«Wir wurden regelrecht überrannt. 40 Liter Suppe und 10 Kilo selbst gebackenes Brot gingen weg. Ja, ich musste sogar noch Suppe nachkochen.» Was Martin Blaser nicht stresst, sondern sichtlich freut. Auch Urs Bucher, der gute Geist im Kapuzinerkloster, ist begeistert, dass auf Anhieb 135 Personen den ersten Suppentag im Kloster besuchten, «sogar jetzt kommen noch Leute.»

Doch nun, um 13.30 Uhr, ist Aufräumen angesagt, doch der Kollektentopf ist gut gefüllt mit Nötli. «Wir sammeln an jedem Suppentag für einen guten Zweck. Diesmal für ein Gartenprojekt hier im Kloster des Schulhauses Hermesbühl», so Bucher. Dessen Schülerschaft die nahe Klosteranlage regelrecht entdeckt habe – wurden doch hier während des Turnhallen-Neubaus regelmässig Turnstunden abgehalten. «Und noch heute kommt die Schule ins Kloster, weil es hier spannender als in einer Turnhalle ist.»

Für alle offen

Martin Blaser ist in der Region kein Unbekannter. Er kochte, wirtete und vor allem buk schon in der Solothurner Badi, im «Lido» oder zuletzt im «Casablanca für seine Gäste. Nun führt der 59-Jährige die «ChloschterChuchi», ein Begriff, der leicht irreführend ist. Denn: «In der Klosterküche dürfen wir nicht kochen.» Die altehrwürdige Kapuzinerküche mit Guss-Herdplatten sieht zwar währschaft und eindrücklich aus, ist jedoch, seit 2003 die Mönche das Kloster verlassen haben, nicht mehr im Betrieb und für diesen zugelassen. 

So kocht Blaser als Übergangslösung in seiner Fertigungsküche in Lyssach und liefert mit dem Foodtruck der «ChloschterChuchi» an, bis dereinst das Projekt von Urs Bucher ins Rollen kommt und nach der Bereinigung der hängigen Einsprachen dessen Pläne umgesetzt werden können. Diese sehen die Beschäftigung von Asylsuchenden vor allem auch im Garten vor.

Das Kloster soll ein offenes Haus werden. Möglichst jetzt schon, wenn es nach Martin Blaser geht. «Mütter und Werktätige können hier eine Mittagspause einlegen und verweilen», meint er. Aber auch Anlässe mit Catering für bis zu 25 Personen seien durchaus möglich. «Das Kloster hat viel Potenzial», erklärt Blaser – auch während Grossanlässen wie den Film- oder Literaturtagen. «Aber einen Party-Tempel gibt es hier nicht.»

«Authentica» kommt nicht mehr

Auch die bisherigen Anlässe im Kloster sollen ihre Daseinsberechtigung behalten können, findet Urs Bucher. So will er sich im Februar mit den Organisatoren der beliebten Ausstellung Advent im Kloster treffen, um eine Fortsetzung im November zu diskutieren.

Bedauern wird jedoch spürbar, wenn die Rede auf die Frühlingsausstellung Authentica kommt. Offenbar gehen Urs Bucher und ein ehemaliger Mitorganisator neu getrennte Wege, sodass die «Authentica» künftig nicht mehr in Solothurn, sondern in «Ablegern» wie Appenzell geplant ist. Allerdings trägt man sich im Kapuzinerkloster mit Plänen für einen «Authentica»-Ersatz, die aber noch nicht spruchreif seien.

Eindrücke von der Authentica 2017 beim Solothurner Kapuzinerkloster

Eindrücke von der Authentica 2017 beim Solothurner Kapuzinerkloster

Fest steht aber: Wie stets am dritten Montag des Monats, also am 19. Februar, wird es im Kapuzinerkloster ab 11.30 Uhr wieder einen Suppentag geben.