In meinem Leben in Solothurn habe ich schon vieles kommen und gehen sehen. Immer wieder probiere ich, die Balance zwischen dem Erfreulichen und dem weniger Genehmen zu finden.

Oder mit den Worten des Altmeisters Huang-Po: Gestatte den Ereignissen des Alltages nicht, dich zu erdrücken, aber entziehe dich ihnen auch nicht.

Und dass mir kein Missverständnis aufkommt: Ich liebe dieses Städtchen! Vor allem im Sommer und wenn ich gut drauf bin.

Ohne Übertreibung darf ich sagen, dass ich an einem wunderschönen Ort wohne. Solothurn ist umgeben vom Jura, von gesunden Wäldern und prachtvoller Natur. Wir haben es gut.

Wunderbare Restaurants, eine Zentralbibliothek, die St.-Ursen-Kathedrale, Solothurner Kuchen, das Buchhaus Lüthy, die Verenaschucht, den Weissenstein, das Kunstmuseum, gute Schulen und Lehrkräfte, Solothurner Film- und Literaturtage, über hundert Arztpraxen, freundliche Verkäuferinnen, coole Polizisten und die grossartige Kulturfabrik Kofmehl. Das alles hilft einem über das oft etwas raue Wetter hinweg.

Uns Krokusmusiker hat dieses Solothurn immer zu einem Gegenentwurf gezwungen. Hier wird dir nix geschenkt, Blumen gibt's keine und Missgunst muss man sich hart erarbeiten.

In diesem Neid- und Nebelklima gedeihen eine gewisse Dringlichkeit und gute Songs. Ich werde also noch etwas bleiben.

Natürlich will ich auch meine Tochter auf- und in diese Welt hineinwachsen sehen. Vieles ist ihr und mir hier vertraut und ans Herz gewachsen.

Die Strassen und Bäume, die Aare, Häuser und gewisse Menschen haben ihre Geschichten. Unsere Wurzeln sind hier.

Kommen wir zu den weniger erfreulichen Seiten. Wie so oft hat das mit Politik zu tun. Nicht nur, dass Solothurn weiss Gott kein Steuerparadies ist und immer wieder rote Zahlen schreibt; es würde auch wirklich langsam Zeit, dass sich in der Führung dieses schönen Barockstädtchen etwas tut.

Bei allem Respekt vor dem Geleisteten: Unser Oberindianer Kurt Fluri sollte langsam die Stadtschlüssel einer jungen, frischen Kraft übergeben.

Ich will hier nicht von all seinen fragwürdigen Nebenämtern oder der unverschämten Lohnerhöhung seiner Verwaltungsleiter sprechen, nein, ich finde es schlicht ungesund, wenn ein Stadtpräsident bald ein Vierteljahrhundert an diesem Amt klebt.

Es muss sich da im Sinn einer gesunden Weiterentwicklung etwas verändern. Das bedingt aber auch, dass die Wähler das checken und dass sich würdige und fähige Nachfolger-/innen endlich mal zeigen, hinstehen und für diesen Job kämpfen. Es reicht nicht, sich mit der Faust im Sack zu verstecken und nur zu motzen.

Ich glaube, es lässt sich trotz der Botschaft im Solothurner Lied «S isch immer eso gsi, s isch immer eso gsi...» ein bisschen etwas ändern hier. Dieser Flecken und seine Menschen hätten es verdient und ich bin sicher, die beste Zeit steht Solothurn noch bevor.

Doch zuerst wird es etwas härter werden - doch das sind wir uns gewohnt. Wir ähneln allesamt dem «Gjätt» in meinem Garten, das ich ausrupfen kann, soviel ich will... Ein paar Tage später grinst es mich erneut an und scheint zu säuseln: «Hallo Meister, hier bin ich wieder!»