Solothurn

«Brönsch, das ist eine Frage für Feuerwehrleute»: Kabarettisten führen «Zmorgegschichte» auf

Kilian Ziegler (links) und Samuel Blatter sorgten mit intelligentem Humor für gute Laune.

Kilian Ziegler (links) und Samuel Blatter sorgten mit intelligentem Humor für gute Laune.

Kilian Ziegler und Samuel Blatter präsentieren im Rahmen der «Zmorgegschichte» ihr Programm «Geschickt» im Alten Spital

Ein ausgeschlafeneres Publikum kann man sich nicht wünschen: Am Sonntagmorgen präsentierten Kilian Ziegler und Samuel Blatter im Rahmen der Reihe «Zmorgegschichte» im Alten Spital ihr Programm «Geschickt». Die Ode an den Liebesbrief wurde zu einem feinen Zmorge mit Wortspielen, Witz, Musik und vor allem viel guter Laune serviert.

So nebenbei lernte man am Sonntagmorgen, dass Brunch nicht mit «Ö» ausgesprochen wird. «Brönsch, das ist eine Frage für Feuerwehrleute», erklärte Kilian Ziegler. Es ist eben alles eine Frage der Betonung. Und auch eine viel wichtigere Frage wurde gestellt, die selbst ein Pöstler nicht beantworten kann: «Wenn man den Liebesbrief mit der B-Post schickt, ist dann der Brieft träger?»

Nur die angehimmelte Hauptfigur fehlte

An diesem schönen Morgen fehlte eigentlich nur eine: Julie, die angehimmelte Hauptfigur, das Mädchen aus Genf, dem Kilian Ziegler seit seiner Schulzeit Hunderte Liebesbriefe geschrieben hat. «Jedes Mal, wenn Julie auf ihrem Mondia vorbeigefahren war, dachte ich, mon dieu.» Wegen ihr ruft seither der Gang zum Briefkasten Kribbeln, Vorfreude und die andere der Frage aller Fragen herauf: Ist er heute endlich da? Der Liebesbrief von Julie, der alles verändert?

«Oh, Julie. Du gefällst mir, Julie. Deine Augen, dein Müüli, deine Hände, deine Knüüli», las Ziegler aus seinem Meisterwerk, dem perfekten Liebesbrief vor. «Willst du mit mir gehen? Ja. Nein. Vielleicht?» Aber auch Samuel Blatter, der meistens den lakonischen Pöstler spielte, der mit stoischer Gelassenheit die Situation servierte, die Kilian Ziegler präzise in eine Pointe verwandelte, hatte sein Schlüsselerlebnis mit der perfekten Julie. Im Garten des Trimbacher Schulhauses fragte sie, wo denn der Bahnhof von Nabeit liege. Die Lehrerin habe sie gerade zur «Gare de Narbeit» geschickt.

Und so machten die beiden Kabarettisten ihre Herkunft zum Thema, was natürlich in Solothurn gut ankam. Oli, der Fussballer vom FC Trimbach, dem erfolgreichsten aller Absteiger, wurde erwähnt, und sie outeten sich als Fans von Mike Müller: «Der könnte sogar in Erotikfilmen mitmachen und es würde ein Erfolg. Der Begatter.»

Nur der ersehnte Brief wollte nicht eintreffen. «Ich habe wegen Julie eine Selbsthilfegruppe für Wartende gegründet», sagt Ziegler. «Ich bin jetzt auf der Warteliste.» Statt eines Liebesbriefes lieferte dann der Pöstler Fanpost. Darin stand: «Lieber Kilian, was ich an Dir besonders schätze, ist Samuel Blatter.» Und die Abholeinladung entpuppte sich auf der Poststelle nur als ein Bündel Liebesbriefe an Julie, die nicht zugestellt werden konnte.

Der nächste Brunch ist schon bald

Der Brunch mit Kilian Ziegler und Samuel Blatter reiht sich in eine lange Reihe ein: Viermal im Jahr wird im Rahmen der «Zmorgegschichte» im Alten Spital ein grosses Frühstück serviert, und das schon seit sieben Jahren. «Wir möchten das Kulinarische mit dem Kulturellen verbinden», erklärte Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals, das von ihr entwickelte, erfolgreiche Konzept. Platz hat es nur für rund 70 Personen und es solle bei einem «überdimensionalen Zmorgetisch» bleiben. «Man isst zusammen und hört sich die Geschichten an. So sprechen wir ein anderes Publikum an, das vielleicht an einem Samstagabend nicht ins Alte Spital kommen würde», sagte Gauch. «Auch den Künstlern gefällt es, an einem Morgen aufzutreten. Die Leute kommen ausgeschlafen und sind viel aufmerksamer als sonst.»

Die nächsten «Zmorgegschichte» werden im Alten Spital am 29. März serviert, wenn Stefanie Grob und Sibylle Aeberli ihr Programm «Schlaflos» präsentieren werden.

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