Die Hohenlinden in Solothurn bietet jungen Frauen und Männern mit einer Lernschwäche eine hauswirtschaftliche Ausbildung in geschützter Arbeitsumgebung. Die Auszubildenden erlernen - durch eine individuell bemessene Unterstützung begleitet - einen Beruf im hauswirtschaftlichen Umfeld. Das Ziel ist die Integration in die Arbeitswelt und das Ermöglichen eines selbstbestimmten Lebens. Die Suche nach geeigneten Arbeitsplätzen ist nicht immer einfach.

Nina Emch, Job Coach und in der Hohenlinden im Team der beruflichen Integration tätig, sagt: «Vielen Arbeitgebern fehlt die Erfahrung im Umgang mit Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf. Dies hemmt sie, sich auf eine neue Herausforderung einzulassen und den jungen Menschen eine Chance auf einen beruflichen Einstieg zu geben.»

Die Seite wechseln

Stephan Marti und Damaris Häfeli sind Arbeitgeber, die auf eine Zusammenarbeit mit der Hohenlinden setzen. Die Besitzer der Cafébar Barock in Solothurn haben vor vier Jahren das erste Mal eine Abgängerin der Ausbildungsstätte engagiert. Aufgrund der positiven Erfahrungen entschieden sie sich drei Jahre später zur Einstellung einer weiteren Hauswirtschaftspraktikerin.

Stephan Marti: «Ich arbeitete früher in einer ähnlichen Funktion wie Nina Emch heute. Dort habe ich gemerkt, wie schwierig es ist, Menschen mit Beeinträchtigungen im freien Arbeitsmarkt zu integrieren. Ich wollte die Seite wechseln und eröffnete mein Café deshalb schon mit dem Gedanken, ihnen eine Chance zu geben. Ein Jahr nach Eröffnung haben wir dann erstmals eine Lehrabgängerin der Hohenlinden eingestellt.»

Die Arbeit mit den Jugendlichen ist nicht immer einfach. Im Gegensatz zu einem «normalen» Arbeitsverhältnis beschränkt sich die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht nur auf die Arbeit, sondern geht sehr viel tiefer. So kann es vorkommen, dass den Berufseinsteigern bei persönlichen Problemen oder bei der Wohnsituation geholfen werden muss.

Das Job Coaching der Hohenlinden bietet hier am Anfang zwar Hand, doch erfordert die Begleitung und Einarbeitung viel Zeit und Geduld. Stephan Marti: «Bei der Übergabe von Aufgaben ist darauf zu achten, nicht zu viel auf ein Mal zu erwarten, sondern in angepassten Schritten vorwärtszugehen. Sie lernen durch wiederholtes Üben von Teilschritten und gelangen so zum gewünschten Erfolg».

Potenzial nutzen

Bei der Integration in den Arbeitsmarkt kann es leicht vorkommen, dass Lernbeeinträchtigte unterschätzt oder schlecht eingearbeitet werden und deshalb Potenzial ungenutzt bleibt.
Nina Emch: «Ziel der Integration ist es, die jungen Berufsleute nicht als billige Arbeitskräfte zu nutzen, sondern sie ihren Fähigkeiten entsprechend zu fordern und zu fördern. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Jugendlichen mit Beeinträchtigung enorm an Selbstvertrauen und an Arbeitseffizienz gewinnen können. Sie lernen mit verschiedensten Situationen umzugehen und Verantwortung zu übernehmen.»

Hauswirtschaftliche Tätigkeiten gibt es in vielen Berufen zu erledigen. Besonders im Gastgewerbe sieht Nina Emch noch Potenzial: «In der Gastronomie gibt es viele Tätigkeiten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Es gibt einfache wie auch komplexe Aufgaben. Dieses Arbeitsfeld bietet sich daher gut an, auch Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten zu beschäftigen. Wir von der Hohenlinden würden uns wünschen, dass noch mehr Arbeitgeber bereit wären, sich der Herausforderung zu stellen und jungen Menschen mit Lernbeeinträchtigung eine Chance zu geben. Beide Seiten können davon profitieren.»

Die Gäste in der Cafébar Barock scheint die Beschäftigung von Leuten mit Beeinträchtigung jedenfalls nicht zu stören. Stephan Marti macht die Erfahrung: «Wenn einmal etwas nicht wunschgemäss funktioniert, klären wir die Kunden über die Situation auf. Die meisten reagieren dann positiv und finden unser Engagement lobenswert.»