Ohne Berührungsängste
Bundesrat auf Besuch: Festfreude und Stolz beim Solothurner Volk

Die Exekutive hielt ihre externe Sitzung in Solothurn ab und zeigte beim anschliessenden Outdoor-Apéro keine Berührungsängste. Eine kleine Zusammenfassung, was alles passiert ist.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Alles andere als selfiescheu: Bundesrat Alain Berset.
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Auch Ueli Maurer geht mit den Solothurnern auf Tuchfühlung.
Autogrammstunde mit Guy Parmelin.
Bundespräsidentin Leuthard hält eine Begrüssungsrede für die rund 300 Gäste.
Applaus von ihren Kollegen.
Auch Kurt Fluri hielt eine Ansprache an diesem besonderen Tag.

Alles andere als selfiescheu: Bundesrat Alain Berset.

Keystone

Nach der bundesrätlichen Sitzung, die im Rahmen der alljährlich stattfindenden Aktion «extra muros» in Solothurn abgehalten wurde, gab es für die Bevölkerung ein Stelldichein mit der Landesregierung.

Gut bewacht von in dezenten schwarzen Anzügen patrouillierenden Bodyguards und Polizisten der Solothurner Kantons- und Stadtpolizei mischten, sich die sieben Bundesräte unters Volk.

Die Landesregierung hält ihre ordentliche Sitzung in Solothurn im ehrwürdigen Von-Roll-Haus ab
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Die Landesregierung hält ihre ordentliche Sitzung in Solothurn im ehrwürdigen Von-Roll-Haus ab
Bundesrat ex muros Ankunft in Solothurn.
Polizeiaufgebot in Solothurn.
Grund dafür ist die Ankunft des Bundesrates.
Polizeiaufgebot in Solothurn.
Johann Schneider-Ammann steigt aus.
Dicht gefolgt von Doris Leuthard...
...Ueli Maurer...
... und Alain Berset.
Polizistin Flavia Bläsi und Benjo stehen Wache

Die Landesregierung hält ihre ordentliche Sitzung in Solothurn im ehrwürdigen Von-Roll-Haus ab

Keystone

Zunächst aber richtete Bundespräsidentin Doris Leuthard von der St. Ursentreppe aus ein paar sympathische Worte an das Solothurner Volk. «Super, dass so viele gekommen sind».

Es sei eine grosse Freude und ein Privileg des Bundesrates, sich von Mensch zu Mensch begegnen zu können.

«Extra muros» finde in Solothurn zum 12. Mal statt – und nicht zum 11. Mal, wie vorgängig Stadtpräsident Kurt Fluri bei seiner Begrüssungsansprache bemerkte.

Man sei ganz bewusst zur 12. Ausgabe nach Solothurn gekommen, so Leuthard, also noch vor der Hälfte aller Kantone. «Doch hoffe ich, eines der berühmten Öufi-Biere jetzt endlich kennenzulernen.» Eine Steilvorlage für den Running-Gag des Apéro-Gesprächs.

Selfies mit Jung, Gespräche mit Alt

Die Landesregierung ist es gewohnt, sich im Menschenrummel zu bewegen. Alt und Jung, ganze Familien und Freundesrunden wollten Andenken an dieses Treffen. Die Jungen eher als Selfies, die älteren bevorzugten das Gespräch. Als äusserst geduldig erwiesen sich Didier Burkhalter – er wurde vorgestern zum ersten Mal Grandpapa, wurde kolportiert – und Doris Leuthard.

Da gab es gar keine Berührungsängste. Herzhaft wurde die Energieministerin in die Mitte genommen, auch mal einfach umarmt. Auch Ueli Maurer war einer der Begehrtesten. Da kamen schon mal alte Bekannte auf ihn zu und erinnerten ihn an vergangene Treffen.

Guy Parmelin machte es ebenfalls Spass, sich unter die Leute zu mischen. Zum dritten Mal sei er bei «extra muros» mit dabei und was er da von der Bevölkerung höre, sei immer interessant. Wichtig seien aber auch die Gespräche mit der Regierung, die beim folgenden Mittagessen stattfinden, so der Chef des VBS.

Mehrheitlich von älteren Frauen umlagert wurde Simonetta Sommaruga. Geduldig nahm sie sich Zeit, deren Sorgen und Freuden anzuhören und Johann Schneider-Ammann diskutierte angeregt mit jungen Männern.

Einer, der Solothurn gut kennt, ist Alain Berset. Ihn trifft man an den Filmtagen, aber auch sonst kann es passieren, dass man ihm in Solothurn über den Weg läuft.

Stadtpräsident Kurt Fluri war sehr zufrieden, seine Stadt und die Landesregierung in solch angeregter Stimmung zu erleben. Nur eine Sorge hatte der Stadtvater: «Ich muss immer wieder mal schauen, dass die Bundesräte auch was zu Trinken bekommen. Doris Leuthard’s Bier ist jedenfalls schon warm geworden.»

Kurz befragt: 15 Minuten mit Doris Leuthard

Bundespräsidentin Doris Leuthard trat nach der bundesrätlichen Sitzung im Von Roll-Haus in Solothurn kurz vor die Medien. «Wir hatten eine etwas verkürzte Bundesratssitzung mit nur wenigen Traktanden», erklärte sie.

Man habe über Aussenpolitik, die Türkei, die USA, den Brexit, über Steuerfragen und Finanzfragen gesprochen. «Wir werden heute zum Mittagessen mit der Kantonsregierung noch Gelegenheit haben, solothurnische Themen zu erörtern und deren Anliegen zu besprechen», so Leuthard weiter. «Extra Muros» sei eine sehr wertvolle Demonstration der Demokratie, die beweise, «dass wir in Bern nicht im Glashaus sitzen».

Man könne fast neidisch auf die Solothurner sein, ein so schönes Haus zu besitzen, beantwortete Leuthard die Frage nach dem Wohlfühl-Faktor im Von Roll-Haus. Von den Medienvertretern kam aus aktuellem Anlass natürlich die Frage nach dem Brexit.

Selbstverständlich habe man darüber gesprochen, so die Bundespräsidentin. Leuthard: «So schnell wird sich nichts ändern. Wir werden aber die nächsten Tage genau beobachten.»

Befragt nach einem Statement nach dem Ja ihres Departementes zur Sanierung des Weissensteintunnels sagte sie. «Wir hatten diesbezüglich viele Kontakte mit der Regierung, aber auch mit der Bevölkerung und haben gesehen, dass dieser Erhalt ein echtes Anliegen ist. Allerdings sprechen die Nutzerzahlen eine andere Sprache.»

«Ich erwarte auch etwas»

«Es ist jetzt also an der Bevölkerung und dem Bahnunternehmen uns zu beweisen, dass diese Investition – die doch sehr hoch ist – gerechtfertigt ist. Ich erwarte auch von der Bevölkerung, dass sie den Tunnel auch so nutzt, wie sie das geschildert hat. Dafür braucht es längerfristig vielleicht auch neue Konzepte.»

Kennt die Bundespräsidentin die Ambassadorenstadt? «Ich komme aus der Nachbarschaft, dem Kanton Aargau. Ich kenne Olten den Eisenbahnknotenpunkt sehr gut, da ich ständig dort vorbeikomme. Mit der Stadt Solothurn verbindet mich persönlich nichts. Ich weiss jedenfalls von keinen verwandtschaftlichen Beziehungen». (frb)