Solothurn
Cartoonist mit Paris im Hinterkopf: «Werde nicht anders zeichnen als bisher»

Der Cartoonist Patrick Chappatte sprach in der Pädagogischen Hochschule Solothurn zu schwierigen Zeiten für seinen Beruf.

Katharina Arni-Howald
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Überraschend aktuell wirkt dieser Cartoon von Patrick Chappate vor den letzten Bundesratswahlen.

Überraschend aktuell wirkt dieser Cartoon von Patrick Chappate vor den letzten Bundesratswahlen.

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Das Thema ist hoch aktuell. Die Anschläge in Paris bringen nicht nur die Politik und die Gesellschaft dazu, das Wort zu ergreifen. Auch Satiriker und Pressezeichner müssen sich, wie auch der grausame Angriff auf das Pariser Büro der französischen Satirezeitung «Charlie Hebdo» bewies, Gedanken machen über die Meinungsäusserungsfreiheit und die Sicherheit von Leib und Leben.

Dass der Cercle Romand – langfristig geplant – just in dieser unsicheren Zeit den Karikaturisten Patrick Chappatte zu einem auf Französisch gehaltenen Vortragsabend eingeladen hatte, war ein Glücksfall. Rund 200 Besucher – darunter etliche Studenten – kamen in die Aula der Pädagogischen Hochschule, um den für die internationale «New York Times», die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» sowie die «NZZ am Sonntag» tätige Pressezeichner kennen zu lernen. Chappatte wurde als Sohn eines Schweizers und einer Libanesin geboren und wuchs in Singapur und in der Schweiz auf. Heute lebt er mit seiner Familie in Genf.

Paris wirft seine Schatten

Es war in erster Linie ein Tour d’Horizon durch die politische Schweiz, die er den Besuchern anhand seiner Illustrationen im wahrsten Sinn des Wortes vor die Augen hielt. Was sollen sie bewirken? «Ich möchte die Leute zum Lachen bringen», sagt Patrick Chappatte und fügt gleich an: «Das ist das eine, sie sollen aber auch dazu anregen, sich über das Humoristische hinaus ernsthafte Gedanken zu machen.»

Ernsthafte Gedanken macht sich Chappatte nach den Terroranschlägen in Paris über die Zukunft der Schweiz und der ganzen globalen Welt. «Ich habe mich immer gefürchtet vor dem, was in Paris geschehen ist. Die Terroristen haben die Linie überschritten, und wir wissen jetzt, dass man auch für eine Zeitung sterben kann.»

Die Pressefreiheit auszuüben sei seit dem letzten Anschlag noch schwieriger geworden, meint der pessimistisch gestimmte, weltweit bekannte Zeichner, der sich auch vor dem Verlust der Demokratie und der Sicherheit fürchtet. Was die Schweiz betreffe, sei es unmöglich, sich von der übrigen Welt abzuschotten und ein Inseldasein zu führen.

«Werde nicht anders zeichnen»

Trotzdem: «Ich werde nicht anders zeichnen als bisher.» Ein Provokateur sei er nie gewesen und Mohamed-Karikaturen seien nicht sein Ding. Damit würde er bei seinen Arbeitgebern auch nicht ankommen. «An die Grenze gehen, aber diese nicht überschreiten, ist sein Credo.

Obwohl sein Charakter ihm verbietet, die Grenzen auszureizen, ist Chappatte überzeugt, dass es Satiriker braucht, die provozieren. Dies sei erlaubt in einer Gesellschaft, die die Meinungsfreiheit hochhalte, nur: «Es zu tun, ist gefährlich geworden.» Ob «Charlie Hebdo» in einer Zeit, in der man die Unschuld verloren habe, so weitermachen könne wie bisher, sei deshalb fraglich. «Das Risiko ist nicht zu unterschätzen.»

Die Idee ist das Wichtigste

Patrick Chappattes Zeichnungen haben bei den Besuchern in der Pädagogischen Hochschule nicht Pessimismus, sondern Freude ausgelöst. Eine Zeichnung, sagt er später, sei eine einfache Form, viel zu sagen. Leider hätten die Erwachsenen vergessen, dass in frühen Lebensjahren alle Kinder zeichnen können. «Sie haben damit aufgehört, aber es gibt andere, die zeichnen weiter.»

Eine Zeichnung bestehe zu 80 Prozent aus Ideen, weiss Chappatte. Ob diese jeden Tag in Hülle und Fülle vorhanden sind? «Nein», sagt er. «Es gibt auch im Leben eines Karikaturisten Tage, an denen er nicht in Form ist und die Skizzen mangels Ideen nicht zur Zufriedenheit ausfallen.»

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