Aufmerksamer Bürger
Bürger serviert der Polizei Autoknacker auf dem Silbertablett

Sonntagabend fasste die Polizei in Solothurn einen jungen Mann, der zuvor mit einem anderen ein Auto aufgebrochen hatte. Die Festnahme gelang mit Hilfe eines aufmerksamen Anwohners. Er hat die ganze Tat fotografiert und die Polizei gelotst.

Lea Durrer
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Die beiden Männer kommen um die Ecke
13 Bilder
Der junge Mann mit der roten Kappe sieht sich um
Sie gehen weiter
Autoaufbruch in Solothurn: Von Beginn bis Ende
Man sieht nicht genau, was er tut
Die beiden haben eine Tasche aus dem Auto genommen
Gemeinsam tragen sie die Tasche
Sie gehen über die Strasse
Sie verschwinden im Gebüsch
Ohne Tasche gehen sie davon
Die Beute etwas später im Gebüsch: die Tasche wurde bereits auseinander genommen

Die beiden Männer kommen um die Ecke

Zur Verfügung gestellt

René Mühlheim ist ein wacher Beobachter. Seit im Januar ein Asylbewerber in seine Vorstadt-Wohnung eingedrungen ist und die beiden Kinder, ein sechsjähriges Mädchen und der neunjähriger Junge, verängstigte (wir berichteten), ist der Familienvater besonders aufmerksam. Neben dem Fenster liegt eine Kamera parat. Bereit, um Verdächtiges zu fotografieren.

Als Mühlheim am letzten Sonntag gegen 18.45 Uhr gegenüber seiner Liegenschaft an der Niklaus-Konrad-Strasse ein Auto in einen Hinterhof neben der Firma Oetterli ein- und ausfahren sieht, und darauf zwei junge Männer hervor kommen, wird er stutzig. Geistesgegenwärtig nimmt er die Kamera zur Hand und fängt an zu fotografieren. Ohne sich bewusst zu sein, Zeuge eines Delikts zu werden.

Aufmerksamer Bürger: René Mühlheim

Aufmerksamer Bürger: René Mühlheim

Andreas Kaufmann

Tasche lassen sie im Gebüsch

Er schaut zu, wie die beiden Männer nebeneinander auf dem Trottoir gehen. Nichts Aussergewöhnliches. Zumindest bis sich der Mann mit dem roten Hut einem weissen Auto nähert. «In dem Moment konnte ich nicht wissen, ob es ihr Auto war oder nicht», sagt Mühlheim rückblickend, denn vom Fenster aus hätte er nicht genau gesehen, was der junge Mann tat. Also, ob er die Türe mit einem Schlüssel aufmacht, oder sie aufbricht.

Die beiden nehmen eine Tasche aus dem Auto und kommen in die Richtung des Beobachters. Sie verschwinden mit der Tasche in einem Gebüsch - und kommen ohne wieder heraus. «In dem Moment ist bei mir die Alarmglocke ab», so Mühlheim, der im Parterre der Liegenschaft ein Reisebüro und ein Immobilienbüro führt.

Sofort hat er die Polizei angerufen und die Wohnung verlassen. Beim naheliegenden Dornacherplatz trifft er auf die beiden, die nun mit einem Schwarzafrikaner unterwegs sind. «Ich bin stur gerade aus gegangen und habe mir nichts anmerken lassen», berichtet Mühlheim von der Begegnung. Kaum um die Ecke dreht er sich wieder, um die Jungs nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade noch sieht er, wie sie sich trennen. Der eine mit der roten Hut geht Richtung McDonalds beim Bahnhof Solothurn. Dort wartet schon eine Polizeipatrouille, die zufälligerweise wegen einer Schlägerei schon dorthin ausgerückt war. Mühlheim kann den Beamten am Telefon den Täter genau beschreiben. Die Polizei braucht den Mann, einen 23-jährigen Asylbewerber aus Algerien, nur noch festzunehmen.

Wie weit sollen Bürger selbst «Detektiv» spielen?

Auffällige Beobachtungen zu melden, sei immer gut, sagt Kapo-Mediensprecherin Thalia Schweizer. Inwieweit ein Bürger selbst auf Verfolgungsjagd gehe, liege aber in seiner Verantwortung. «Es ist schwierig hier Empfehlungen abzugeben, denn die Situation hängt immer vom Ort und der Anzahl Leute ab», so Schweizer. In jedem Fall sei Vorsicht geboten. «Man soll nicht um jeden Preis die Verfolgung aufnehmen.» (ldu)

Währenddessen geht Mühlheim zurück zum Gebüsch, um nachzuschauen, ob die Tasche überhaupt noch da ist. «Ich hatte schon fast die Befürchtung, dass ich mich geirrt habe», sagt er. Doch die Tasche ist noch da, aber «völlig verhüttlet». Der observierende Bürger kann die bestohlene Eigentümerin aufklären - und die Polizei mit Fotos versorgen.

Aufklärung gefordert

Doch befriedigt ist Mühlheim nicht. Die Polizei müsse solche Taten zum Anlass nehmen, den Bürgern zu erklären, was man in solchen Fällen tun kann, fordert er. «Es interessiert doch, wie so etwas abläuft.» Gerade wenn Fotomaterial zur Verfügung stehe. «Warum veröffentlicht die Polizei die Bilder nicht?»

Eine entsprechende Nachfrage beim Mediendienst der Kantonspolizei bringt zu Tage: Der Medienstelle hatte keine Kenntnis von den Fotos. Zwar seien sie beim zuständigen Sachbearbeiter gelandet und intern veröffentlicht worden, nicht aber dem Mediendienst weitergeleitet worden, sagt Thalia Schweizer. Die Bilder gingen schlichtweg unter. Deshalb könne auch nicht gesagt werden, ob die Fotos der Tat allenfalls veröffentlichst worden wären. «Grundsätzlich werden Bilder aber nur in Absprache mit der Staatsanwaltschaft herausgegeben», so Schweizer.

Der 23-jährigen Asylbewerber ist geständig und sitzt seit Sonntagabend in Haft. Dort bleibt er voraussichtlich noch über Pfingsten, wie Schweizer sagt. Der zweite beteiligte Täter konnte noch nicht gefasst werden.