Bummel über die HESO
Vorbei am «Checkpoint Charlie» zu den Berlinern

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Die Berliner sind an der HESO beliebt.

Die Berliner sind an der HESO beliebt.

Corinne Glanzmann

Der Heso-Anmarsch ist etwas komplizierter als sonst. Statt direttissima am Soldatendenkmal vorbei durch den Hintereingang in die Halle geht es über einen Knick am Kunstmuseum vorbei zum Checkpoint Nord. Den Elefanten-Trampelpfad neben dem Musentempel braucht es nicht – aber es wäre doch schön, würde jemand auf dem Stadtbauamt merken, dass man nach dem Zebrastreifen über die Werkhofstrasse geradeaus in die Stadt will. Der Rest der Menschheit hat es gemerkt – darum der Trampelpfad durch den Parkrasen. Der nächste Woche zur Schlammpiste werden dürfte.

Aber wir wollen ja an die Heso. Die Kontrolle ist ein Nichts, genauso wie der Doppelpiks, der noch im Juli unten in der Reithalle zu haben war. Die Stadt glänzt bereits seit Tagen ganz in Gold; die weissen Zelte lassen vergessen, dass hier vor gut einem Jahr wochenlang der «Not-Märet» hatte stattfinden müssen. Das Leben hat uns wieder. Trotz der umzäunten Sektorengrenze, welche die Berliner vom frittierten Zander im Sektor Süd abgrenzt. Die Controller sind äusserst freundlich, kein Vergleich zu den ehemaligen DDR-Grenzern. Nur ein Gerücht ist aber, dass ein Posten nach dem scheidenden FDP-Präsidenten als «Checkpoint Charlie» bezeichnet wird.

Rund 20 Prozent. So tönt es unisono bei alten Heso-Cracks wie Rolf Affolter, Michele Grassi oder Moritz Messer. Also etwa einen Fünftel weniger Leute als sonst habe es gehabt, so ihr Fazit der ersten Tage. Aber es kann ja noch werden. Auch gewisse Lücken sind für geübte Heso-Augen unübersehbar. Auch wenn sie kreativ geschlossen worden sind. Das stachelige Hesoli ist mit Confiseur Hofer definitiv verschwunden, ausser Heso-Oldie Niggi Rust trägt es am Revers durch die Hallen. Im Sektor Süd fehlt der Superstand von Design-Küchen Zbären. Der in vier Tagen aus dem Boden gestampfte Ersatz ist aber ein origineller: Solothurner Kunstschaffende vermieten ihre Werke. Und so wird ab Oktober ein echter Steinmann unsere gute Stube zieren.

Vieles ist auch geblieben. So hütet gäng wie gäng Koni Müller «seinen» Stand der Stadtpolizei mit Bildern aus der guten alten Zeit, als der Landjeger noch mit seinem «Sabu» für Ruhe und Ordnung sorgte. Geblieben ist uns das Gnagi mit Sauerkraut, auch wenn man es nicht mehr ganz dort findet wo sonst. Die Metzger haben der gestylten «Butchers Bistro» und ihrer angedockten Lounge nebenan Platz gemacht. Optisch auf jeden Fall ein Mehrwert. Auch wenn das Personal im mächtigen US-Alu-Caravan etwas auffällig daherkommt: Es ist nämlich Duzis mit Dir. Deshalb wird ab sofort zurückgeduzt.

Zurückgebaut präsentiert sich der Schanzengraben. Die Schwingerszene besteht bloss noch aus Säuli-Speaker «Dago» Cahannes. Aber wenn die Säuli durchstarten, geht dem ergrauten Hesoisten das Herz auf. Kinderaugen leuchten, begeistert werden die rosa Rennboliden angefeuert. Und die üblichen Enttäuschungen sind vorprogrammiert: Welchen Teufel hat das vermaledeite «Öuferli» geritten, als es sich kurz vor dem Ziel – zwei Saulängen in Führung liegend – plötzlich umdreht und Ausschau hält, wo der Rest geblieben ist? Ein Ringelschwänzchenrest, der dann den Sieg unter sich ausmacht. So eine Sauerei!

Ein bisschen Nachtleben gibt es noch. Am Wochenende sogar ziemlich viel. Und oft versteht man in der Nightstyle-Aussenbar das eigene Wort nicht mehr. Wer jetzt an Harri Kunz im Party-Modus denkt, liegt falsch. Oder nicht ganz richtig. Denn sie haben schon manchem Eröffnungsredner die Show gestohlen, ja sogar Bundesräte zum Schweigen gebracht: die Glocken von St. Ursen. Wir sind wieder daheim. An der Heso.

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