Stadtbummel
Bummel in Traum und Realität

Mark A. Herzig
Mark A. Herzig
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«Man stelle sich nur vor, die vielen zusätzlichen Leitungen am Firmament über Haupt- und Gurzelngasse...»

«Man stelle sich nur vor, die vielen zusätzlichen Leitungen am Firmament über Haupt- und Gurzelngasse...»

Hansjörg Sahli

Wie bequem, gut und schön es wäre, wenn es auf dem Kronen- und dem Märetplatz Bushaltestellen gäbe, oder gar einen Tramhalt, oder noch besser, einen U-Bahnhof. Das waren Überlegungen, oder eher schon mehr (Alb-)Träume eines stadtbummelnden Knaben. Das in Zeiten, als flott die so genannten Gangsterwagen, die markanten Citroens und die alten Käfer durch die Stadt kurvten, und auch mal dort geparkt wurden, wo halt gerade Bedarf bestand.

Das scheint allerdings auch heute noch so gehandhabt zu werden, nur mit neueren, aber zumeist breiteren Fahrzeugen. Zählt man die willkürlich abgestellten Velos dazu, sucht man zum Beispiel in den Hingeren Gassen schnell mal nach einem Durchlass für die Bummler zu Fuss. Rollstuhl, Rollator und Kinder- so wie Einkaufswagen à la modernen Veloanhänger – ob die mittlerweile in Bruttoregistertonnen ausgemessen werden? – sind hier nicht die Mittel der Wahl.

Zum Glück sind solch kindliche Träumereien eines technik- und verkehrsbegeisterten Halbwüchsigen nicht realisiert worden. Man stelle sich nur vor, die vielen zusätzlichen Leitungen am Firmament über Haupt- und Gurzelngasse – das Tram hätte ja zweispurig sein müssen (vergleiche Bipperlisi). Da hätte es dann für die tragenden Drähte für unsere schöne Weihnachtsbeleuchtung kaum mehr Platz gehabt. Und das Fahnenaufhängen wäre wohl wegen Kurzschlussgefahr durch eine Verordnung geregelt, gar untersagt worden. Also kein Flaggenflattern mehr, zumindest im berühmt-berüchtigten Gassen-Y.

Direkt profitiert hätten einige Geschäfte in der Nähe der Einstiegsstellen. Dort hätten sich Warteschlangen gebildet, sei es, dass Bus oder Tram einfach nicht kommen wollten beziehungsweise konnten, sei es, dass die Billetautomaten noch störrischer geworden wären: Das eine Mal will er die Banknote nicht annehmen, das andere Mal gewisse Geldstücke, dann wieder «spricht» er – warum auch immer – in einer fremden Sprache mit uns. Gut für die Touristen. Wir Ambassadorenstädter sind eh alle polyglott, sprich mehrzüngig.

Weitere Probleme hätten sich bei einem allfälligen U-Bahnbau sprichwörtlich auftun können. Auch wenn die Archäologen schneller geworden sind – so etwas dauert. Und wäre man dann noch auf alte Wisent Knochen gestossen, dann müssten die wohl auch hier wieder angesiedelt werden. Von Höhlenbären, Mammuts und Säbelzahntigern wollen wir lieber schon gar nicht träumen. Aber vor alledem sind wir verschont geblieben – der Geldknappheit sei für einmal gedankt.