St. Ursen
Brand in St. Ursen-Kathedrale: Ein Fall, der nicht alle Tage vorkommt

Der Brandanschlag vom Januar 2011 auf die St. Ursenkathedrale richtete grossen Schaden an. Wie der Schaden von 3,5 Millionen Franken versicherungstechnisch aufgeteilt worden ist, wurde an einem Gespräch erklärt.

Wolfgang Wagmann
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Brandstifter richtet in St. Ursenkathedrale grossen Schaden an
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Der zerstörte Altarbereich
Überreste des Brandanschlags.
Der Tatort: Altarbereich der Kathedrale.
Die Polizei sperrte die Kirche ab.
Ein erster Augenschein am frühen Nachmittag zeigte das Ausmass des Anschlags
Die Feuerwehr fährt auf
Die Kathedrale vor dem Brand. St. Ursenkathedrale Solothurn, Chor

Brandstifter richtet in St. Ursenkathedrale grossen Schaden an

Tele M1

«Der Schaden wird auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt.» Das verkündete am Dienstagabend, 4. Januar 2011, Moderatorin Sabine Dahinden in «DRS Aktuell». Am Montag wurde an einem Panel-Gespräch der Mobiliar Versicherungen im Palais Besenval die damalige Sendung zum Brandanschlag in der St.-Ursen-Kathedrale nochmals abgespielt. Und Erinnerungen an den fatalen Tag stiegen nicht nur bei Generalagent Hans Jürg Haueter auf.

 Zur Schadensregelung in der St.-Ursen-Kathedrale diskutierten (v.l.) Kommunikationschef Peter Marthaler, Baukommissionspräsident Eugen Baschung, Architekt Pius Flury und Generalagent Hans Jürg Haueter. ww

Zur Schadensregelung in der St.-Ursen-Kathedrale diskutierten (v.l.) Kommunikationschef Peter Marthaler, Baukommissionspräsident Eugen Baschung, Architekt Pius Flury und Generalagent Hans Jürg Haueter. ww

Doch er war einer der Hauptbetroffenen, denn neben der Solothurnischen Gebäudeversicherung SGV war die «Mobiliar» gefordert. «Damals ging es vorerst auch einmal um die Bischofswahl, und ob diese nur kurz darauf stattfinden könne», erinnerte sich Haueter. Schnell einmal sei klar geworden, dass – schon nur, weil die Orgel unbespielbar geworden war – die Bischofsweihe verlegt werden musste. «Das Bistum war für solch einen Fall nicht versichert und wir kamen im Sinn einer Kulanzzahlung im fünfstelligen Bereich für die Kosten auf», konnte Schadensinspektor Peter Bill erzählen.

Gerüste für 700'000 Franken

Doch das war nur der Anfang: Zuletzt summierten sich die Reinigungs-, Instandsetzungs- und Ersatzkosten auf 3,5 Mio. Franken. «Nun stellte sich wegen der Synergien, die sich erzielen liessen, auch die Frage der Gesamtsanierung», brachte St.-Ursen-Architekt Pius Flury den nächsten Punkt, die Renovation des gesamten Kircheninnern für weitere 4,5 Mio. Franken ins Spiel.

Immerhin habe man Gerüste für 700 000 Franken benötigt, betonte Eugen Baschung, Baukommissionspräsident der römisch-katholischen Kirchgemeinde, und so konnte man Reinigung und Sanierung in einem erledigen, wäre doch die Renovation in nächster Zeit ohnehin fällig gewesen.

Wer nun für was zahlt

Nun stellte sich für die beiden Versicherungen und die Kirchgemeinde die heikle Frage: Wer zahlt was? Die Gebäudeversicherung kommt primär für Handwerkerleistungen auf, nicht aber für kunsthandwerkliche Arbeiten. Alle Parteien waren sich im Palais Besenval aber einig, dass die Regelung doch «sehr unkompliziert» verlaufen sei. Die 3,5 Mio. Reinigungskosten wurden «ca. fifty-fifty» aufgeteilt, erklärte für die «Mobiliar» Peter Bill. «Die Gebäudeversicherung übernahm primär die Altäre und Figuren, wir die Gemälde und Fresken an der Decke.»

Allerdings mahnte Generalagent Hans Jürg Haueter: «Wir können nur so grosszügig sein, wie es das Vertragswerk auch zulässt», spielte er auf die Erneuerung des Versicherungsvertrags durch den langjährigen «Mobiliar»-Kunden, die römisch-katholische Kirchgemeinde, im Jahr 2009 an. Tatsächlich habe man zuvor «eine massive Unterdeckung» festgestellt, meinte danach Kirchgemeindeverwalter Roland Rey bei Kaffee und Gipfeli, «und zum Glück haben wir damals den Vertrag erneuert.» Übrigens, gegen einen Schaden «durch Dritte» kann sich die Kirchgemeinde nicht versichern: gegen ein Erdbeben, wie es beispielsweise 1877 etliche Rissschäden zu St. Ursen angerichtet hatte.