Solothurn Classics

Brownlee kann auch Pavarotti!

Lawrence Brownlee und sein Pianist zogen die Zuhörer in ihren Bann.

Lawrence Brownlee und sein Pianist zogen die Zuhörer in ihren Bann.

Der amerikanische Tenor Lawrence Brownlee riss das Publikum an den Solothurn Classics zu Begeisterungsstürmen hin. Doch wiederum liess der Publikumsaufmarsch zu wünschen übrig.

Dem dritten Konzertabend der diesjährigen Solothurn Classics war wiederum kein grosser Publikumsaufmarsch vergönnt; zu etwa einem guten Drittel war die Rythalle am Freitagabend besetzt. Doch der 1972 geborene amerikanische Tenor Lawrence Brownlee, einer der angesagtesten Sänger dieser Zeit, liess sich davon nicht irritieren. Er zog seine Zuhörer zusammen mit seinem Pianisten mit einem wunderschönen, anspruchsvollen und ausgewogenen Programm in seinen Bann.

Zunächst waren es drei Verdi-Lieder und eine Arie aus «La Traviata», die klarmachten, warum dieser Brownlee zu den besten Belcanto-Sängern derzeit gehört. Eine Stimme, die scheinbar mühelos in die Höhen klettert und die Tiefen bezwingt, die geschmeidig, elegant, zart und kraftvoll sein kann. Brownlee überzeugt auch in Mimik und Gestik, zurückhaltend zwar, wie sich das bei einem Rezitalkonzert gehört, doch man spürt, darstellerisch ist viel vorhanden. Er hat Rhythmus im Blut, Leidenschaft.

Es folgten drei nicht so oft in Programmen zu hörende Liszt-Lieder, die romantisch, verspielt, aber auch tiefgründig anzuhören sind. Sie sind von höchstem Schwierigkeitsgrad, für Brownlee genau das Richtige. «L’vidi in terra angelici costumi» mit einem hohen, lang und kraftvoll gehaltenen C riss so manchen Opernfan direkt von seinem Stuhl. Vor der Pause dann noch Rossinis unverwüstliches «La Danza», dieser Sänger kann auch Pavarotti!

Im zweiten Teil wurde es wieder etwas leiser mit drei Arien aus Donizetti-Opern. Am liebsten scheint Brownlee «Una furtiva lagrima» aus L’Elisir d’amore zu sein, denn diese wunderschöne, tragische Arie sang er herzzerreissend, und dann auch gleich noch mal bei der Zugabe. Es folgten neapolitanische Lieder im Schlussteil – das Ganze gipfelte im unverwüstlichen «O Sole mio». Lawrence Brownlee gestaltete, interpretierte auch diese Lieder, die doch so aus einem anderen Erdteil stammen als er selbst, stilsicher und in seiner ganz eigenen, eleganten und geschmeidigen Art; sein Pianist folgte ihm und begleitete ohne Fehl und Tadel.

Mit drei Zugaben bedankte sich der Sänger beim Solothurner Publikum, und er kann gewiss sein, dass er in diesen Zuhörern neue und ganz enthusiastische Fans gefunden hat. Wer ihn noch einmal erleben will, kann sich eine seiner vielen CD-Einspielungen erwerben.

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