Ihr Name zieht: Bundesrätin Doris Leuthard füllte das Landhaus spielend, über 600 an der Energiezukunft der Schweiz Interessierte folgten der Einladung des Regionalversorgers AEK Energie AG zum jährlichen Anlass «Fokusenergie». Leuthard präsentierte die Energiestrategie 2050, ohne Hilfe von Tabellen und Charts, aber mit viel Fachwissen und Charme. Die Strategie des Bundesrates – vom Nationalrat in der Wintersession gutgeheissen – ruht auf drei Pfeilern: Ausstieg aus der Atomenergie, höhere Nutzung der erneuerbaren Energien und Senkung des Energieverbrauchs durch mehr Effizienz.

Die Schweiz müsse im gesamten Energiebereich effizienter werden, vor allem im Bereich der fossilen Energieträger sei ein grosses Potenzial vorhanden, so Leuthard. Neue Technologien einerseits und Programme zur Gebäudesanierung sollen dazu beitragen. Ferner könne im Bereich Verkehr – rund 40 Prozent des Energieverbrauchs entfallen darauf – viel erreicht werden. Verbrauchsärmere Fahrzeuge, neue Technologien usw. waren einige Stichworte. Insgesamt könnte so die hohe Importabhängigkeit im gesamten Energiebereich von aktuell 78 Prozent auf 60 Prozent gesenkt werden.

Ökonomie spricht gegen AKW

Und dann kam Leuthard auf das Hauptthema «Strom» zu sprechen. Damit verbunden sei der Ausstieg aus der Kernenergie. So lange die Atomanlagen sicher seien, so lange sollen sie zwar am Netz bleiben. «Aber angesichts der Kosten ist klar, dass – zumindest in den nächsten 30 Jahren – keine neuen Kernkraftwerke gebaut werden. Alle ökonomischen Zahlen sprechen dagegen.» Es sei möglich, den Ausfall durch die erneuerbare Stromproduktion zu ersetzen. Auch hier setzt Leuthard ihre Hoffnung auf neue Technologien. Der Aufbau neuer Methoden zur Stromspeicherung sei dazu nötig.

Leuthard verteidigte die geplante Erhöhung der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Es brauche die Förderung der erneuerbaren Energien, ansonsten würde zu wenig in sie investiert. Damit meinte sie nicht nur Solar- und Windenergie, sondern explizit die Wasserkraft. Deren Ausbau und Neubau soll gefördert werden. Die zusätzliche Belastung sei für die Schweizer Haushalte und auch die Wirtschaft tragbar. Sie erinnerte daran, dass die energieintensiven Betriebe weiterhin bei der KEV entlastet werden. Leuthard zeigte sich überzeugt, dass die Energiestrategie auch im Ständerat auf Zustimmung stossen werde. «Die Stossrichtung stimmt: weniger Energieimporte, weniger fossile Energie, mehr erneuerbare Energie und höhere Energieeffizienz.»

Versorgungssicherheit gefährdet?

In der anschliessenden Podiumsdiskussion blieben die Aussagen der Bundesrätin nicht unwidersprochen. «Die Versorgungssicherheit ohne Atomkraftwerke ist gefährdet. Die Folge wären steigende Stromimporte aus Kohlekraftwerken und AKW», sagte SVP-Nationalrat Albert Rösti. Er kritisierte ferner die Förderleistungen als zu hoch. «Das Fördersystem ufert aus.» SP-Nationalrat Philipp Hadorn will dagegen erst dann darüber diskutieren, wenn für die Berechnung des Strompreises die Kosten für die AKW-Stilllegung und für die Atommüllentsorgung ehrlich miteingerechnet werden. «Dann können wir ja den Markt unter den verschiedenen Energien spielen lassen.»

Walter Wirth, Direktor der AEK, nahm Bezug auf die aktuelle Situation für die Industrie. «Sie leidet stark unter dem Wechselkurs. Um so mehr benötige sie gute Rahmenbedingungen, auch in der Energieversorgung.» Die Rolle des Energieversorgers sieht er in der Gewährleistung der Versorgungssicherheit, von wettbewerbsfähigen Strompreisen und der ökologischen Produktion. Die Hoffnung Leuthards auf die Entwicklung neuer Technologien konnte Remo Lütolf, Chef der ABB Schweiz AG, stützen. «Die Energiespeicherung mittels Technologien wie Pumpspeicher und Batterien macht grosse Fortschritte.» Zudem sei das Potenzial in der Industrie, Strom zu sparen, sehr hoch.

Zum Abschluss redete Leuthard der Politik ins Gewissen und erklärte, dass der oft geforderte «Marschhalt» in der Umsetzung der Energiestrategie nichts bringen würde. Die Erfahrung zeige, dass die Politik immer zerstritten sei, ob heute oder in einigen Jahren. «Wenn die KEV-Abgabe zu hoch sein soll oder damit die Wasserkraft zu wenig unterstützt werde, dann soll dass Parlament doch so entscheiden. Aber entschieden wird nicht.»