft mit Private-Label-Uhren steuert zwischen 25 und 35 Prozent an den Gesamtumsatz bei. Diesen gibt der Familienbetrieb nicht bekannt. Chrono gestaltet und produziert Zeitmesser als Werbeträger für Firmen und Markenprodukte. Die Gestaltung der Zifferblätter erfolgt in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kunden. Jährlich verkauft Chrono rund 70'000 Private-Label-Uhren.

Mit zwei Eigenmarken auf dem Markt

Ein Kunststück gelang der kleinen Uhrenfirma mit den Eigenmarken «Cover» und «Swiss Military». Obwohl im mittleren Preissegment ein harter Verdrängungskampf herrscht, konnten die Marken ab Mitte der 90er Jahre erfolgreich lanciert werden, wie sich Markus Ingold erinnert. Heute verkauft Chrono rund 130'000 Uhren der beiden Eigenmarken, welche zu 90 Prozent mit Quarz- und zu 10 Prozent mit mechanischen Uhrwerken der Marken Ronda und Eta ausgerüstet sind. Der wichtigste Einzelmarkt ist die Schweiz, gefolgt von Osteuropa, Mittlerer Osten und Asien. Insgesamt sind die Zeitmesser in über 40 Ländern erhältlich.

Mit der diesjährigen Baselworld sind besonders viele Hoffnungen verbunden. Denn die Schweizer Uhrenindustrie leidet massiv unter Absatzschwierigkeiten, vorab in Asien. Seit 20 Monaten entwickeln sich die Uhrenexporte rückläufig – und zwar nicht in homöopathischen Dosen, sondern meistens zweistellig.

Da hat sich Chrono vergleichsweise gut halten können. «Wir mussten 2016 einen Umsatzrückgang von etwa drei Prozent hinnehmen», so Markus Ingold. Man sei nicht so stark wie andere auf den Absatzmarkt Asien ausgerichtet. Angesichts des anhaltenden Abschwungs budgetieren die Solothurner vorsichtig. «Unser Ziel ist es, das Vorjahresniveau halten zu können. Das wäre schon ein Erfolg.»

Unglücklich mit «Swiss Made»

Nach wie vor nicht glücklich sind die beiden Unternehmer über die verschärften Swissness-Regeln, um eine Uhr unter dem Label «Swiss Made» verkaufen zu können. Man setze aber alles daran, die neuen Regeln einzuhalten. «Für uns ist das Label Swiss Made überlebenswichtig, ansonsten können wir nach Hongkong zügeln», sagt Stephan Ingold. Dazu kaufe man vermehrt Uhrenteile wie Zeiger, Kronen oder Gehäuse in der Schweiz ein. Die Folge: Die Ab-Werk-Preise steigen um rund 20 Prozent. Trotz einer Margenreduktion würden auch die Endverkaufspreise höher.

An der Baselworld werde sich nun zeigen, ob das vom Markt akzeptiert werde. «Wie sich die neuen Swissness-Regeln tatsächlich auswirken werden, kann erst in zwei Jahren schlüssig beurteilt werden.» Eine Auslagerung der Montage an kostengünstigere Standorte im Ausland sei nie ein Thema gewesen. Im Gegenteil. Man habe innert zwei Jahren in Solothurn rund 10 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Belegschaft zählt heute 50 Mitarbeitende. «Wir haben den Anteil der inhouse montierten Uhren von 30 auf 50 Prozent erhöht und die Qualitätskontrolle ausgebaut.» Zuvor liess Chrono rund 70 Prozent der Zeitmesser in externen Ateliers im Raum Solothurn zusammenbauen.

Die Firmeninhaber sowie das Chrono-Verkaufsteam sind bereit für die Baselworld. Die Vorbereitungsarbeiten seien abgeschlossen, der Stand aufgebaut. Obschon seit Jahren dabei und obwohl die Branche leidet, freuen sich die Uhrenpatrons. «Es macht Spass, dabei zu sein.»