Solothurner Literaturtage

Bundesrat Alain Berset übergibt erste Schweizer Literaturpreise

Unter dem Motto «Es gibt keine Schweizer Literatur. Es gibt nur Schweizer Literaturen» hat Bundesrat Alain Berset am Donnerstag im Solothurner Konzertsaal die ersten Schweizer Literaturpreise verliehen.

Viel Kritik und sogar etwas Spott hatte das Bundesamt für Kultur (BAK) für seine neu ausgelobten Literaturpreise einstecken müssen. Das Amt setze auf Proporz statt einen würdigen Preisträger; mit zahlreichen Preisträgern auf einen Katalog von Namen statt eine echte Entscheidung. Schliesslich verhindere es gar durch die schiere Anzahl seiner Preisträger, was es mit dem Preis bezwecke: ein grossartiges, literarisches Lebenswerk zu würdigen.

Unbestritten ist, dass die Jury bei der Auswahl der vier gekürten Literaten grosse Ernsthaftigkeit walten liess: Ob Erica Pedrettis konzentrierte Auseinandersetzung mit dem zweiten Weltkrieg und der Gesellschaft im 20. Jahrhundert, ob Fabio Pusterlas stetes Wandeln auf einer Achse zwischen Leben und Tod oder Jean-Marc Lovays kunstvolle Prosa - die Literatur dieser Preisträger entsteht weniger aus der Lust am Fabulieren, denn aus einem tiefen und reflektierten Ausdrucksbedürfnis heraus. Auch der vierte Preisträger, das Tessiner Übersetzungsfestival Babel verdient für seinen Einsatz Lob.

Mit einem Bein in der Literatur

Und bei der abendlichen Preisverleihung im Konzertsaal Solothurn schien es, als würden beim Bundesamt weder Preissegen noch der Haussegen schief hängen. Ein gut gelaunter Jean-Frédéric Jauslin begrüsste das zahlreich erschienene Publikum und betonte, es gäbe keine Schweizer Literatur, sondern nur Schweizer Literaturen. Bundesrat Alain Berset befand, das Leben erhalte erst durch die Literatur Gewicht.

Und als die frisch «ge-BAK-ene» Preisträgerin Erica Pedretti statt ihre Rede zu halten, von der musikalischen Untermalung dazu angeregt, erzählte, wie sie damals im Schulgesangsbuch den jüdischen Komponisten Mendelssohn zukleben musste - da war die Veranstaltung unversehens aus dem Bereich feierlicher Reden selbst auf der Schwelle zur Literatur angekommen.

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