Stagediving-Unfall
Chris von Rohr: «Das ist schon eine gewisse Fallhöhe von der Kofmehl-Bühne»

Ein 28-Jähriger stirbt nach dem Sprung ins Publikum. «Das ist einfach sinnlos», sagt der Solothurner Chris von Rohr von der Rockband Krokus. Er kennt die «Kofmehl»-Bühne gut und weiss: «Der Boden ist hart».

Lea Durrer
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Chris von Rohr: «Man muss schon von einer Gefahr ausgehen, sobald man das Haus verlässt.»

Chris von Rohr: «Man muss schon von einer Gefahr ausgehen, sobald man das Haus verlässt.»

zvg

Wie haben Sie vom tragischen Unfall erfahren?

Heute Morgen aus den News im Internet. Ich bin gerade am Mischen einer Live-CD, die Krokus im März herausbringt. Da war ich in letzter Zeit ein wenig abgeschnitten von der Welt.
Wie war Ihre Reaktion darauf?

Das ist natürlich traurig, ein Schock. Vor allem wenn es jemand Junges ist. Das ist einfach sinnlos.
Haben Sie schon einmal von einem ähnlichen Fall gehört?

Nein. Ich habe noch nie davon gehört. Bei uns läuft das anders, und wir haben eine nette Roadcrew, die die Bühnenstürmer zurück ins Publikum bringt. Ich kenne die Stagediving-Kultur zu wenig, um zu sagen, wie gross das Risiko ist, dass jemand stirbt. Normalerweise geht man davon aus, dass es genügend Leute im Publikum hat, die auffangen. Die Bühne ist noch weich, aber der Boden im «Kofmehl» hart.
Den Boden im «Kofmehl» kennen Sie ja auch sehr gut.

Ja genau, auch vom unten Stehen. Das ist schon eine gewisse Fallhöhe, die man da von der Bühne hat.
Welche Gefahr geht von Stagediving aus?

Man muss schon von einer Gefahr ausgehen, sobald man das Haus verlässt. Auch ein solcher Jump birgt immer ein Risiko. Wenn eine Konzerthalle voll ist, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als Stagediver aufzufangen. Ist dies nicht der Fall, geht man von einem gewissen Risiko aus. Vielleicht hatte auch nicht jeder «Bock», den Springenden aufzufangen, ich weiss es nicht. Oder die Leute haben nicht daran gedacht, was passieren könnte, wenn man ihn nicht auffängt.
Ist denn Stagediving bei Krokus ein Thema?

Nein. Bei den Hardrockern ist die Kultur anders gelagert, da wird mehr geheadbangt. Die Bühne bleibt die Spielwiese der Musiker. Wir feiern mit den von da aus, Fans Face-to-face, berühren vielleicht mal ein paar Hände und Haare der vordersten Partyanimals, oder man trifft sich danach.