Grossbrand
Brand-Opfer von Solothurn: «Alles war dahin»

Der Grossbrand in Solothurn hat grossen finanziellen und emotionalen Schaden angerichtet. Mieter haben ihre Wohnungen und Habseligkeiten verloren. So auch Markus Affolter. Der 30-Jährige hat beinahe all sein Hab und Gut verloren.

Lea Durrer
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Die Wohnung von Markus Affolter brannte vollständig aus

Die Wohnung von Markus Affolter brannte vollständig aus

AZ

Erst vor wenigen Wochen ist Markus Affolter in seine Dachwohnung gezogen, packte seine Kisten aus und richtete sein neues Heim nach seinen Vorstellungen ein: Das Sofa und den Fernseher an den richtigen Platz platziert, die Bücher ins Regal gestellt und ein paar persönliche Schätze ins richtige Licht gerückt.

Doch seine Freude über die neue Wohnung sollte nicht lange wären. Sein Hab und Gut fiel den Flammen zum Opfer.

Einen Tag nach der verheerenden Feuersbrunst in der Solothurner Altstadt steht der 30-jährige in der Baubranche tätige Projektleiter noch immer unter Schock.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Er war in Olten bei der Arbeit, als eine Kollegin ihm die entsetzliche Nachricht überbrachte: Die Altstadt brennt. «Zuerst habe ich gedacht, dass sie mich veräppelt.» Nach mehrmaligem Nachfragen habe er ihr aber geglaubt und sich sofort in den Zug Richtung Solothurn gesetzt.

 Der Solothurner Altstadtbrand – am Tag danach.
10 Bilder
 Erst von der Feuerwehrkanzel aus zeigt sich das ganze Ausmass der Feuersbrunst.
 Von der Liegenschaft Hauptgasse 54 griff das Feuer auf insgesamt fünf Häuser über.
 Die Liegenschaften 54/58 müssen nach diesem Vorfall komplett saniert werden.
 Die Schadensumme ist zurzeit noch nicht abschätzbar. Mit «mehreren 100 000 Franken» dürfte die Einschätzung der Kapo allerdings ziemlich zu tief liegen.
 Die Feuerwehrmänner mussten sich vor fallenden Ziegeln und anderem Schutt in Acht nehmen.
 Die nun obdachlosen Bewohner der betroffenen Wohnungen werden zwischenzeitlich im St. Annahof an der Barfüssergasse untergebracht.
 Die Brandursache ist bis zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar.
 Die Trümmer vor der am stärksten betroffenen Liegenschaft Hauptgasse 54.
 Nachdem der Wasseranschluss in der Goldgasse durch Trümmer beschädigt wurde, mussten die Feuerwehrleute nordseitig eine Ersatzquelle für Löschwasser finden.

Der Solothurner Altstadtbrand – am Tag danach.

Daniel Wagmann

Zuerst hoffte Affolter noch, dass «alles nicht so schlimm» sein würde. Seine Zuversicht schwindete jedoch bald: Vom Kronenplatz aus konnte er nur noch zuschauen, wie aus seiner Dachwohnung in der Hauptgasse 56 zuerst Rauch, dann Feuer gegen Himmel stieg.

Dann wurde es ihm zu viel. «Ich musste etwas trinken gehen.»

Zwei Gegenstände gerettet

Um 21 Uhr kontaktierte ihn die Polizei. Zusammen mit zwei Beamten betrat er endlich seine vollständig ausgebrannte Wohnung. Das Feuer hatte ganze Arbeit geleistet. «Alles war dahin», erzählt der 30-Jährige.

Zwei persönliche Gegenstände konnte Affolter jedoch retten: Sein Pass und ein Fotobuch. Die einzigen Dinge, die er in den verkohlten Resten fast unbeschadet auffand. Es sei zumindest noch alles erkennbar, sagt Affolter. «Alle anderen Erinnerungsstücke sind zerstört». Was das Feuer nicht vernichtete, fiel dem Löschwasser zum Opfer. «Es befand sich nichts mehr da, wo es einmal gestanden hatte.» Auch vom Dach sei nicht viel übrig geblieben.

Millionen-Schaden

Der Sachschaden betrage «sicher mehrere Millionen Franken», sagte Thalia Schweizer, Mediensprecherin der Kantonspolizei Solothurn, am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Derzeit werde die mögliche Einsturzgefahr der Häuser abgeklärt.

Rund 40 Personen, die in den fünf Häusern in der Hauptgasse im Herzen der Altstadt wohnen, konnten die Nacht auf Mittwoch nicht in ihren Wohnungen verbringen. Wann sie zurückkehren können ist noch unklar.

Das gesamte Ausmass des Brandes werde er sich wohl heute Mittwoch oder spätestens am Donnerstag ansehen.

Freunde unterstützen ihn

In der Zwischenzeit ist Markus Affolter bei Freunden untergekommen. Dort könne er vorübergehend bleiben. Der 30-Jährige freut sich über die grosse Resonanz und Anteilnahme. Noch heute melden sich immer wieder Leute bei ihm, um sich zu erkunden, wie es ihm gehe oder bieten gar ihre Hilfe an.

Wie es nun weiter geht? «Ich habe keine Ahnung», sagt der 30-Jährige. «Das werden die nächsten Tage zeigen.» Erst einmal wird am Donnerstag sein Versicherungsvertreter mit ihm durch die Wohnung gehen. Ein Lichtblick für Affolter: «Die scheinen ziemlich unkompliziert vorzugehen.» Stress mit der Versicherung könnte er nun wirklich nicht gebrauchen.

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