St.-Ursen-Kathedrale
Brandgeruch liegt immer noch in der Luft

300 Leute warfen am Samstag einen Blick ins lädierte Gotteshaus der St.-Ursen-Kathedrale.Man spürte, wie sehr das beinahe Unfassbare die Solothurner Bevölkerung getroffen hat.

KATHARINA ARNI-HOWALD
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Orgelbauer Pierre Barré von der Orgelfirma Kuhn in Männedorf zeigt den interessierten Anwesenden, was bei der Orgel zu tun ist. Hansjörg Sahli Orgelbauer Pierre Barré von der Orgelfirma Kuhn in Männedorf zeigt den interessierten Anwesenden, was bei der Orgel zu tun ist. Hansjörg Sahli

Orgelbauer Pierre Barré von der Orgelfirma Kuhn in Männedorf zeigt den interessierten Anwesenden, was bei der Orgel zu tun ist. Hansjörg Sahli Orgelbauer Pierre Barré von der Orgelfirma Kuhn in Männedorf zeigt den interessierten Anwesenden, was bei der Orgel zu tun ist. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

Die südlich der St.-Ursen-Kathedrale gelegene Terrasse füllt sich an diesem überdurchschnittlich warmen Samstagnachmittag mit immer mehr Leuten. Altersmässig bunt gemischt, warten sie auf Einlass in die Kirche, dessen Inneres sie seit über drei Monaten nicht mehr betreten durften. «Es ist furchtbar, was geschehen ist», sagt eine ältere Dame, die nach einer Sitzgelegenheit sucht. Trotz ihrer Altersgebrechen wollte sie sich die Besichtigung «ihrer» Kirche nach dem «unerklärlichen Brandanschlag» nicht entgehen lassen.

Eine andere Frau erzählt, wie glücklich sie ist, nach etlichen Jahren im Ausland nun vom Wohnzimmerfenster aus wieder den St.-Ursen-Turm zu sehen. Man spürt förmlich, wie sehr das beinahe Unfassbare die Solothurnerinnen und Solothurner getroffen hat. «Wir haben mit 100 bis 150 Personen gerechnet, gekommen sind gegen 300», wird Kirchgemeindepräsident Karl Heeb am Schluss der drei Nachmittagsführungen feststellen.

Vieles erinnert noch an den Brand

Endlich öffnet sich die Tür. Die Besucher – darunter viele Familien mit Kindern – treten ein und lassen ihre Blicke durch das geliebte Gotteshaus schweifen. Brandgeruch liegt in der Luft. Die Stuckaturen sind schwarz eingefärbt. Der angebrannte Altar ist in Plastik eingepackt. Dort, wo man als letztes noch die Weihnachtskrippe bewundert hat, herrscht gähnende Leere. Die Heiligen drei Könige haben den Weg bis zur Krippe nie geschafft. «Ich begrüsse die Menschen aus nah und fern», sagt Heeb. Gleichzeitig entschuldigt sich der Kirchgemeindepräsident dafür, dass die Bevölkerung erst jetzt einen Augenschein nehmen darf.

«Wir haben ein umfangreiches Projekt zu bewältigen und brauchten Zeit, um sämtliche Massnahmen in die Wege zu leiten.» Heeb dankte all jenen, die für die Kirchenreinigung ihre Hilfe angeboten haben und Ratschläge gaben. Leider kämen angesichts der komplexen Situation aber nur ausgewiesene Fachleute infrage. «Einige waren auch ungeduldig und wollten uns unter Druck setzen», zeigte Heeb noch andere unschöne Seiten des Brandes auf. «Ein relativ kleines Feuer, das nach zwölf Minuten gelöscht war, hat einen immensen Schaden angerichtet», stellt auch Architekt Pius Flury an einem Seitenaltar fest, wo er auf die Verschiedenartigkeit der Materialien aufmerksam macht. «Sie alle haben eine separate Behandlung nötig.» Selbst der hinter dicken Mauern aufbewahrte Domschatz sei nicht verschont geblieben.

«Wie viel wiegt die grösste Orgelpfeife?», will ein Besucher von Orgelbauer Pierre Barré wissen, nachdem die Gruppe auf der steinigen Wendeltreppe die sonst nicht zugängliche Empore erreicht hat. Als dieser das Prunkstück auf 60 bis 80 Kilogramm schätzt, geht ein Raunen durch die Menge. Die Vermutung des Fragestellers, dass es drei Mann braucht, um die Pfeife aus der Fassung zu heben, wird von Barré bestätigt, Auch er lässt keinen Zweifel offen, dass er vor einer delikaten Aufgabe steht.

Doch noch Grund zum Schmunzeln

«Was wird vorgekehrt, damit es bei der Reinigung der Stuckaturen nicht zu einer Kostenüberschreitung kommt?», wird Iris Fankhauser gefragt, die dieses Thema anhand von Lichtbildern beleuchtet. «Wir werden den Handwerkern auf die Finger schauen und, falls getrödelt wird, eingreifen», lächelt die Architektin aus dem Flury-Team. Obwohl es sich, wie Heeb betont, bei den Führungen nicht um einen Bettelanlass handelt, appelliert Paul Rutz an die Spendierfreudigkeit der Bevölkerung. «Vergesst nicht, dass man die Spende von den Steuern abziehen kann», bringt der Stadtpfarrer ein gewichtiges Argument ein und erwirkt doch noch einen Lacher.

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