Album
Christine Haslers Album: «Ein Klang, der versucht, Pop zu sein»

Nach langen Wanderjahren ist das Debütalbum der Heimwehsolothurnerin Christine Hasler und ihrer Band fertig.

Andreas Kaufmann
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"Lia Sells Fish" (Christine Hasler)

"Lia Sells Fish" (Christine Hasler)

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Es waren ergiebige musikalische Wanderjahre. Und doch war nicht weniger als eine Dekade nötig, damit das Debütalbum von Christine Hasler zur «Pressreife» gelangte. «Nun befinden wir uns im Schlussspurt», kündigt die 31-jährige Heimweh-Solothurnerin an, die seit neun Jahren in Bern lebt und sich nun auf ihr Sammelwerk freut.

Viel Experimentierfreude

Im April erscheint auf Vinyl und in den digitalen Stores ihr Album, die denselben Titel trägt, wie sie sich selbst als Musikerin nennt: «Lia Sells Fish». Haslers dunkle, warme Stimme und der von Vielseitigkeit strotzende Bandsound ist von einer Geräuschkulisse hinterlegt, die der Verspieltheit und Experimentierfreude der Gruppe zu verdanken ist. Hier ein kratzendes Käsemesser, da ein pfeifendes Plastikrohr, dann bimmelnde Kuhglocken – «cineastischer hochhackiger Antipop», so nennt Hasler den Sound, der in seiner Vielseitigkeit eigentlich kein Etikett – oder dann sehr viele verpasst bekommen sollte.

Oder wie Hasler sagt: «Ein Klang, der versucht, Pop zu sein, es aber nie ganz schafft, Pop zu werden.» Eckig und kantig, das darf der Sound sein, der von «Lia Sells Fish» kommt. «In jedem der zwölf Stücke hat es ein Element, das nervt, zu laut oder zu leise ist.» Das Unberechenbare im Moment ist, was sie reizt.

Auf Umwegen zum Album

«Die Zeit war lange nicht reif, um das Album zu produzieren», erinnert sich Christine Hasler heute. Sie erzählt, bereits in ihren früheren Zwanzigern von Scouts angequatscht worden zu sein, die sie gesanglich fördern wollten. «Damals wusste ich noch nicht, wo ich bin.» Und: «Manchmal hat die musikalische Zusammenarbeit mit anderen ‹eifach mönschlich nid giiget.›

So hat Hasler letztlich andere Wege eingeschlagen und sich während und nach ihrem Studium in Musik, Medienkunst und Performancekunst an der Hochschule der Künste Bern mitunter mit Kompositionen und Aufführungen im Rahmen von Theaterprojekten über Wasser gehalten. Vor allem am Schlachthaustheater in Bern hat sie musikalisch ihre Spuren hinterlassen – neben weiteren Engagements, unter anderem am Staatstheater in Nürnberg.

Finish in der Alphütte

Schlagzeuger Beni Bucher und Bassist Sam Brookes, zwei Musiker, mit denen Hasler viele Wegstunden zurückgelegt hatte, motivierten sie schliesslich dazu, ihr Oeuvre endlich auf Platte zu verdichten. Auch Stefan Schischkanov und Stefan Oppliger (beide Gitarre) ermutigten sie dazu. Und damit war auch die Band entstanden, die heute unter dem Namen «Lia Sells Fish» unterwegs ist. Rund zwei Stunden Material wurden weiterverarbeitet. Vor gut einem Jahr ging Hasler zusammen mit diesen vier Musikern im Studio, um das «Gerüst» für die einzelnen Stücke zu schaffen.

Fertig aufgenommen wurde im vergangenen Mai in einer Alphütte während rund sechs Tagen – umgeben von besagter Geräuschkulisse, die es ebenfalls aufs Album schaffte. Nun neigen sich die Arbeiten fürs Album dem Ende entgegen, Feinschliff und je länger je mehr Papierarbeiten: «ein richtiger Bürokratietrip, wenn man eine Platte als Eigenproduktion ohne Label dahinter machen will», sagt Hasler und blickt zurück: «Das Projekt erforderte eine Rieseninvestition – an Zeit, an Geld und vor allem an Menschen, die mithelfen.» Sie freut sich vor allem, «dass wir nun wirklich eine Band sind, und nicht einfach nur ein Soloprojekt mit Mitmusikern.»

Von der «Miuch» zur «Müuch»

Dass im Werk von Christine Hasler auch viel Melancholie schwingt, führt sie auf ihre neblige Heimat zurück: die Region Solothurn. Aufgewachsen in Halten, später in Luterbach zuhause besuchte sie später die Kanti, womit Solothurn zu ihrem Lebensmittelpunkt wurde. Und wenngleich auch die Presse ihres heutigen Wohnorts sie gerne und oft als Berner Musikerin bezeichnet: Sobald es in der RBS «heimwärts» geht, dann ist die Fahrtrichtung Solothurn gemeint.

Nahtlos switcht sie unterwegs den Dialekt von «Miuch» auf «Müuch». Ihre Bezüge zur Region spiegeln sich auch in ihren Projekten wider: Bis vor fünf Jahren war sie Teil der als Familienprojekt gegründeten Schnitzelbankgruppe Rampesöi, «eine coole Zeit», sagt sie, bei der sie viel über Bühnenpräsenz gelernt habe.

Wenn Heimweh sie packt

Und noch heute arbeitet sie als Canva-Saalverantwortliche an den Filmtagen mit. «Das sind dann die Momente, wo ich merke, dass ich eigentlich Heimweh hätte. Solothurn hat mich geprägt.» Der Bezug zur Heimat kommt zudem in ihrem nächsten Projekt zum Vorschein, das im September bühnenreif sein soll. Zusammen mit ihrer Schwester vearbeitet Hasler die Tagebücher ihres Grossvaters zu einem Theaterstück. In szenischen Fragmenten wurde es bereits aufgeführt. Haslers Grossvater war lange Jahre im Stahlwerk Gerlafingen tätig.
Doch der nächste der vielen Termine, die Hasler vor Augen hat, ist das Albumrelease am 18. April, verbunden mit einer Plattentaufe im Rössli Bern.